Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1878)
- Date
- 1878-01-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. Erste LeUagc zu Nr. 2 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart. Auf rpun hat der „Verein zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer israel. Lehrer und Vorsänger" in Württemberg seinen Bericht pr. 1. Juli 1876—77 ausgegeben, aus dem erhellt, daß die Wirksamkeit dieses Instituts mit Gottes Hi fe auch im verflossenen Jahre eine gesegnete gewesen ist und milde Herzen und offene Hände sich ihm zugewandt haben, wodurch es möglich war, neun reichliche Unterstützungen an arme Wittwen und Waisen und an einen armen und kranken Lehrer zu leisten. Wenn auch durch die gesetzgebenden Factoren die ökonomischen Verhältnisse des Standes sich gehoben und verbessert haben, so bleibt doch noch immer Zweck und Bedürsniß des Vereins dringend geboten und berechtigt. Der vor 15 Jahren mit wenigen Sparpfennigen der Lehrer in's Leben gerufene Verein ist durch die nie versiegende jüdische Mildthätigkeit von Gemeinden und Privaten so erstarkt, daß er recht Ersprießliches leisten und noch einen bescheidenen Fond für die Zukunft anlegen konnte. Auch Ihre Majestäten, König und Königin, haben diesen edlen Zweck durch gnadenvolle Huld wieder gefördert. Es sind nun fünf dreijährige Rechnungsperioden zurückgelegt und 11,942 M 82 Pf. als Grundstocksvermögen verzinslich angelegt. In den jüngsten drei Jahren betrug die Vermögenszunahme zusammen 3279 M. 15 Pf. Fast alle Gemeinden des Landes betheiligen sich durch regelmäßige Beiträge aus der Ortskasse und durch Spenden beim Aufrufen zur Thora an dem gemeinnützigen Institute. «'.i D'»n yv .na D’pnno^ Cannstatt a. N. Frau Sophie Kiefe, bürgerlich in Baisingen im Schwarzwalde, welche im vorigen Jahre von Heilbronn hierher übersiedelte, zeichnete sich jüngst, wie schon früher bei dem baldigen Tode ihres fei. Mannes, gelegenheitlich des leider frühen Hinscheidens ihres ältesten Sohnes durch reichen Stiftungssinn aus, indem sie dem jüd. Waisenhause zu Eßlingen 20u, dem König!. Schullehrerstminar ebendaselbst l-00 M. zuwendete und die israel. Gemeinde Sontheim bei Heilbronn, auf deren Friedhof die Frühentschlafenen n"y beerdigt sind, mit einem Jahrtagslegat bedacht hat, aus dessen Ertrag alljährlich “iw honorirt wird. Aus Württemberg. In den jüngsten Wochen forderte ein evangel. Dekan seine Gläubigen von Haus zu Haus und in der Zeitung salbungsvoll auf, künftig ihre Kaufläden an den christl. Sonn- und Festtagen den ganzen Tag zu schließen. Die katholische Geistlichkeit schloß sich auf Einladung der frommen Bitte in kurzen Worten an. So weit wäre Alles in Ordnung. Aber auch an den Rabbinen wagte der eifrige evang. Vorstand des Pfarrgemeinderaths sein Gesuch um Anschluß zu richten, daß dieser die israel. Kaufleute veranlassen möge, auch an den genannten christl. Feiertagen ihre Läden zu schließen, da die Gottesfurcht bei den Israeliten ja doch von Tag zu Tag ab-, bei den Christen hingegen zunehme. Da der Rabbiner zu einer solchen oontraäiotio in aHeoto sich nicht herabwürdigen konnte, sondern auf die Statistik der Strafkammern und Schwurgerichte hindeutete, versuchte der Missionär sein Glück bei den einzelnen jüdischen Kaufleuten, natürlich mit derselben Erfolglosigkeit. — Kein Märchen — sondern pure Thatsache. Carlsrrrhe i. B., 1. Jan. Nr. 327 der in Petersburg erscheinenden Zeitung „Nowosti" enthält folgende Correspondenz aus der an der Kursk - Kiewer * Eisenbahn liegenden Kreisstadt Nijeschin: „Gestern, den 10/22. December, ist hier ein offieielles Telegramm vom Kriegsschauplätze angelangt, welches von einer außerordentlichen Heldenthat des hiesigen Juden Löb Feigenburg*) seine Mitbürger in Kenntniß setzt. Die jüdische •) Wir haben über die Heldenthat selbst bereits in voriger Nummer berichtet. — Red.