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Der Israelit · 1878-01-09 · Heft 2 (9.1.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 2 (9.1.1878)
Date
1878-01-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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31 und auch Werke an vertrauungswürdige Personen, Gelehrte, unter den nöthigen Cautelen zur häuslichen Benützung verabreicht wurden. Die Einnahmen betrugen 1256 fl., die Ausgaben 636 fl. Pesth. Christoph Schiffmann, Güter-Jnspector des Joh. Nako de Nagy-Szt.-Miklos, hat, wie man uns schreibt, seit zwei Jahren beinahe die Hälfte seines bedeutenden Vermögens zu wohlthätigen Zwecken verwendet. Er kaufte der griechisch-orthodoxen rumänischen Bevölkerung in B.-Komlos um 3000 fl. ein Haus, das zur Erweiterung der Schule verwendet wurde, verwendete 40OO fl. für eine Armenstiftung ohne Unterschied der Religion, ferner 10,000 fl. für Stipendien, die an Serben, und 6000 fl. für Stipendien, die an Rumänen zu vertheilen sind, sodann widmete er 6000 fl. der Mclenzer Gemeinde, dem Geburtsorte seiner verstorbenen Frau, wovon jährlich, ohne Unterschied der Religion, zwei Mädchen cmsgestattet werden, und ließ der bis heute zwar kleinen, doch sich mehrenden israel. Gemeinde den Friekhof mit Ziegeln umfangen und ein eisernes Portal ausstellen. R u m ä n i e n. Bukarest, 24 Dec. Bei allem Interesse, mit welchem man selbstverständlich hier die Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze und die in Entwicklung begriffene diplomatische Aktion der Großmächte verfolgt, kann man doch nicht umhin, auch den inneren Vorgängen jene Aufmerksamkeit zu schenken, welche dieselben vermöge ihrer Wirkung auf die zukünftige Gestaltung des Landes in vollem Maße verdienen. Und da sind es vor Allem zwei Fragen, welche dieses Interesse in erhöhtem Maße in Anspruch nehmen: die Versetzung einiger Mitglieder des früheren Cabinets Lascar Catargiu in den Anklagestand und die sog. „Judenfrage." Was die erste Frage anbelangt, so will man in gutunterrichteten Kreisen behaupten, daß die Anklage wider die gewesenen Minister zurückgezogen werden soll. Alan wartet — so heißt es — eben nur die demnächst erfolgende Rückkehr des Ministerpräsidenten Bratiano aus Bulgarien ab, um in der Kammer den Antrag zu stellen, die seinerzeit von der Kammer selbst beschlossene Anklage zurückzuziehen. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß die Kammer diesem Wunsche Nachkommen werde, denn es macht sich im Schooße derselben nicht minder als in politischen Kreisen überhaupt allmählich dasBedürfniß geltend, konservative Elemente für die heute maßgebende Politik zu gewinnen. Auch möchte man gerne nach Außen hin den Beweis erbringen, daß die konservative Partei die gegenwärtige Politik billige. — Dieselbe Rücksicht gelangt auch bei Lösung der zweiten Frage, der Frage der Juden-Emancipation, zur Geltung. Man will auch die konservative Partei, oder wenigstens eine Gruppe derselben, an der Lösung dieser Frage Mitwirken lassen, die seit jeher zu den denkbar unpopulärsten in Rumänien gehörte und welche die Nationalliberalen allein nicht zu regeln wagen, denn es handelt sich um nichts weniger, als den rumänischen Israeliten die volle Gleichberechtigung mit den anderen rumänischen Staatsbürgern zu gewähren, ein Zugeständniß, das so naturgemäß es »uch klingt, noch vor Kurzem kaum für möglich gehalten worden wäre. Ob nicht die Voraussicht, daß in Kurzem an die rumänischen Staatssinanzen gewisse unabweisliche Nothwendigkciten herantreten werden, welche nicht leicht ohne das Wohlwollen der israel. Finanzkreise des In- und Auslandes zu befriedigen sein dürften, sehr viel dazu beiträgt, die Juden - Emancipationsftage in Rumänien plötzlich so aktuell zu machen, ist eine Frage, die kaum im negativen Sinne beantwortet werden könnte. Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rotr. XVIII. „Bitte tausendmal um Entschuldigung, Herr von Grün, daß ich Sie so lange aufgehalten habe. Aber bereden Sie sich die Sache nur recht gut mit dem Herrn Sohn und in etlichen Tagen werde ich mir die Freiheit nehmen, wieder anzuftagen. Wünsche angenehme Ruh' und nochmals nichts für ungut." Damit griff er hastig nach seinem Hut und rannte zum Zimmer hinaus, die Stiegen hinunter und hätte den eben heraufkommenden jungen Grün sicher umgerannt, wenn dessen kräftige Figur den Anprall des kleinen Mannes nicht Stand gehalten. Noch lachend über den Zusammenstoß mit dem Heirathsvermittler trat Carl in das Zimmer seines Vaters, der, die Hände auf dem Rücken übereinander gekreuzt, sinnend auf- und niederschritt. „Guten Abend, lieber Vater! Du hast Besuch gehabt? wo ist denn Rosa?" fügte er sich umsehend hinzu. „Guten Abend, mein Sohn!" erwiederte Grün, die dargebotene Hand herzlich drückend. „Rosa ist vermuthlich drüben im Wohnzimmer. Kommst Du denn erst jetzt nach Hause?" „In dieser Minute. Und wenn es dem Winter nachgegangen wäre, so läge ich wohl noch unten vor der Stiege." Von Neuem brach er in ein herzliches Lachen aus

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