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Der Israelit · 1877-12-26 · Heft 52 (26.12.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 52 (26.12.1877)
Date
1877-12-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1232 wo jenes Provinzial-Waisenhaus aus Mangel an Existenzmitteln eingehen und sich mit seinen Utensilien und Insassen nach Königsberg flüchten mußte, wo daS reich dotirte „Israelitische Waisenhaus" auch die übriggebliebenen armen verwaiste« Kinder der Schippenbeiler Anstalt freundlich aufnahm. Auf diese Weise ist nunmehr das betreffende Kö« nigsberger Waisenhaus zugleich auch ein Provinzial-Institut geworden. — Außerdem: theile ich Ihnen noch mit, daß in diesen Tagen eines unsrer ältesten Gemeinde-Vorstands-Mitglieder, Stadtrath vr. med. M. Graf, Studien- und Gesinnungsgenosse des verewigten Joh. Jakoby, nach langem Leiden gestorben und mit großem Gefolge beerdigt worden ist. — Der stets für die wahrhaften Interessen de« Judenthums begeisterte Literat M. Freystadt hat sich noch immer nicht von den Folgen des erlittenen Beinbruchs erholt und ist dadurch gezwungen, abwechselnd auf dem Lande und in der Stadt zu weilen. — mas-m inom» 'n. M. Almoni. Thorn Die beiden jüdischen Kaufleute au8 Strasburg, welche zu der am 17. Sept. d. I. hier eröffnet«« Schwurgerichtssitzung als Geschworene einverufen, aber des Versohnungstages wegen nicht zu dem bestimmten Termin, sondern erst am 18. erschienen waren, sind wegen ihres Ausbleibens, wie die „Thorner Zig." meldet, jeder zu einer Strafe von zwanzig Mark vernrtheilt. Sie hatten gegen dieses Erkenntniß appellirt, wurden aber auch in der zweiten Instanz abgewiesen und haben sich nun, wie wir erfahren, mit einer Beschwerde an den Justizminister gewendet. Hannover, im November. Die Verwaltungs- Commission der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover hat an die Synagogen-Gemeinden der Provinz Hannover folgendes Circular gerichtet : Die Bildungs-Anstalt für jüdische Lehrer hierselbst, die seit 30 Jahren wirkt und mehrere Hundert Lehrer herangebildet hat, bedarf gegenwärtig einer thatkräftigen und nachhaltigen Unterstützung seitens der Synagogen - Gemeinden der hiesigen Provinz, zu deren Wohl sie ins Leben gerufen ist und bisher nicht ohne Erfolg gewirkt hat. Den neuen gesetzlichen Vorschriften und höher« Anforderungen gegenüber hat es sich als unbedingt nothwendig herausgestellt, eine Präparandenanstalt mit dem eigentlichen Seminar zu verbinden — um gründlich vorgebildete Zöglinge zu gewinnen. Eine Uebungsfchule in weiterm Umfange war zur praktischen Ausbildung unentbehrlich und die Anstellung eines dritten Lehrers daher erforderlich. Den dadurch und durch andere nicht abzuweisende Anforderungen erheblich gestiegenen Ausgaben stehen größere Einnahmen nicht gegenüber. Die Provinzialftände haben eine weitere Erhöhung der feit einigen Jahren, mit dankenswerther Bereitwilligkeit, auf 750J Mark jährlich normirten Subvention abgelehnt. Aus Staatsmitteln ist nichts zu erlangen, weil nach Ansicht der Königlichen Regierung jede Beihilfe für das jüdische Synagogen- und Schulwesen dem Provinzialfond übertragen ist. Bon Seiten der Synagogen-Gemeinden der hiesigen Provinz ist aber seit Jahren, mit wenigen rühmlichen Ausnahmen, trotz unserer wiederholten Aufforderungen nichts geschehen. für Erhaltung einer Anstalt, welche wie keine andere für den Fortbestand der Synagogen-Gemeinden unentbehrlich ist. Wenn jetzt schon die Klagen über den Lehrermangel und den dadurch bedingten Verfall des religiösen Lebens in Synagoge und Schule immer lauter werden, so würde ein Eingehen oder selbst ein nur kümmerliches Fortbestehen unserer Anstalt jede Abhilfe unmöglich machen. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, haben wir es gewagt die neuen Einrichtungen zu treffen, ohnx im Besitz der nöthigen Mittel zu sein^ Die Zahl der Schüler ist dadurch wieder auf über zwanzig gestiegen und die Aussicht auf fortschreitende Entwicklung und Bessergestaltung der Anstalt gegeben — wenn uns das Vertrauen auf die oft bewährte Opferwilligkeit nicht täuscht. Es bedarf nicht großer Opfer. Wenn jede Synagogen-Gemeinde der Provinz sich verpflichtet, nur ein Procent ihres jährlichen Budgetzur Erhaltung unserer Anstalt beizusteuern, so ist dem dringendsten Bedürfniß abgeholfen und eine sichere Grundlage gewonnen. Es handelt sich um die Erhaltung der Anstalt! Für Erhaltung der Schüler, die ganz bedeutende Kosten verursacht, hat bisher die Wohlthätigkeit hiesiger Gemeindemitglieder gesorgt, die jetzt wieder in einer dafür veranstalteten Sammlung auf das Glänzendste sich bewährt. Möge daS Beispiel Nachahmung finden und das heilige Werk der Jugendbildung überall warme Herzen und offene Hände finden! Die Herren Vorsteher bitten wir ergebenst, baldthunlichst durch einen Gemeindebefchlrtzß die Uebernahme eines festen Beitrages für unsere Anstalt auf das Gemeindebudget erwirken, die Herren Lehrer aber, daS darauf gerichtete Bemühen durch ihren Einfluß in der Gemeinde nach Kräften unterstützen zu wollen.

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