Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1877)
- Date
- 1877-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1207 richtige Pietät, durch seine Aufopferung und emi- > nenien Dienste hat sich H. Denveniste die allgemeine Achtung ZU erwerben gewußt; oft beauftragt, die ungerechten Befehle seiner Vorgesetzten aus zu* führen, weiß er sie weniger quälerisch zu macken § und sucht den Unglücklichen, welche von der ara- } bischen Grausamkeit, sei es in ihrem Vermögen, > sei es in ihrer Person getroffen werden sollen, | nach Kräften zu Hilfe zu kommen; er ist es, der i den Reisenden von Distinction, den Boten (Scheluchim) des heiligen Landes rc. Gastfreundschaft und Existenzmittel verschafft, die oft die Kräfte der Gemeinde übersteigen; unsere, für sich selbst so mäßigen und sparsamen Brüder von Maroceo, werden gegen die Fremden, die sie unter ihr Dach nehmen, bis zum Uebermaß freigebig. Trotz der schlechten Verwaltung ist die Stadt Marocco dennoch eine der gewerbreichsten Handelsstädte des Landes geblieben. Die Juden tragen viel zu dieser Bewegung bei, da ihrer mehr als 4000 von ihren Handwerken leben oder vielmehr von denjenigen, die ihnen die arabischen Zünfte zu betreiben gestatten; man findet unter ihnen Schneider, Schuhmacher, Goldschmiede, Klempner und Sattler; andere Handwerke sind ihnen verboten. Die andere Hälfte der Gemeinde besteht aus ca. 20 reichen oder wohlhabenden Familien, aus Ha- , kamim oder Rabdinen, etwa 150 an Zahl, und | aus Lastträgern, Trödlern, Tagelöhnern aller Art, die in der größten Armuth leben; die Zahl der Almofenempfänger beträgt, wie man sagt, ca. 1500. j An der Spitze der Hakamim steht der Großrabbiner Mordechay Sarfati, dann kommen die Dajja- , nim: Jos. Avitul, Salom Cohen, Jos. Harns, Messud Pinto, Abr. C. Moha; H. Sal. Sabah - ist Rabbiner von Mazagan, wird aber von seineu! Geschäften genöthigt, oft in Marocco zu wohnen;; von den übrigen Hakamim, unter denen mehrere : Lehrer der Talmud Thora sind, haben ca. 100 1 keine Hilfsmittel, während die anderen sich ihr Brot durch etwas Arbeit verdienen, die sie neben ihren Studien betreiben. Man zählt im Mellah über 20 Synagogen, j sämmtlich nach demselben Plane erbaut und hinter! engen und schmutzigen Eingängen versteckt. Die Adjama genannte Synagoge zeichnet sich unter > allen durch ihre Schönheit aus; 8 oder 10 dieser i Gebäude dienen zugleich als Religionsschulen oder Talmud Thora. Die Anhäufung von Kindern in diesen unzureichenden und der Sonne ausgesetzten Räumlichkeiten ist erschreckend; man kann sich hiervon eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß jede dieser Schulen wenigstens ISO große und kleine Zöglinge enthält; in einer derselben zählte ich wehr als 150 Kinder, die auf Fetzen von Strohmatte» bunt durcheinander faßen. Man unterrichtet hier Hebräisch-Lesen, die singende Recitation der Bibel und den Talmud; die ältesten lernen auch schreiben und die ersten Elemente. des Rechnens. Trotz des Mangels an jeder vernünftigen Methode schreiten die Kinder, Dank ihrer natürlichen Intelligenz, doch ziemlich schnell fort; welche Fortschritte würde man^nicht hier erzielen können, wenn man statt der Rutine einer wissenschaftlichen Methode und einem den Bedürfnissen unseres Jahrhunderts entsprechenden Unterrichtsplane folgte! Die armen Kinder, und besonders die Waisen, empfangen sehr wenig Unterricht, da sie gezwungen sind, sich schon früh ihr Brot durch Arbeit zu verdienen. Hunderte dieser Kleinen laufen schreiend und bettelnd in den Straßen umher. Die Mädchen erhalten gar keinen Unterricht; mit wenigen Ausnahmen können dieselben weder schreiben noch lesen und lernen nur die Handarbeiten. Die in Mogador etablirten protestantischen Missionäre sind im Begriff, diesen Stand der Dinge zur Eröffnung einer Schule in dem Mellah von Marocco zu benutzen; die muselmännischen Behörden haben denselben hierzu auf Empfehlung des englischen Gesandten bereits die Erlaubniß ertheilt. Das Rabbinat hat Maßregeln ergriffen, um den Israeliten zu verbieten» ihre Kinder in die neue Schule zu schicken, falls sie eröffnet werden sollte; es ist also von dieser Seile nichts zu fürchten. Dennoch kann man mit Gewißheit Voraussagen, daß die Anwesenheit der von den localen Behörden protegirten Missionäre nicht verfehlen wird, in der ohnehin schon so geprüften Gemeinde ein neues Element der Beunruhigung hervorzubringen. Die Begründung einer Alliance-Schule könnte diesen Nebeln Vorbeugen und die Bekehrer zurückhalten; die Erfahrung beweist in der That, daß überall, wo die isr. Gemeinde für eine gut organisirte Schule gesorgt hat, die protestamsche Missionsschule ihren Daseinsgrund verliert und von selbst aufhört. Allerdings wird die Alliance anfänglich auf keinen Zuschuß Seitens der Gemeinde rechnen können, deren Einkünfte bei dem Mangel aller Organisation fast Null sind und nicht einmal zur Unterhaltung der bedürftigsten Armen hinreichen; aber wenigstens wird es leicht sein, unentgeltlich ein Local zu erhalten, und wahrscheinlich auch die Schulutensilien, wie Banke, Tische, Tafeln rc., was auch nicht zu verachten ist; spater wird die Gemeinde, wenn ihr Budget sich verbessern wird, sicher einen Theil der Ausgaben übernehmen, wie dies in Mazagan und Tanger der Fall gewesen ist. Die Einnahmen des Mellah von Marocco beschränken sich äugen» blicklich auf folgende Titel und Summen.' 1) Ta-