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Der Israelit · 1877-12-19 · Heft 51 (19.12.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 51 (19.12.1877)
Date
1877-12-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1208 mib ober Montagssammlung, ca. 50 Fr. wöchentlich --- 2600 t$r. jährlich; 2) Gabella ober Fleischsteuer , 30 Fr. wöchentlich 1500 Fr. jährlich; 3) die 3 jährlichen Feste, ca. 25OO Fr., 4) Tischeabeab, ca. 40 Fr., 5) Purim, ca. 40 Fr., in Summa 6760 Fr. p. a., wovon man ben Großrabbinen, die Dayanim besoldet, die Wittwen und Waisen unterstützt und zum Unterhalt der armen jungen Leute beiträgt, welche vom Atlas kommen, um in den dortigen Jeschibot den Religionsunterricht zu nehmen; es ist leicht begreiflich, daß trotz der unerschöpflichen Privatwohlthätigkeit der Israeliten dennoch sich viele Familien in der größten Noth befinden. (Schluß folgt.) Feuilleton. Licht md Schatte». Erzählung von Friedrich Rott. XV. Weigert zuckte die Achseln. „Mag er nun am Sabbat,einen Schirm tragen oder nicht, Carl Grün ist ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle und wenn er Vergnügen daran findet, sich dann und wann einen eleganten Cylinder einregnen zu lassen, so gestatten es ihm wohl seine Verhältnisse, daß er sich einen andern kauft. Also Linchen, merk Dir's, das Svotten hat Papa verboten. — Aber es wird Zeit, daß ich in's Comptoir komme," fügte er auf die Uhr sehend hinzu. „Doch noch eines, Kind. Sage mir, ist es eine gegenseitige Neigung zwischen Emma und Grün?" „Das weiß ich nicht;" erwiederte Caroline achselzuckend, „daß sie in ihn verliebt ist, das steht fest, und daß sie sich alle erdenkliche Mühe gibt, ihn in sich verliebt zu machen, ebenfalls; ob es ihr aber gelingen wird?" —" „Nun, daran ist doch nicht zu zweifeln!" fiel Frau Weigert ein, in verzeihlichem Mutterstolze zufrieden lächelnd. „Ich würde mich in der That recht von Herzen freuen, wenn Du Recht hättest, denn ich wüßte keinen, der mir als Schwiegersohn willkommener wäre als Carl Grün. Aber hör' einmal, Linchen," fügte er. nach einigen Augenblicken Ueberlegung hinzu: „Deiner Schwester zu Liebe, um ihr Glück zu fördern, könntest Du Dir eine Zeit lang auch wohl einige Beschränkungen auferlegen." „Ich verstehe Dich nicht, Papa." „Nun, ich meine für einige Zeit, nur bis der junge Grün zum Entschlüsse gekommen ist, könntest auch Du öffentlich so mancherlei vermeiden, was der Familie Grün anstößig erscheinen könnte; müßtest auch bei Meiers und in ähnlichen Gesellschaften an den Mahlzeiten Dich nicht betheiligen." „'Papa!" rief Caroline erglühend, „was muthest Du mir zu? ich sollte heucheln?" „Hrtzköpfchen," sagte Herr Weigert lächelnd und streichelte beschwichtigend die glühenden Wangen des schönen Mädchens „wer wird denn jede Sache gleich bis zur Karrikatur verzerren? heißt es etwa heucheln, wenn Du aus Liebe zu Deiner Schwester für einige Wochen der unjüdischen Speisen Dich enthältst?" „Aber Papa —" „Nein, aber liebes Kind, Du weißt, ich finde keine Freude daran, meinen Kindern irgend welche Beschränkung aufzuerlegen; aber in diesem Falle, wo es sich um das Glück Deiner Schwester handelt — bist Du nicht auch meiner Ansicht, Amalie?" wandte er sich an seine Frau. Frau Weigert schob die eben geleerte Chokoladetasse zurück und schaute sinnend vor sich nieder. „Nein lieber Freund," sprach sie dann kopfschüttelnd, „so sehr ich sonst in Allem Deiner Meinung bin, in diesem Falle kann ich sie nicht theilen. Caroline hat aus ihrer Ansicht nie ein Hehl gemacht, hat, wie ich glaube, auch im Kreise ihrer Freundinnen und Bekannten hin und wieder über die Frommen gespöttelt. Und wenn sie nun mit einem Mal anfangen wollte, an dem. was diese Leute verboten nennen, Anstoß zu nehmen, das würde Aufsehen erregen, könnte zu mancherlei Fragen und Vermuthungen Anlaß geben. —" „Das ist wahr" stimmte Weigert bei, „aber ist es denn mit Emma anders?" „Anders allerdings. Emma gleicht in dieser Beziehung ganz Dir, lieber Freund; fie achtet die religiösen Anschauungen eines Jeden, und es liegt das Spotten überhaupt nicht in ihrem Charakter; ich wenigstens habe noch nie ein spöttelndes Wort von ihr vernommen." „Das ist recht;" nickte Herr Weigert, „hättest Dir an Deiner Schwester ein Beispiel nehmen sollen, Linchen. Aber wie war's denn mit dem Hssen? hat Emma bisher auch nie an unjüdischen Mahlzeiten Theil genommen?" „Das nun wohl, aber Du weißt es doch, sie war bis vor einem halben Jahr oft magenleidend und sind es ihre Bekannten daher längst gewohnt.

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