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Der Israelit · 1877-12-26 · Heft 52 (26.12.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 52 (26.12.1877)
Date
1877-12-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1228 «tttcn verkauft hat, sich Plötzlich ins Gefängniß geworfen, geschlagen und zu einer Geldstrafe verurtheilt steht, unter der Beschuldigung, daß er die Zollbehörde betrogen habe, wobei man nicht die geringste Sorge trägt, den Betrug durch irgend einen Zeugen zu constatiren." „Ihr sehet, theure Brüder, welch ein Leben Wir führen. Wir sind übrigens gewiß, daß Se. Maj. der Sultan von dem Unglück, das uns verfolgt, keine Kenntniß hat. Für den Augenblick wollten wir wenigstens die Zollreglements, wie sie in Fez gehandhabt werden und nach Befehl des Sultans den andern Städten als Muster gelten sollen, kennen lernen; erst dann werden wir wissen können, was man als Contrebande betrachtet. Wir hoffen, daß die obengenannten Personen ihren hohen Einfluß aufbieten werden, um von Sr. Maj. dem Sultan einen königlichen Firman zu erlangen, der de» Behörden verbietet, grausame Acte gegen uns zu begehen, und unsere Gemeinde auf denselben Fuß stellt, wie die anderen Gemeinden Tanger, Saffi rc." Man sieht aus Vorstehendem, daß das tyrannische und vexatorische System der maroccanischen Verwaltung überall dasselbe bleibt; es geht auch daraus hervor, daß unsere Glaubensgenossen von Mequines ihre Brüder von Marocco für glücklicher halten, als sie in Wirklichkeit sind. Das Edict des verstorbenen Sultans bleibt im ganzen Reiche ein todter Buchstabe, und wenn die Israeliten in den Küstenstädten ein besseres Schicksal haben, so gebührt das Verdienst hierfür lediglich den Vertretern der europäischen Mächte. Feuilleton. Licht «ad Schatte». Erzählung von Friedrich Rott. XVI. Es war Abend, der junge Grün hatte sein Comptoir bereits geschloffen und befand sich nun auf dem Wege zur Wohnung seines Vaters. Es war während des ganzen Tages drückend heiß gewesen, jetzt erst hatte sich ein frischer Luftzug aufgemacht und eben dachte Carl, daß er die Schwester noch zu einem Spaziergange auffordern wollte, als ein Guter-Abend-Gruß von wohlbekannter Stimme an sein Ohr drang und eine Hand sich auf seine Schulter legte. Er wandte sich rasch um. „Ach, Rosenbaum, Siesind's? wo kommen Sie her? wie geht es Ihrer Mutter?" „Ich danke Ihnen, meine Mutter fühlt sich heute Gottlob etwas frischer." „Das freut mich herzlich; bei der furchtbaren Hitze, die wir hatten, ist das doppelt hoch anzuschlagen. Jetzt erst wird die Luft erfrischend. Ich wollte mit Rosa noch ein bischen ins Freie gehen, wollten Sie nns begleiten, Rosenbaum?" Dunkle' Gluth überzog bei diesen Worten die Wangen des Angeredeten und das Vibriren sei-* ner Stimme verieth trotz der Dunkelheit seine Erregung, als er erwiederte: „Ich war im Begriff, zu Ihnen zu gehen." „Zu mir? Das ist schön, da scheinen Sie doch endlich einmal wieder anfangen zu wollen, gesellig zu werden. Kommen Sie' hinauf, Rosa ist in fünf Minuten fertig und dann gehen wir zusammen den Ouai entlang." Sie hatten bei diesen Worten Grüns Wohnung erreicht; er trat zurück, um den Freund vor sich in's Haus treten zu lassen, doch Rosenbaum legte feine Hand auf des Andern Arm. „Ich möchte mit Ihnen allein reden, Grün," sprach er mit gepreßter Stimme. . „Allein?" Carl blickte ihn überrascht an. „Nun, wie es Ihnen gefällig ist," fügte er rasch hinzu, „ gehen wir hinauf in mein Zimmmer oder —" „Wenn es Ihnen recht ist, lassen Sie uns zum Quai gehen; dort macht es die Nähe des Wassers vielleicht etwas erträglicher, eS ist noch jetzt entsetzlich schwül." „Das ist wahr," entgegnete Carl, „und daS arme Röschen darf nicht dabei fein," murmelte er lächelnd in sich hineiu. Schweigend schritten beide die Straßen entlang, die zum Quai führten. Carl wartete lange vergebens, daß der Andere beginnen werde. Rosenbaum schien in heftiger Erregung, er athmete hastig und schwer und trocknete wiederholt mit dem Tuche die Stirn. Endlich hatten sie den Quai erreicht. „Ach," sagte Carl, „hier athmet man auf." Sie blieben stehen und lehnten sich gegen daS eiserne Geländer, das den Fußpfad vom Flusse trennte und blickten hinab in die glitzernde Fluth. „Wie schön, wie wunderbar schön ist es hier. Sehen Sie nur!, Rosenbaum, wie der Mond sich in den Wellen spiegelt und alle die Gasflammen den ganzen Quai entlang und die dort auf der Brücke ebenfalls. Man könnte glauben, in einem

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