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Der Israelit · 1877-12-19 · Heft 51 (19.12.1877) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 51 (19.12.1877)
Date
1877-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1206 feit zum Lehren bezeuge. Bedarf es eines Zeugnisses, daß die Sonne am Himmel steht und die Welt erleuchtet? Da er es aber wünscht, so fühle ich mich verpflichtet, seinem Wunsche zu willfahren rc." Die Bescheidenheit Rabbi Samuels hatte etwas kindlich Rührendes; er hatte gar das Bewußtsein seiner großen Vorzüge nicht. Alles, was er that, hielt er für selbstverständlich, für unabweisbare Pflicht. Weil die Allmacht Gottes ihm stets gegenwärtig war, hielt er sich selbst für unendlich klein und unbedeutend. Diese Gottinnigkeit war es wiederum, die ihn emportrug, die ihn aufrecht erhielt in schweren Stürmen, von denen sein Leben, namentlich in der Blüthe seiner Mannesjahre, nicht verschont blieb. Dagegen hatte ihm Gott ein glückliches Alter verliehen. Geistig und körperlich gesund und kräftig, sah er seine Kind-r und Enkel in demselben Sinne und Geiste leben und wirken, in welchem er gelebt und gewirkt hatte, das Studium und die Beobachtung der Gotteslehre als ihr höchstes Ziel betrachtend. Vor drei Jahren war es ihm vergönnt. sein großes, talmudisches Werk „Tore Sahab" durch den Druck zu veröffentlichen, das in Len weitesten Kreisen die größte Anerkennung fand. An den jüngstverflossenen hohen Festtagen hat er noch in der Synagoge vorgebetet; am Simchat Thora in ungeschwächter geistiger Regsamkeit, wie jedes Jahr, einen pilpulistischen Vortrag gehalten. Selbst in den letzten acht Tagen seines Lebens, als die körperliche Schwäche überhand nahm, bat er nicht eine einzige Mizwah, nicht eine Berachah versäumt. Am Sabbat Paraschath Wajischlach hielt er noch die vorgeschriebenen drei Mahlzeiten, sprach am Eingänge Kiddusch, Ausgange Habdalah und segnete („benschte"), wie er es stets gethan, seine Kinder und Enkel. Um 8 Uhr Abends, mp naar erklärte der Arzt, daß die Auflösung noch in der Nacht erfolgen würde. Um 81/2 Uhr ließ er sich Wasser bringen, wusch sich die Hände und betete mit großer Andacht das Nachtgebet und das Sündenbekenntniß. Dann verlangte er zu Bette zu gehen, und als er aus gestreckt auf seiner Lagerstätte lag, schlief er sanft'ein, ohne den geringsten Todeskampf, während sämmtliche Mitglieder der «mp tron, die üblichen Gebete betend, sein Lager umstanden, inw np^> o uaw. „Er ist nicht mehr da; Gott hat ihn zu sich genommen." Ueber die große Theilnahme, die sich beim Leichenbegängnisse von allen Seiten knndgab, haben wir schon früher berichtet. Die Lücke, die durch das Hinscheiden des Edlen in unserm Kreise gerissen, ist unausfüllbar. Allein on->p Dnrvoa v'pn» D”ri, die Frommen sterben nicht; sie leben selbst hinieden fort; ihre Thaten und die Anregungen, die sie gegeben, wirken unsterblich weiter pH» hdt! Zeituvgsnachrtchten rrnd Correspvndenzen. Frankreich. Paris. (Bericht der „All. Jsr. Un." vom 1. Semester 1877. — Fortsetzung statt Schluß.) — Die Stadt Marocco, Hauptstadt des Landes während der letzten Regierung, ist noch gegenwärtig das Centrum des Handels für den Süden des Reiches; sie zählt 30,000 bis 40,000 Einwohner , unter denen 8000 bis 10,000 das Ghetto oder Mellah bewohnende Israeliten sind; in die genannte Zahl sind die Soldaten der Garnison nicht eingeschlossen, die ihre Kasernen in den muselmännischen Stadtvierteln haben; die nichtjüdischen Einwohner wären, wie man behauptet, größtentheils Araber von reinem Geblüt; dennoch scheint mir, nach der allgemeinen Physiognomie zu urtheilen, das berberische Element vielfach auf dem Grunde des Volkes zu fein, wenn es auch eine vollständige Umbildung erfahren hat und so arabisirt ist, daß nur Wenige die Sprache ihrer in den Bergen gebliebenen Brüder verstehen. Christen gibt es in Marocco nicht, auch die europäischen Reisenden sind jelt^n, auf diese Weise ist der Islam unbeschränkt und sein angeborner Fanatismus kann sich in voller Freiheit an der jüdischen Bevölkerung geltend machen, von der er jährlich zahlreiche Opfer fordert. Der Raub von Kindern und jungen Mädchen wird unaufhörlich und unbedenklich verübt; die Eltern, die ihre Kinder zurückfordern, werden brutal abgewiesen, und wenn sie nicht gehen wollen, macht man sie verschwinden, und Niemand spricht mehr davon. Die Verwaltung der arabischen Stadt wird von dem Gouverneur Ben-Daoud geleitet; das Judenquartier hat einen besonderen'Gouverneur, Elhadj-Ahmed, dem auch die Israeliten der nächsten Umgegend unterstellt sind und der zu seinen Diensten einen Glaubensgenossen hat: H. Hayim Benveniste (Gehilfe seiner beiden Brüder Salomon und Jehuda) auf Arabisch Scheik-el-Jahud und auf Hebräisch Nagid genannt. Durch seine auf-

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