Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1877)
- Date
- 1877-12-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1229 Feenpalast hinab zu schauen. Doch ich glaube. Sie hören gar nicht, was ich redefügte er lächelnd hinzu, als der Andere, ohne sich zu regen, träumerisch in das Wasser schaute. „Rosenbaum, alter Freund! Sie wollten doch mit mir reden. Nun sind wir am Quai und allein und ich bin ganz Ohr, nun fangen Sie an." Er hatte in dem ihm gewöhnlichen heiteren Ton gesprochen, Rosenbaum aber seufzte schmerzlich. ,.O. wenn Sie wüßten, wie schwer es mir wird. —" „Mit mir zu reden, nein, das hatte ich nimmer geglaubt. Soll ich vielleicht den Gegenstand errathen, über den Sie mit mir sprechen möchten?" „Sie könnten's freilich, doch ich fürchte, Sie werden ihn nicht nennen." „Und warum nicht? — Sie wollten über meine Schwester mit mir sprechen. — Habe ich's getroffen?" Rosenbaum ergriff stürmisch seine Hand und preßte sie an fein wild klopfendes Herz. „Sie wissen, daß ich sie liebe, nein, mehr als liebe — daß ich sie verehre, wie ein höheres Wesen — daß ich mein Herzblut Hingabe, könnte ich sie verdienen. —" „Sie haben Ihr Leben für sie gewagt, noch bevor Sie sie kannten; das werden wir Ihnen nie vergessen." „Ach wie können Sie nur davon reden. Was ich für sie auf's Spiel gesetzt, es war entsetzlich wenig. — Doch Rosa zu verdienen! — Rosa — Ich hatte gehofft, ich würde es können. — Sie wissen es. ich war entschlossen, mit msiner ganzen Vergangenheit zu brechen — ich wollte als gefttzestreuerJude leben und nimmer, auch durch den größten Gewinn mich nicht verleiten lassen, den Sabbat zu verletzen. — Und wenn Sie dann längere Zeit mein Leben beobachtet haben würden, dann?offte ich, es wagen zu können, vor Ihrem Vater hinzutreten und um die Hand der Tochter ihn zu bitten." „Nun?" fragte Carl „haben Sie diesen Vorsatz nicht gehalten?" „Ob ich ihn gehalten?" rief Nosenbaum. „Und batte ich ihn nimmer gefaßt. ich hätte ihn halten müssen! — O, Sie wissen doch . . . . —" „Wozu diese fürchterliche Erinnerung?" bat Carl, „diese zwecklose Aufregung? Lassen Sie uns von Ihrer Neigung zu meiner Schwester reden, von Rosa. —" Rosenbaum schüttelte heftig abwehrend das Haupt. „Nach dem Entsetzlichen gelobte ich mir, nie mehr darauf zu hoffen." Carl fuhr auf: „Was sagen Sie? habe ich Sie recht verstanden?" „Darf ein Elender — ein Mensch — der nahe daran war, ein Muttermörder zu werden — darf ein solcher die Hand der Reinsten, der Edelsten erstreben?" „Wahrhafte Reue, aufrichtige Umkehr loscht Alles aus." „Nicht Alles — Alles nicht — nicht das Bewußtsein — das entsetzliche Bewußtsein. — Urtheilen Sie, Grün — sagen Sie es mir, darf ich es wagen, mit solchem Bewußtsein nach dem höchsten Glück zu streben?" Carl antwortete nicht sogleich. Er stützte den Arm auf die eiserne Brüstung und die Stirn auf die Hand. „Ich hatte demnach nicht errathen, über was Sie mit mir sprechen wollten?" „Dpch, doch. Sie haben es errathen." Carl schüttelte das Haupt. „Das verstehe ich nicht, sagte er." Rosenbaum seufzte schmerzlich. „Sie haben Recht. Sie können eS auch nicht verstehen — aber — aber — haben Sie Geduld mit mir, Carl, ich langweile Sie." „Nicht doch, lieber Freund. —" „Doch, doch, ich weiß es — aber — Sie! muffen mich dennoch weiter anhören. —" „Mit Vergnügen." „Ach lassen Sie doch die Phrasen, wem könnte es ein Vergnügen sein, mich anzuhören!" „Ich wüßte Eine," flüsterte Carl in sich hinein, laut aber sagte er nichts; und schweigend verbrachten die Beiden mehrere Minuten. Nofendaum athmete tief auf, er hatte den Hut abgenommen, damit der Nachtwind die glühende Stirne ihm kühle. „Carl." sprach er leise, „ich nenne Sie gern mit diesem Namen, weil sie — sie — die ich nicht werth bin zu nennen — Sie so nennt. —" „Ach lassen Sie doch die ewigen Selbsianklagen." „Das kann ich nicht. Denn, wenn ich sie auch nicht ausspreche, denken muß ich sie immer. Doch lassen Sie mich nun auf das kommen, was ich mit Ihnen sprechen muß. —" Wieder hielt er inne, es schien ihm unendlich schwer zu werden. „Carl," Hub er endlich wieder an, indem er in böchster Erregung die Hand des Andern ergriff. „Sie wissen, daß ich mich nicht für würdig halte, um Ihre Schwester zu werben — aber — aber — meine Mutter, — Sie wissen es — sie batte mir geflucht und nur der Vermittelung Ihrer Schwester danke ich es, daß sie den Fluch von mir genommen. — Meine Mutter sieht meine Reue — meine Zerknirschung — und hat in jenen furchtbaren Stun-