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Der Israelit · 1877-12-19 · Heft 51 (19.12.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 51 (19.12.1877)
Date
1877-12-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVIII. Jahrgang. Erste Leilage;» ilr. 51 des Israelit. Leitender Artikel. Kie LkdeasmittrMfchaag. Wie sehr auch die Propaganda gegen die Verfälschung der Lebensmittel täglich größere Dimensionen in allen Schichten des Voltes annimmt, es gibt keinen Kreis, der mehr Veranlassung hat, sich mit dieser traurigen neuzeitlichen Calamität ernstlich zu beschäftigen, als die Bekenner des Judenthums. Denn für den Juden involvirt eine Verfälschung der Lebensmittel nicht nur ein Attentat gewinnsüchtiger Speculanten auf sein Geld und seine Gesundheit, sondern in vielen Fallen auch auf seine religiöse Ueberzeugung Welchen Umsaug aber bereits die Verfälschung und Verunreinigung der meisten unentbehrlichen Lebensmittel angenommen hat, ergibt sich am Besten aus der reichen Tagesliteratur, welche diese traurigen Erscheinungen zu Tage gefördert hat und noch fördert. Zwei Wochenschriften erscheinen bereits, welche ausschließlich den einen Zweck haben, hier Abhilfe zu schaffen. •) Wir können diesen allseitigen rührigen Bestrebungen gegenüber nicht umhin, die Thatsache zu conftatiren, daß in jüdischen Kreisen sich nicht das Interesse allgemein zeigt, das man gerade für diese Angelegenheit in so hohem Grade voraussetzen dürfte; und erachten es daher für unsere Pflicht, die Aufmerksamkeit der jüdischen öffentlichen Meinung auf diese Misbre zu lenkeu. Es liegen uns 6 Nummern der erwähnten Leipziger Zeitschrift vor, die in der That Enthüllungen über die Nahrungsmittelverfälschung bringen, welche jedem Betroffenen — und wer wäre nicht davon betroffen — die höchste Vorsicht, jedem Juden aber doppelte und dreifache Aufmerksamkeit zur Pflicht machen. Himbeersaft, Chocolade, Wurst, geu.ahlener Kaffee, Mehl, Seife, Essig, Bier, gereinigte Kartoffelstärke. Milch, Butter, werden in wissenschaftlich-populärer Weise hier vorgeführt, und die auf chemischem Wege sestgestcüten Mischereien und *) Zeitschrift des allgemeinen deutschen Vereins gegen Verfälschung der Lebensmittel bez. aller Verbrauchsgegenstände. Herausgegeben von Ernst Le istn er. Verlag Herman Drö lsert's Buchhandlung. Leipzig. — Preis 2 Mark pro Quartal. „Reiner Wein." Wochenschrift von A. Henrich. Mannheim. Fälschungen constatirt, sowie in den meisten Fällen Mittel und Wege angegeben, wie auch der Laie die Beschaffenheit seiner Nahrungsmittel prüfen kann. Wir greifen von den hier angeführten Nahrungsmitteln das zuletzt genannte, die Butter, heran-. Die kolossale Verfälschung, die gerade mit diesem Nahrungsmittel vorgenommea wird, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist die Thatsache. daß es bis heute noch nicht gelungen ist. auf chemischem Wege die Fälschung conftatiren zu können. Schon vor mehreren Jahren hat Schreiber dieses an einen der ersten Berliner Chemiker da- Ersuchen gestellt, eine Butterprobe chemisch zu zerlegen, um die vermuthete Beimischung von Schweinefett conftatiren zu können. Nach langem, vergeblichem Expecimentiren lautete der Bescheid dahin, daß die Butter allerdings den Eindruck mache, als ob sog. amerikanisches Fett ihr beigemischt sei, jedoch hätten sich die verschiedenen Fetttheile derartig untereinander amalgamirt, daß eine Zerlegung derselben auf chemischem Wege absolut unmöglich fei. Der Leipziger Pharmaceutische Verein hat einen Preis ausgeschrieben für ein auch von Laien ' zu handhabende- Mittel zum Erkennen der Fälschungen von Butter, ohne daß die Preisaufgabe bis jetzt gelöst worden ist. Herr Chemiker vr. Otto Bach in Leipzig veröffentlicht nun in Nr 3. der erwähnten Leipziger „Zeitschrift gegen Verfälschung der Lebensmittel" folgendes einfache Verfahren, vermittelst dessen auch der Laie mit geringem Zeitaufwande sich von der Reinheit oder Verfälschung seiner Butter überzeugen kann. „Von der zu untersuchenden Butler nimmt man l Gramm in ein Probirglas, übergießt sie mit der zwanzigfachen Menge Aether-Alkohol (eine Mischung von 3 Raumtheilen Aether und 1 Ranmtheil Alkohol von 95°), und stellt das Probirglas in ein Gefäß, in welchem sich Wasser von 20° G, (— 15° R.) befindet. Stellt man Heu Versuch in einem auf diesen Grad erwärmten Zimmer an, so ist natürlich das Wasser überflüssig. Bei dieser Temperatur wird reine Butter vollkommen gelöst, und nur das in derselben enthaltene Kochsalz, welches sich am Boden des Gefäßes absetzt und dessen Menge sicy durch Absetzung annähernd bestimmen läßt, sowie der in guter Butter und in ganz geringer Menge vorkommende Käsestoff, welcher sich

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