Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1877)
- Date
- 1877-12-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Erste Leilagr zu tlr. 52 -es Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Uebungs-Buch zur Erlernung der hebräischen Laut- und Leseiehre für Anfänger, von M. Lewing er, Prediger der Synagogengemeinde in Bremen. Breslau. 1677. A. Hepners Verlag. Uebungsbücher zu schreiben, zur Erlernung des Lautirens und Lesens für Anfänger, ist leine so leichte Arbeit als vielleicht Manche glauben. Der Verfasser d?s vorliegenden Buckes hat aber diese Schwierigkeit so unterschätzt, daß er auch die billigsten Forderungen außer Acht ließ, die man an eine derartige Arbeit stellt. Das Büchelchen soll eine Laut- und Leselehre enthalten, die erste Ueberschrift lautet dem entsprechend: „Erster Abschnitt. Lautlehre;" wir haben in dem ganzen Buche vergebens nach einem ..zweiten Abschnitt, Leselehre," gesucht. Für die Leselehre fehlt die Ueberschrift und für die Lautlehre fehlt der Inhalt. Denn unter der Aufschrift „Lautlehre" folgt sofort das Aleph Beth. also die ersten Elemente der eselehre und zwei Blättchen Lefeübung, dann wird fofo t die Fähigkeit vorausgesetzt, daß der Anfänger schon ganze zusammenhängende Sätze und Lesestücke bewältigen soll. Ist der Anfänger ein Kind, also ein A-B.-C.- Schütze der gewöhnlichen Sorte, so ist eine solche Methode geradezu ein, Unding. Hat der Vers, aber an Anfänger in vorgerückterem Lebensalter gedacht, so sind die zwei Blättchen A.-B.-C.-Schützen- Apparate ebensowenig am Platze. Durch diese confuse Zerfahrenheitverliert das Büchelchen jeden praktischen Werth. da man sich keinen Schüler und noch weniger eine Schule denken kann, der es durch Inhalt und Eintheilung des Stoffes entspricht. Es verlohnt sich daher nicht, die einzelnen zahlreichen Verstöße gegen hebräische und deutsche Orthographie und Grammatik bei einem Buche aufzuzählen, das schon durch feine ganze Anlage als verfehlt, weil für den praktischen Gebrauch durchaus ungeeignet erscheint. Für die Leser des „Israelit", welche s. Z. aus dem Artikel „Die jüdische Gemeinde in Bremen" HerrnLewinger als Prediger würdigen gelernt haben, brauchen wir zur Charakterisirung des Buches nur zu bemerken, daß Herrn L.'s Virtuosität als Laut - und Leselehrer dessen oratorischen Leistungen ebenbürtig zur Seite steht. Sollte das Büchelchen wunderbarer Weise eine zweite Auflage erleben, so empfehlen wir als Motto die Worte: rva bv rnp'j’n H'Oxn "cnn “j6’&ao ’jnn .mv p-i Zeituttgsnachvickten und Gorrefpondenzen. Deutschland. A Königsberg, 14. Dec. Von meinen neuesten Notizen in der hiesigen „Hartung'schen Zeitung" dürften folgende zwei, unscre Chebra und das Waisenhaus betreffende, Ihre Leser besonders interessiren: „Am Sonntag den 2. d. M. feierte der hiesige altchnvürdige . Israelitische Verein für Krankenpflege und Beerdigung", vorzugsweise der „heilige Verein" (Chebra Kadischa genannt) sein 173. Stiftungsfest in den Localitäten des kneiphöfischen Junkerhofes durch eine gesellige Zusammenkunft seiner Mitglieder und deren Gäste nebst einem darauf folgenden Souper, nachdem die Feier am 21. November vorher, dem eigentlichen Stiftungstage. durch einen solennen Frühgottesdienft in der Hauptsynagoge würdig eingeleitet worden. Die zahlreichen Mitglieder des Vereins, der auf die Prinzipien der reinsten Humanität und der brüderlichen Gleichheit gegründet ist, gehören den verschiedensten hiesigen Synagogengemeinden, orthodoxen wie reformistischen, fast gleichmäßig an. Die neben diesem Hauptverein seit zwei Jahren bestehende, weit über 100 weibl. Mitglieder bereits zahlende neue Frauen-Chebra wird nächstens wieder ihr besonderes Stiftungsfest in dem genannten Lokale begehen. — Vor einem Decennium etwa wurde bekanntlich in unserer Nachbarstadt Schip-, penbeil von dem Ueberreste der damaligen Nothstandsgelder ein jüdisches Provinzial-Waisenhaus gegründet, das später mitleidige Menschenfreunde durch jährliche Beitrage unterhielten. Diese flössen aber mit der Zeit immer spärlicher, so daß die Fortexistenz desselben um so ernstlicher bedroht war, als auch die zur Erhaltung des Instituts veranstaltete Lotterie ein ungünstiges Resultat lieferte. Jetzt endlich ist der Moment eingetreten.