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Der Israelit · 1877-12-26 · Heft 52 (26.12.1877) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 52 (26.12.1877)
Date
1877-12-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1234 Excellenz das Versprechen thunlichst diesen Gegenstand berücksichtigen zu wollen. Nun wäre das Eine noch so erwünscht, daß die löbl. isr. Alliance in Wien, die dem Tachauer Rabbiner schon schriftlich versprach, vorzüglich hat dies besonders Herr Rabbiner vr. Güdemann feierlichst versprochen, sich nachdrücklichst für die Sache am geeigneten Orte zu verwenden, daß sie dies gütigst bald vollführen würden, damit endlich eine günstige Erledigung zu erwarten sei. Der Referent über diese Petition, Herr vr. Rodler (Nichtjude) verspricht, wie immer, für die Sache Alles aufzubieten, meint jedoch: Wenn es der Herr Abgeordnete I. Fürth unternehmen würde, seinen Wunsch dem H. Minister besonders zu erkennen zu geben, dann sei es außer Zweifel, daß diese Fragen am günstigten entschieden werden. Hoffen wir, daß diese Herren, ihren guten Willen zum kräftigen Ausdruck zu bringen, nicht unterlassen werden. ü'isy rta’i D'p^x tsi 8. Tacharr. Der Tachauer Frauenverein „Talmud Thora." welcher der Auszeichnung sich erfreut, Ihre k. Hoheit, die Frau Erzherzogin Marie Valerie, und Ihre Durchlaucht, die Frau Fürstin Mathilde zu Windischgrätz als Mitglieder zählen zu dürfen, wurde neuerlich dadurch höchst geehrt, daß auch Ihre Durchlaucht, die junge Frau Fürstin Gabriele zu Windischgrätz, geb. Fürstin Auersperg, mit wohlwollender Zuvorkommenheit diesem Verein beigetreten ist. Hochdieselbe hat dem Rabbiner daselbst eine 50 fl.-Note für den Verein. mit einem ehrenden Schreiben zukommen lassen. Daß dieser Verein diese Auszeichnung verdienen muß, liegt offen am Tage. Ehre dem Ehre gebührt. Frankreich. Paris Der Monatsbericht vom November der „All. isr." hebt namentlich das großartige, wohlthätige Wirken der „Wiener Alliance" für die durch den Krieg leidenden türkischen Juden hervor. Obgleich wir über den Empfang der Israeliten von Kazanlik in Constantinopel bereits berichtet, wollen wir dennoch nachstehenden zweiten Brief des H. Veneziani veröffentlichen, der sehr rührende Scrnen schildert: Constantinopel, 7. November. Durch H. Fernandez von der bevorstehenden Ankunft der Israeliten von Kazanlik in Constantinopel benachrichtigt, hatte ich meine Rückkehr nach dieser Hauptstadt beeilt und sofort Maßregeln zur Einquartirung der Flüchtlinge ergriffen; die Regierung hatte dem Chef der Gemeinde und Hrn. Fernandez 2 große Wirthshauser zur Verfügung gestellt, welche die ganze genannte Colonie aufnehmen konnten; allein ich fand diese Anhäufung von Menschen, die mit Krieg, Plünderung. Elend und Schwäche heimgesucht sind, gesundheitswidrig und machte den Vorschlag, der auch angenommen worden, einen Aufruf an die Theilnahme unserer hiesigen Glaubensgenossen zu richten mit der Bitte, daß Jeder einen oder mehrere unserer Flüchtlinge zeitweilig bei sich aufnehme. Am 5. November früh kam der unsere Flüchtlinge tragende, von der „Wiener Alliance" gemicthete „Nil" der Lloyd-Gesellschaft in Sicht; um 8 Uhr ankerte er im goldenen Horn. Die HH. Sam Molho, Mossö v. Toledo, Pace Guetta und Abr. Levy begaben sich an Bord mit den von der Regierung zur Ausschiffung der Flüchtlinge gütigst bereit gestellten Barken und leiteten die Ausschiffung, die in guter Ordnung vor sich ging; unsere Landsleute wurden bis zur Landungötreppe gebracht, wo die Vorsteher der Gemeinde, von einer sehr großen Menge Israeliten umgeben, sie erwarteten. Es bot sich hier eine rührende Scene dar; sowie die in den Barken gruppirten Familien an der Treppe landeten und die Eltern ihre Kinder, die sie auf den Armen oder in den Händen hielten, auf die Erde setzten, nahmen ihnen sofort die Notablen der Gemeinde, die zum Empfange herbeigekommen waren, die kostbare Last ab und überhäuften die Kinder dieser Unglücklichen, die sie nicht kannten, an die sie aber das Band der Religion fesselte, mit den zärtlichen Liebkosungen. Dieser rührende Empfang machte auf die anwesenden Israeliten einen tiefen Eindruck, ebenso wie auf die Zuschauer anderer Culte, die bei dieser Kundgebung brüderlicher Gastfreundschaft zugegen waren. Als die Ausschiffung beendigt war, begaben sich allesammt, Flüchtlinge und Notable, Letztere fortwährend mit den erstaunt um sich blickenden Kindern auf dem Arme, nach der Synagoge, begleitet von einer große Menge Türken, Griechen, Armenier, die von dem Anblick dieses Familienfestes bewegt waren. Auf allen Straßen kamen diejenigen Israeliten, die sich nicht zur Ausschiffung hatten begeben können, herbei, um die Vertriebenen zu bewillkommnen. Was mich betrifft, so erwartete ich die Letzteren an der Synagoge, indem ich über die Ausführung der von mir für die leibliche und geistige Stärkung derselben getroffenen Anordnungen wachte. Ich ließ ihnen bei ihrer Ankunft im Hofe des Gebäudes Bouillon und Reis mit Fleisch verabreichen. Es war das erste Mal, daß ich unsere

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