Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1878)
- Date
- 1878-01-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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32 und berichtete in seiner lebhaft heiteren Weise sein komisches Zusammentreffen mit dem Erwähnten. „Was hat er denn bei Dir gewollt, Vater? hat er Dir vielleicht eine Partie für Rosa vorgeschlagen? da wäre er zu spät gekommen, denn so eben hat Rosenbaum mich dringend gebeten, sein Fürsprecher bei Dir zu sein und ich weiß sicher, daß Rosa —" „Davon wollen wir später reden; ich höre Deine Schwester draußen, sie wird gleich hier sein, um uns zum Essen zu rufen. Was jedoch Wintcr's Vorschlag betrifft, so galt der nicht Rosa, sondern Dir." „Mir? beschäftigen sich die Leute auch schon mit mir?" „Nun, ich dächte, es wäre nicht mehr zu früh," erwiederte der Vater lächelnd, indem sein Blick mit innigem Wohlgefallen in das jugendfrische, geistvolle Antlitz des Sohnes schaute und an dessen hoher kräftiger Gestalt herniederglitt. C’est celon, es kommt eben darauf an, um wen, oder vielmehr um welche es sich handelt" „Hast Du vielleicht schon gewählt?" forschte der Vater. Carl wandte sich rasch ab, er fühlte, wie das Blut ihm in die Wangen schoß. „Gewählt," wiederholte er zögernd —- „nein, ich habe noch nicht gewählt." Ein Lächeln zuckte um die Mundwinkel des Vaters, er hatte die Erregung des jungen Mannes wohl bemerkt. „Nun, wenn Du noch keine Wahl getroffen hast, so könnten wir Winter's Antrag doch in Erwägung ziehen. Kennst Du vielleicht ein Fräulein Emma Weigert?" „Emma Weigert?" rief Carl und die Gluth in seinen Wangen stieg noch höher, aber er dachte nicht mehr daran, sie zu verbergen, leuchtenden Auges schaute er den Vater an. „Von Emma Weigert hat Winter Dir gesprochen?" fragte er hastig. „So ist's, mein Sohn. Die junge Dame scheint Dir nicht ganz fremd zu sein." „Freilich nicht, in jüngster Zeit bin ich öfters mit ihr zusammengetroffen. Denke Dir nur, Vater, ein junges Mädchen, erzogen in den allerdings humanen, aber in religiöser Beziehung äußerst laxen Grundsätzen des Bankier Weigert, die sich an der Seite ihrer über alles Religiöse spöttelnden Schwester in nichtjüdischen und was noch mehr sagen will, in unjüdischen Kreisen bewegt, und wegen ihrer seltenen Schönheit von allen Seiten bewundert, die daher, ich möchte fast sagen, mit Gewalt in die entgegengesetzte Richtung gedrängt wird und die trotzdem die Wahrheit erkennt und mit ihrem ganzen Streben unsere heiligen Gebote zu halten sich bemüht!" „Unbegreiflich," sprach Grün staunend, „aber Deine Schilderung stimmt mit Winter's Mittheilung überein." „Du brauchst sie nur zu sehen, Vater, und wirft Alles begreiflich finden. In diesen wunderbar sanften Zügen liegt ein Ausdruck — den zu bezeichnen ich nicht Worte finde. „Nun, nun, nun," lachte der Vater, „lass uns nur für heute noch auf der Erde bleiben. Aber ich sehe, Winter hat Recht." „Was hat er denn gesagt? — wem ist die Idee eigentlich gekommen?" „Winter sagt allerdings ihm selbst, doch wenn mich nicht Alles trügt, so hat Weigert ihn geschickt. „Weigert? nicht möglich!" „Und warum nicht möglich? ich denke, Du kannst Dich sehen lassen, Dein Geschäft hat in der kurzen Zeit seines Bestehens einen Aufschwung genommen, der Dich selbst überrascht, und daß Du vor einigen Monaten das große Loos gewonnen hast, das wird dem Herrn Weigert auch wohl bekannt sein." „Mag sein, aber trotzdem hätte ich nicht geglaubt, daß ich als Schwiegersohn ihm willkommen wäre, ich glaubte, er würde nur einen wählen, der mehr mit seinen eigenen religiösen Anschauungen harmonirt." „Darin scheinst Du Dich doch geirrt zu haben. Und übrigens, wenn seine Tochter in Wirklichkeit so religiös ist, wie es den Anschein hat, so finde ich es auch begreiflich, daß er die Wahl ihres Gatten ganz in ihrem Sinne treffen will. — Und Du fragst gar nicht nach der Mitgift?" „Was kümmert mich ihr Geld, wenn ich Emma erlangen kann." „In gewissem Sinne hast Du wohl recht, obgleich ich das Geld gerade keine unbedeutende Nebensache nennen kann. Ein Mädchen wie Emma Weigert zu sein scheint, ist allerdings eine Seltenheit." „Eben deßhalb. —" „Eben deßhalb müsse man zuvor die genauesten Erkundigungen einzuziehen suchen^, ob sie in Wirklichkeit so ist, wie sie zu sein scheint" „Aber um des Himmelswillen Vater! Du wirst doch Emma nicht zu einer Heuchlerin machen wollen?" „Das ist eine eigenthümliche Frage, die sich eben nur durch Deine Erregtheit und Deine Eingenommenheit für das junge Mädchen entschuldigen läßt." „Verzeihung, Vater, ich sehe ein, ich habe mich ungeziemend ausgedrückt. — Aber in Wirklchkeit — ich begreife nicht, wie Du an dem zweifeln kannst, was man von allen Seiten hört und wovon ich mich mit eigenen Augen überzeugt habe." „Und wovon hast Du Dich überzeugt?" „Daß sie nicht Milch bei Nichtjuden trinkt. Ich traf sie neulich mit einer größeren Gesellschaft in einem öffentlichen Garten. Alle hatten Milch vor sich, nur sie ein Glas Wasser, oder war es Limonade." „Um das als Beweis ihrer Religiösität betrachten zu können, müsse man zuvor wissen, aus welchem