Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1877)
- Date
- 1877-12-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1226 Für heute aber, möchten wir durch diese Zeilen die gestanungsgenöfstfchen Gemeinden und Rabbiueu auf den Nothstand verwiesen haben, welcher durch die LebenSmitteloerfälschung täglich größere Dimensionen annimmt. — Bor allen Dingen aber scheint es geboten, daß in diesen geschätzten Blättern, die Mittel und Wege erörtert werden, welche diesem Mißstand gegenüber zu ergreifen sind, und wir würden un« glücklich schätzen, durch diese Zeilen eine Anregung in diesem Sinne veranlaßt zu haben. So lange jedoch eine endgiltige Beseitigung dieser Nothlage von jüdischer Seite nicht ange. strebt und verwirklicht wird, so lange ein allgemeiner Collectivschritt unserer Gesetzeslehrer, die Judenheit nicht vor den Folgen der Lebensmittelfälschung schützt, so lange ist es doppelt und dreifach gebotene Pflicht jedes Einzelnen, sich über den Fortschritt dieser modernen Epidemie, durch Lectüre der erwähnten Organe zu vergewissern, und nach bestem Wissen und Gewissen, für sich und die Seinen das zu thun, was für das gesammte Israel, seiner Leiter und geistigen Häupter heilige Pflicht wäre: -nnün pm ttotsn pai bnn pzn snpn pa bnanb orrt>N 'n “hpn o’pinn n« n« mirfri jwd .n. Leit»«gS«achrichte» »nd Correspondenzen. Deutschland. Effenheim, 17. Dec. Dem „Mainzer Tagblatt" wird von hier geschrieben: „In unserm Orte fand heute eine ebenso seltene wie erhebende Feier statt. Die hiesige isr. Gemeinde, welche bisher ihre Tobten in der Nähe des drei Stunden v?n hier gelegenen Ortes Jugenheim begrub, hatte von der Ortsgemeinde einen Platz zur Errichtung eines eigenen Friedhofs zum Geschenk erhalten. Heute wurde die erste Leiche auf diesem Friedhofe beerdigt und bei dieser Gelegenheit das neue Todtenseld unter Betbeiligung sämmtlicher hiesiger Israeliten und einer großen Anzahl der christlichen Bewohner — unter ihnen die Geistlichkeit, der Magistrat und die übrigen Behörden eingeweiht. Herr Rabbiner vr. Lehmann aus Mainz hielt die Weiherede. In begeisteter Weise hob der Redner hervor, wie die Nacht des Mittelalters gewichen und der frühere Haß der Religionen und Confessionen gegeneinander immer mehr verschwunden sei. Die religiöse Duldung sämmtlicher Bewohner von Effenheim lege von diesem schönen Zuge der Zeit ein nachahmenSwertheS Zeugniß ab. Der Redner erklärte dann das Wesen und die Bestimmung eineiSr. Friedhofs. Mit einem Gebete für die Gemeinde, daS engere und weitere Vaterland schloß der Redner. Diese erhebende Feier wird dazu beitragen. daS Band der Einigkeit . welches seit langer Zeit alle Bewohner von Essenheim umschlingt, noch mehr zu kräftigen. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wie». Dem SectionLchef im Ministerium des Aeußern, Herrn Ludwig Dozi wurde der Titel eines MinisterialratheS ertheilt. Dozi ist Jude und der Sohn streng orthodoxer Eltern aus Deutsch-Kreuz. Sein eigentlicher Name ist DukS Als Graf Andrassh ungarischer Ministerpräsident gewesen, erhielt Herr Dozi eine Staatsanstellung. Durch sein Theaterstück „Der Kuß" erwarb er sich bei der ungar. Gelehrtem Gesellschaft einen Preis von 100 Dukaten. Seine arme Eltern ließ er dann nach Pesth kommen, wo sie ein bescheidenes Geschäft errichteten. Wie Andrassy österr.-ung. Minister des Aeußeren wurde, wurde Dozi zum SectionSchef ernannt. Als vor einem Jahre seine Mutter starb, hielt er streng .'ijotf unb o’jente. Herr D. hat im Ganzen trotz seiner hohen Stellung seine echt jüdische Gesinnung zu wahren gewußt. So oft derselbe seinen Heimathsort besucht, versäumt er nicht, Samstags dem Gottesdienst in der Synagoge mitanzuwohnen. Derselbe ist erst 26 Jahre alt und steht ihm eine glänzende Zukunft bevor. Seine Ernennung zum Ministerialrath wurde in jüdischen Kreisen mit Freuden begrüßt. (Pesth. jüd. Zeit.) Frankreich. Paris. (Bericht der „All. Isr. Un." vom 1. Semester 1877. — Schluß.) (Anhang zu dem vorstehenden Bericht.) — Auszug aus 3 von den Vorstehern der isr. Gemeinde zu Mequines an die Junta und den Oberrabbiner von Tanger gerichteten Briefen: „Meine Herren! Wir sind nicht im Stande, Ihnen auseinanderzusetzen, wie schrecklich die Verfolgungen sind, welche unsere unglückliche Gemeinde seit Kurzem durch die Grausamkeit der Baschas zu ertragen hat, Versorgungen neuer Art, die man in früheren Zeiten nicht gekannt hat, als man uns gewaltsam und ohne jede Entschädigung selbst an Sabbaten und Festtagen zur Arbeit zwang. Diese