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Der Israelit · 1877-12-19 · Heft 51 (19.12.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 51 (19.12.1877)
Date
1877-12-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1205 Gemeindelebens zu Mainz die Chebrah Gemiluth Chaßadim, die BeerdiaungS - Brüderschaft, ihrer Auflösung entgegcnzugehen drohte, da war er eS, der sie in Verbindung mit seinen obengenannten Freunden reorganisirte. Bis dahin hatten die mm sich davon zurückgehalten. Eine Mizwah, die oft Nachtwachen und andere große Zeitopfer erforderte, konnte auch durch Ungelehrte besorgt werden. Als aber Rabbi Samuel sah, daß diese große und heilge Aufgabe der Vernachlässigung anheimfiel, da nahm er sich ihrer mit aller Energie an! Und mit welcher Sorgfalt hat er diese heiligen Pflichten geübt! Wie manche Nacht hat er wachend am Krankenlager verbracht, wie hat er noch als hochbetagter Greis in Wind und Wetter, bei Kälte und Schnee oder im glühenden Sonnenbrand den ziemlich entfernten Weg nach dem Friedhof nicht gescheut, um Jedem — ohne Unterschied der religiösen Richtung oder bürgerlichen Stellung — die letzten Liebesdienste zu erweisen! Mehr als vierzig Jahre lang war er als NBHip NjnNi ’ndj für die Armen des heiligen Landes ein eifriger Sammle; bei jedem Beschneidungsfeste sammelte er; bei jeder Beerdigung gab er Kjnso «isp, um nachher dafür einen Beitrag für die Armen zu erheben; auch bezog er von vielen hiesigen Israeliten bestimmte Beiträge zu dem genannten Zweck und zog von den Frauen die sogenannten Challah-Büchsen ein. Wer aber die Größe und Heiligkeit des Unvergeßlichen so ganz erkennen und bewundern wollte, der mußte ihn im Gebete sehen, namentlich an den heiligen Tagen, am Neujahrs- und Versöhnungs- Feste! Als Vorbeter in der Synagoge an den genannten Tagen wußte er die herrlichen Gebete mit so innigem Verständniß und in so ergreifender Weise vorzutragen, daß jedes Gemüth davon ergriffen wurde, daß die Thränen der Hörer im reichsten Maaße flössen, daß sich Jeder ergriffen und zugleich erhoben fühlte. Daß ein solcher Mann als Sohn, Gatte und Vater musterhaft war, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Welch* eine glückliche Ehe er mit seiner edlen, frommen Gattin führte, die ihm um 6V* Jahre vorausgegangen, haben wir bereits früher erwähnt. Welche Ehrfurcht, Ehrerbietung und aufopfernde Liebe er aber seiner Mutter gegenüber entfaltete, das entzieht sich jeder Beschreibung. Dieselbe erreichte ein Alter von 95 Jahren; wiewohl bis zu ihren letzten Tagen im Vollbesitze ihrer geistigen Kräfte, hatte sie doch im höchsten Alter das Augenlicht fast verloren; auch waren die Sprach-Organe nicht mehr ganz wie sie gewesen. Während sie, seitdem die Augen schwach geworden waren, stets auswendig gebetet hatte, war ihr das in den letzten Jahren ihres Lebens nicht mehr möglich. Nichtsdestoweniger bestand sie darauf, Alles zu beten, wie sie es gewohnt war. Da war es nun rührend zu sehen, wie Rabbi Samuel, selbst schon ein siebenzigjähriger Greis, wie er, der große Talmudgelehrte, viele Stunden lang täglich in himmlischer Geduld und unermüdlicher Ausdauer der Mutter Wort für Wort sämmtliche Gebete vorsagte und noch an ihrem letzten Lebenstage — es war an einem Rosch Chodesch — Schachriß und Halle! und Mussaph! Wie er seine Kinder erzog in der Gotteslehre» der Gottesfurcht und der Liebe zu Gott, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. Mit gleicher Liebe und Hingebung war er den Kindern seiner früh verstorbenen Schwester zugethan, die ihn wiederum wie ihren Vater ehrten; auch seinen Schwiegersöhnen , Schwiegertöchtern und Enkeln war er der liebreichste Vater; ein Jedes durfte sich für seinen besondern Liebling halten; so war sein Benehmen gegen jeden Einzelnen voll Zärtlichkeit und Fürsorge. Aber nicht allein für die Mitglieder seiner Familie hatte er die hingehendste Liebe, sein großes Herz umfaßte die ganze Menschheit; wo immer nur er unterstützen, helfen, retten konnte, war er stets und gern zu thatkräftiger Hilfe bereit, für Juden und Nichtjuden, für Alle, Alle. Seine Milde und Freundlichkeit war in unsrer Stadt sprüchwörtlich geworden. Dagegen war er da voll Feuereifer und Strenge, wo er fürchtete, daß irgendwie die Religion bedroht wäre. Und wenn wir nun das Gesammtbild des reichen Lebens des theuren Mannes überblicken, so müssen wir noch eine Eigenschaft hervorheben, welche die Krone all' seiner unzähligen Vorzüge war: unbegrenzte Bescheidenheit und Demuth. Der Verfasser des Chobath Halebaboth macht darauf aufmerksam, daß es zweierlei Bescheidenheit gibt; eine echte und eine gemachte. Es gibt viele Leute, die höchst bescheiden reden, aber voll Anmaßung und voller Ansprüche sind. Die echte Bescheidenheit bewährt sich in den Thaten und im Benehmen des Menschen; sie ist durchaus anspruchslos und selbstlos. So war die Demuth Rabbi Samuels. Wir wollen nur Weniges anföhren. Solange der obenerwähnte Rabbiner. Ravbi Löb Ellinger, lebte, paßkente er kein Schaaloh, selbst nicht in seinem eigenen Hause. Als die Gemeindeverwaltung einen neologen Rabbiner berief und er gezwungen war, die ninin zu übernehmen, that er dies nicht eher, bis er sich von den Rabbinen vr. Auerbach in Darmstadt und Bamberger in Worms mnn verschafft hatte. Der Letztere schrieb: „Ein in den weitesten Kreisen als großer Gelehrter berühmter Mann verlangt von mir, daß ich ihm seine Fähig-

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