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Der Israelit · 1877-12-26 · Heft 52 (26.12.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 52 (26.12.1877)
Date
1877-12-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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J230 den den hohen Werth des edlen Mädchens erkannt. — Sie wähnt/ fügte er mit leiser, bebender Stimme hinzu, „sogar noch etwas anderes zu erkennen. — Sie hat mich wiederholt gedrängt, ich möchte bei Ihrem Vater um Ihre Schwester werben — doch ich habe mich stets geweigert. — Heute endlich erklärte sie mir in ihrer festen, entschiedenen und unabänderlichen Weise, daß ich nur dann auf ihre völlige Verzeihung rechnen könne, wenn ich zum wenigsten den Versuch gemacht, die Herrliche zu erringen. — So," — fügte er sich stramm aufrichtend hinzu» „jetzt wissen Sie Alles — und Alles liegt in Ihrer Hanb." »Nicht in meiner,- erwiderte Carl ernst, „nicht mir steht es zu. Ihnen irgend welche Zusage zu machen. — Aber — aber —" fügte er schelmisch lächelnd hinzu, „es ist doch eine eigene Sache um eine Werbung auf Commando." „Carl!" „Ich glaubte wenigstens, Sie so verstanden zu haben, daß Sie nur aus Gehorsam gegen Ihre Mutter um meine Schwester anhalten." „Das wohl — aber — großer Gott! konnten Sie mich denn in Wirklichkeit so mißverstehen? — habe ich es denn nicht wiederholt betont, daß nur —" „Lassen Sie, lassen sie." fiel Carl ein, „wiederholen Sie nicht, was ich so ungern höre. Ich habe Sie sehr wohl verstanden und nehmen Sie die Versicherung," er bot ihm die Hand, „daß ich — so weit es an mir liegt — Ihre Werbung auf's Wärmste befürworten werde." „Dank," flüsterte Rosenbaum und drückte die dargebotene Hand innig. „Und glauben Sie, daß ich h.ffen darf?" fügte er nach einigen Augenblicken bebend hinzu. „Ihr Vater —" „Schätzt Sie." „Und Rosa?" „Ja, lieber Freund," rief Carl lachend, „das heißt doch allzuviel auf einmal fragen. — Und darüber müssen Sie doch eigentlich selbst irgend welche Bermuthung hegen. — Doch nun kommen Sie, es wird spät, mein Vater und Rosa werden mit dem Abendbrot auf mich warten." Arm in Arm traten sie den Rückweg an, beide in erregter Stimmung. Rosenbaum athmete hastig, wiederholt fuhr er mit dem Tuche über die schweißbedeckte Stirn. In seiner Brust kämpfte der nagende Zweifel an dem eigenen Werth und an der Neigung des geliebten Mädchens mit der Hoffnung auf das höchste Glück. — In dem lebensfrischen Antlitz des Andern zuckte es, als trieben ein Dutzend Schelme dort ihr Spiel; hätte der zagende Werber ihm in's Auge geschaut, ein Theil seiner Zweifel wäre rasch geschwunden. «Sie kommen doch mit hinauf," sprach Carl, als sie seine Wohnung erreicht hatten. Rosenbaum antwortete nicht sogleich. „Nein," sagte er zögernd, „jetzt wäre es mir in der That nicht möglich." „Wie, Sie wollen Ihre Verlobung auf morgen verschieben?" „Das nicht — aber ich hatte gehofft, Sie würden für mich sprechen." „Wenn Ihnen damit gedient ist, mit größtem Vergnügen , und ich wiederhole mein Versprechen, daß ich mein Mögliches thnn werde." „Dank Ihnen," murmelte Rosenbaum, „und wann — wann," fügte er zögernd hinzu, „dürfte ich wohl auf Antwort hoffen?" „Bester Freund." lachte Carl, „Sie verfallen von Extrem in Extrem; wie kann denn ich Ihnen sagen. wann Sie auf Antwort rechnen können. Kann ich wissen, wie lange Zeit mein Vater braucht, um einen Entschluß zu fassen? und Rosa — wie lange sie Bedenkzeit will?" ..Sie haben Recht, meine Frage war Unsinn, aber wenn Sie wüßten, wie es in mir gährt und tobt." „Armer Junge." Carl schlang seinen Arm um des Andern Schulter. „Vielleicht wäre es doch das Beste, Sie kämen gleich mit mir hinauf." „Nein, nein!" wehrte Rosenbanm. „Nun, wie Sie wollen, ich will nicht in Sie dringen. — Und seien Sie unbesorgt, so wie ich eine Antwort erlangt habe, sende ich Sie Ihnen sofort — nur trachten Sie, etwas ruhiger z» werden, Ihre Aufregung zu bemeistern." Rosenbaum murmelte einige unverständliche Worte, drückte Carls Hand ungestüm und eilte fort. Carl schritt die Stiegen hinan, die zur Wohnung seines Vaters führten. Er hatte sich jedoch geirrt; trotz der vorgerückten Stunde hatte seine Familie mit dem Abendbrod noch nicht auf ihn gewartet, denn sein Vater war durch den längeren Besuch eines Bekannten in Anspruch genommen worden. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen nebst Titelblatt und Jnhaltsverzeichnitz. Verantwortlich« Redaction: Dr. Lehmann. — »erlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. A. GortSle-en'r Buchdruckerei (Mainzer Anz«ger.)

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