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Der Israelit · 1877-12-26 · Heft 52 (26.12.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 52 (26.12.1877)
Date
1877-12-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1225 pfinden, um unser leibliches und geistiges Wesen in seinem Werden und seiner fortwährenden Entwickelung zieht, den Menschen in seinem Keime und seine Kräfte in ihrem Entstehen erfaßt, ist es sein heiliger Wille, der Wache halt auf der Brücke zwischen Materie und Geist, bei dem Uebergang des Stoffes und seiner Kräfte in den Bund der Seele und ihrer Geister, kurz ist es Gott, der es uns untersagt hat, mit unserer nichtjüdischen Umgebung uns an einen Tisch zu setzen, der gesprochen: „Bleibt ihr mir heilige Männer, und esset keine Terepha, keine Nebelah." wer begreift dann nicht, daß die Möglichkeit oder Unmöglichkeit gerade unseren Speisegesetzen gerecht zu werden, der sicherste Maßstab für die Milde oder Härte unseres Goluß ist! Mögen Humanität und Gesetzlichkeit alle politischen und socialen Schranken niederreißen, diese religiöse Scheidewand, kann nur Derjenige beseitigen, der sie aufgerichtet hat. Je inniger und brüderlicher unser nichtjüdische Bruder uns die Hand reicht, um so empfindlicher isoliren, exiliren unsere Speiscgesetze jeden Juden bei jedem Schritt ins öffentliche Leben. Jede neue Erschwerung in der Erfüllung gerade dieser unserer Pflichten, erinnert uns daher wie kaum etwas anders daran, daß die Judenemancipation mit unserer zu erwartenden noto rftiw, mit unserer wahren vollen Erlösung nicht identisch ist, daß diese erst eingetreten fein wird, wenn der Bissen, den wir genießen, keine Gefahr für unsere Lauterkeit und Seelenreinheit in sich schließt, wenn eben wie das Prophetenwort sagt, „jeder Topf in Jehuda und Jeruscholajim heilig sein wird." Was gibt aber eine solche Auffassung erst zu denken, Angesichts der Calamität der Lebensmittel- Verfälschung, welche auch die sonst dem Juden gestatteten LebenSmiitel, unmöglich zu macken und die ihm ohnedies auferlegte Jsolirung noch zu steigern droht! — Welche trostlose Perspective eröffnet diese Ausgeburt eines gewinrffüchtigen Krämergeistes, dem jüdischen Auge, das nach dem Morgenroth jener Zukunft auSschaute, die das letzte Wort eines der letzten Propheten in der Verheißung gipfeln läßt: „Er wird kein Krämer mehr sein, im Hause des Gottes der Heerschaaren, um jene Zeit!" — Wer kann diese Misöre vom Standpunkt des jüdischen Gesetzes betrachten — und einen anderen gibt es für uns nicht — ohne die schmezliche Alternative zu erkennen, vor welche wir gestellt sind. Entweder man sieht dieser Frage mit dem Ernst ins Auge, den sie verdient, und zieht demgemäß den Kreis der uns erlaubten Nahrungsmittel noch enger, das hieße eine empfindliche Steigerung des der materiellen Seite unserer Exilirung, oder man ignorirt die ganze Gefahr serupellos, genießt alle Nahrungsmittel wie bisher, als ob es keine Nahrungsmittelverfälschung gäbe, und stürzt sich so selber in ein na»n mt>j, dessen Tragweite gar keine Grenzen hätte, weil es dann nicht als solches erkannt wird. Daß aber diese Klippe, an der die jüdische Lebensreinheit zu zerschellen droht, daß diese Gefahr des Untergangs in Gemeinheit und Entartung, welche eine Uebertretung der Speisegesetze so unvermeidlich nach sich zieht, nicht erkannt, nicht in ihrer ganzen Folgenschwere allgemein gewürdigt wird, daß eben die ersten Bedingungen zu einer solchen allgemeinen Erkenntniß und Würdigung fehlen, das ist eine weitere Schattenseite unserer Lage, die bei dieser Gelegenheit so recht in ihrer traurigen thatsächlichen Wirklichkeit hervortritt. Wie anders war dies doch in früheren, talmudischen und nachtalmudischen Zeiten', wenn die Reinheit des jüdischen Lebens durch ähnliche Erscheinungen gefährdet war! Wie traten da die Oberhäupter, die geistigen Leiter der Diaspora zusammen, um die Stellung des jüdischen Gesetzes und seiner Träger zu diesen neuen Erscheinungen zu präcisiren! — Und heute? Heute, wo man uns glauben machen will, wir wären bereits die glücklich Erlösten, heute ist unsere Zerklüftung und unsere daraus folgende trostlose Machtlosigkeit, eine so grove, daß nicht einmal , eine Frage von so eminenter Tragweite unsere geistigen Führer vereinigen kann, um die jüdische Gesammtheit über die Pflichten zu belehren, die solche Erscheinungen, wie eine durchgreifende allgemeine Verfälschung der Lebensmittel, jedem Einzelnen auferlegen. Die Einzelnen stehen daher rathlos da, und sind auf ihr subjectives Ermessen angewiesen. ff’N pn onn o'D’3 rwy’ iV'.i. Selbst die vereinzelten Stimmen, die sich in dieser brennenden Tagesfrage vernehmen lassen, vermehren die Confussion, die sie beseitigen wollen, indem sie trotz der gründlichsten Darstellung ihrer leitenden Motive, ihre Entscheidungen selber als nicht genug „maßgeblich" hinstellen zu müssen glauben. — Wenn daher irgend etwas, so glauben wir, daß es diese Calamität ist, welche die gesetzestreuen Führer der Judenheit bestimmen müßte, zur Erörterung und Lösung dieser Lebensmittelfrage, zusammenzutreten und diesbezügliche Beschlüsse zu fassen. — Eine eingehende Erörterung der einzelnen Details dieses weitschichtigen'Gegenstandes durch die jüd. Zeitschriften, wie dies bereits versucht wurde, scheint uns theils unmöglich, theils unthunlich aus Gründen, deren Darstellung wir uns für ein anderes Mal Vorbehalten.

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