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Der Israelit · 1878-01-02 · Heft 1 (2.1.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 1 (2.1.1878)
Date
1878-01-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 unsres Volkes seiner heiligen Aufgabe immerdar treu bleiben wird. Wir lesen in diesen Wochen die Geschichte des Auszuges der Kinder Israel aus Aegypten, und da findet sich in Bezug darauf eine merkwürdige Prophetie im Buche Jecheskel, von der sich anscheinend in der Thora keine Andeutung findet. Es heißt nämlich Jecheskel Cap. 20, V. 5—8: „Also hat gesvrochen der ewige Gott: Am Tage, da ich erwählte Israel und meine Hand empor hob für den Samen des Hauses Jakob und mich ihnen offenbarte im Lande Mizrajim und meine Hand ihnen aufhob, sprechend: Ich bin der Ewige, Euer Gott; an jenemTage habe ich ihnen meine Hand emporgehoben, sie zu führen ans dem Lande Mizrajim in das Land, welches ich ihnen ausgesucht, wo Milch und Honig fiießt, das herrlichste unter allen Ländern. Und ich sprach zu ihnen: Ein Jeder soll die Greuel seiner Äugen wegwerfen , und an den Götzen Aegyptens sollt ihr euch nicht verunreinigen, ich, der Ewige, euer Gott- Und sie waren widerspeniriq wider mich und sie wollten nicht aus mich hören; ein Jeder warf die Greuel seiner Augen nicht weg und die Götzen Mizrajims ließen sie nicht, und ich dachte meinen Grimm über sie auszugießen und meinen Zorn über sie ausgehen zu lassen im Lande Mizrajim." Der Prophet theilt uns hier also mit, daß Gott den Israeliten in Mizrajim befohlen habe, von den Götzen Mizrajims zu taffen und daß sie sich dessen noch in Mizrajim geweigert hatten. Von allem dem finden wir anscheinend keine Andeutung in der Thora. Allein unsre Weisen geben uns im Midrasch Aufschluß darüber. Gleich am Anfänge der Sidra Waöra wird erzählt, daß Gott den Moscheh mit den tröstlichsten, schönsten. herrlichsten Verheißungen an die Israeliten abgeordnet habe. -impo ntpo 'tn «Pi oc bn p nro -cti .nxp moyDi nn „Und Moscheh redete also zu den Kindern Israel und sie hörten nicht auf Moscheh wegen Kürze des Odems und wegen harter Arbeit." So übersetzt man gewöhnlich rnisyoi nn nsipo nipp; aber im Midrasch wird erklärt ne/p ''n& mi moj/D Brnsi? cm, und demnach müßten wir übersetzen: „Und sie hörten nicht auf Moscheh wegen unzulänglicher geistiger Fassungskraft (nn nsipo) und weil es ihnen schwer wurde, sich von dem gewobnten Götzendienste zu trennen (nvp moj/öi). Nach der Erklärung des Midrasch ist es das, worauf die in Jecheskel erwähnte Erzählung sich bezieht. Gott schickt Moscheh mit den herrlichsten, schönsten Verheißungen von Freiheit, Glück, Reichthum, Ehre, und die J-raeliten ziehen die harte Knechtschaft, Elend, Armuth, Verlust der Kinder vor, wenn sie nur den Götzen der Völker dienen können, in deren Mitte sie wohnen. Ist es nicht noch heute vielfach so? Seit Jahrtausenden haben sich unsere Gottesledre und unser GoUesgesetz bewährt als unser größter Reichthum, unser kostbarster Schatz, als unser Leben und unser Glück — und die Söhne und Töchter unseres Volkes werfen unser köstlich Kleinod hin für jede Modethorheit! DarwinscheÄffentheorie, atomistische Weltentstehung, monistische Weltanschauung, und wie die Modethorheiten alle heißen. und Gottes Lehre liegt unbeachtet im Winkel und Gottes Gesetz wird öffentlich verletzt, und die Anwälte desselben werden als Fanatiker und Finsterlinge verhöhnt und verfolgt. Aber, wie einst Gott trotz Allem Israel aus Mizrajim befreite, so werden wir trotz Allem Gottes Volk bleiben. und Gottes Majestät wird sich an uns offenbaren. wie in der Vergangenheit so in aller Zukunft bis ans Ende der Tage. Zeiturr gsnachrichten und Corresporrdenzerr. Deutschland. Mainz, 28. Dec. Von Pesth, von Bingen und andern Orten erhalten wir Berichte, daß Reform-Rabbiner und Halbreformer am Fasttage des 10. Tebeth Trauungen vorgenommen haben. Wenn es auch nicht verboten, daß an dem genannten Tage Trauungen vollzogen werden — man läßt den Wein der Segensbecher von Kindern trinken, und die Mahlzeit hat erst Abends stattzufinden — so ist doch unter den Verhältnissen der Gegenwart, da doch die Herren Rabbinen mit Bestimmtheit wissen, daß die Festessen in derartigen Kreisen am Tage der nationalen Trauer stattfinden, ein solches Verfahren nicht zu rechtfertigen. Mainz, 30. Dec. Wir haben heute wiederum 1780 M, 27 Pf. für die Nothleidenden rc. im heiligen Lande an das Central-Cvmits in Amsterdam geschickt, also mit der in Nr. 51 erwähnten Sendung 3467 M. 77 Pf. Die Summe der von uns für obigen Zweck im Jahre 1877 gesammelten und übersandten Gelder beträgt nunmehr 41,746 Mark 34 Pf. *— Die Nachrichten, die uns aus Palästina zukommen, lauten noch immer sehr betrübend. Möge der allgütige Gott baldigst Hilfe senden.

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