Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1878)
- Date
- 1878-01-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Liebe zu Gott ist unser wahrhaftes Leben; sie ist das Band der Kräfte des Verstandes und des Herzens. Nur derjenige Mensch ist arm und verlassen, welcher Gott nicht liebt, und wären alle Schätze der Welt sein eigen, und säße er auf dem größten Throne und herrschet er über die mächtigsten Völker. Derjenige aber, welcher Gott liebt und Seine Gebote beachtet, ist niemals arm, ist niemals verlassen, nach dem Ausspruche des Psalmisten: ynti atj/j pns ttjo jOi »njpj dj »n”n .ont> „Ich bin jung gewesen und bin alt geworden und habe nicht gesehen, daß der Fromme sich verlassen fühlte, selbst wenn seine Nachkommen gezwungen waren, Brod zu suchen." Ohne den Glauben an Gott gibt es keine Gerechtigkeit unter den Menschen; wenn der Glaube an Gott fehlt, so fällt auch jedes andere Vertrauen hinweg. Wir sollen auch bei den Nichtjuden den Glauben an Gott und das religiöse Gefühl achten und ehren. Rabbi Hirsch Margolioth, einer der größten Männer seiner Zeit, war vor circa 150 Jahren Rabbiner in Halberstadt*); bei seinen häufigen Reisen zu den Gemeinden seines Kreises bediente er sich eines nichtjüdischen Miethskutschers, eines gottesfürchtigen Mannes. Nach dem Tode desselben bemerkte der Rabbiner, daß der Sohn, der das Geschäft seines Vaters fortsetzte, seinem (nichtjüdischen) Glauben nicht anhing. Der Rabbiner nahm von der Zeit an stets einen andern Fuhrmann. Nach einigen Jahren wurde jener nichtgottesfürchtige Lohnkuffcher zum Tode verurtheilt; er hatte einen Reisenden erschlagen und beraubt. Gott offenbart sich überall in seinen Geschöpfen; unsere Väter haben Seine Wunder geschaut, und wenn Er sich uns nicht mehr unmittelbar offenbart, so hat Er doch dem Himmel und der Erde befohlen, uns seinen Ruhm zu verkündigen. -MD VT npyoi bx T32 Ci’IDDD D'D»n „Die Himmel verkünden die Ehre Gottes und Sein Händewerk zeigt an das Firmament." ppso uyotf mTDi pan. ",Aus jedem Wink'l der Erde können wir Gottes Preis vernehmen," wann der Frühling seine Blüthen über die Welt streut, Lerchen über den Wolken und Nachtigallen in dunklen Gebüschen singen, wann des Sommers Aehren schwellen, wann im Herbst die Traube reifet und *) Wir haben in der (rrzählnng „Ter Königliche Resident" ausführlich von ihm berichtet. wanu im Winter Schnee und Eis die Erde decket — immer, immer, wird uns Gottes Allmacht, Weisheit und Güte offenbar. Die Lebensmittelfälschung. in. Es gereicht uns zur großen Freude, bevor wir in der Aufzählung der verfälschten Lebensmittel fortfahren, constatiren zu können, daß unser Hinweis auf die Verfälschung der Butter Berücksichtigung gefunden. — Wir führen von den zu unserer Kenntniß gelangten Fällen für heute folgende an. DieZwieback-Bäcke rei von D. Strauß in Mainz empfiehlt in den Zeitungen, durch unsere Anregung dazu veranlaßt, ihren Zwieback als nur aus rein echter Butter gebacken. . Herr W. Rosenbaum in Memmingen (Bayern), aus Zell bei Würzburg stammend, vielen Lesern des ..Israelit" durch seinen vor Jahren nach Angaben des Herrn Districtsrabbiner Bamberger in Würzburg fabrizirtenKäse bekannt, benachrichtigt die Redaction des „Israelit", daß er die Einrichtung treffen werde, um jede Woche nach allen Gegenden unverfälschte, und daher streng koschere Allgäuer Butter, die bekanntlich außerordentlich schmackhaft ist, versenden zu können, und wird er über das kleinste zu versendende Quantum nebst Preiscourant demnächst in einer Annonce in diesen Blättern Mittheilung geben. Herr vr. O. Bredemann (Apotbeke zum Frankfurter Adler) in Frankfurt a. M. theili anläßlich unserer Artikel der Redaction des „Israelit" mit, daß die Verfälschungen von Butter seit einigen Monaten dort viel seltener geworden sind. Bon Seiten der Marktpolizei wurde daselbst alle verdächtige Butter behufs Untersuchung Herrn vr. Bredemann übergeben, und haben die bei constatirter Fälschung erfolgten empfindlichen Strafen diesem Unwesen bedeutend Einhalt gethan. Auch dieser erfreuliche Fall dürste leider ziemlich vereinzelt dastehen, da sich aus folgenden, den Fachblättern entnommenen Mittheilungen ergibt, wie die Butterfälscherei noch im vollen Flor steht und oft wunderliche Blüthen treibt. So macht in den „Industrie-Blättern" Herr Eugen Dietrich folgende Mittheilungen übereine neue Art der Butlerfälschung: „Ich erhielt vor einiger Zeit eine Butter zur Untersuchung mit der Angabe, dieselbe erscheine deßhalb verdächtig, weil sie beim Stehen rothe