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Der Israelit · 1877-12-12 · Heft 50 (12.12.1877) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 50 (12.12.1877)
Date
1877-12-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1191 Adern erstarrte aber dem Ehepaare, und selbst dem alten Fritzen lief so Etwas, wie eine Gänsehaut über den Rücken, als die Soldaten auch in die Ehebettkammer kamen, die Lagerstatt mißtrauisch betrachteten und vielsagende Blicke mit einander auStaufchten. „IS sich drin da!" sagte der Eine leise und schaute auf dem obersten Deckbett argwöhnisch umher. Levi und Sarah brachen in ein lautes Jammergeschrei aus und fielen händeringend auf die Kniee; dem alten Fritzen aber unten auf dem Strohsacke wurde — wohl von den vielen Betten — plötzlich sehr heiß, denn der Schweiß drang ihm aus allen Poren, und merkwürdiger Weise war der Schmeiß ganz kalt. „Aha! schreit Jude verdammtiges — is sich also drin da!" raunte ein zweiter Soldat und schlich auf das Bett zu. „Nein — is vir iS drin hier!" jubelte in diesem Augenblicke halblaut ein Wallone am Wandschranks, und Alles eilte zu ihm hin. „Bassa, bassa, bassa — is sich hier drin!" wisperten die Panduren, Slovaken und Wallonen am Wandschranke durcheinander, und was „sich drin war," verschwand rasch in Len Taschen der Häscher. Es waren eine Schlackwurst, eine Flasche Schnappst und ein abgelegter Strumpf von Frau Sarah mit zwauziu Alldeuduri». „IS sich alter Hrltz nix da!" rapportirten dann die Soldaten ihrem Osfizi r, b:r sich diskret in'S Nebenzimmer begeben hatte, denu der Soldat wi.l im Kriege doch auch seine kleine Abwechslung haben, und ein guter Offizier ist kein Unmensch gegen das harmlose Vergnügen seiner Wallonen. „Vorwärts, Marsch?" commandirte der Lieutenant, und die Patrouille zog weiter. Nun wurde Manschen wohler und Sarahn auch, und selbst den alten Fritzen soll ein einigermaßen unbehagliches Gefirhl verlassen haben, indeß weiß man das nicht genau, denn er hat sich nie darüber geäußert. Als es gegen Abend wurde, saate der alte Fritze zu seinem Wirthe: „Hör* Er. Mansche, jetzt muß ich hinaus, es wird spät. Wie komm* ich fort?" „Verßaihen der Herr Keenig," sagte Mansche mit einem tiefem Bücklinge, „hob' ich doch geßaigt dem Herrn Keenig, wie weit geht maine Verehrung fer ihm — teert* ich wer auch erlauben, ßu bringen den Herrn Keenig *rauS auS de Stadt, daß'n de Panduren sollen kriegen nich! Oßer soll'» se*n kriegen! Hab* ich doch ä Päßche fer mir und fer mainen Gehülfen — werd der Herr Keenig sich anßiehen de Klaider von mainen Gehülfen, was sind nebbich etwas schofel, aber schad't nicht, uu werd der Herr Keenig gehen mit mir in de Berklaidung aus de Stadt." Freund von großem Staat war der alte Fritz nie — er machte sich also nichts daraus, dies Mal etwas weniger adrett gekleidet zu sein, als sonst, und in den Hosen und dem langen Kaftan von Mausche*S „jungem Atanne" — die Schabbeskleider desselben waren es nicht — schritt er an Manschet Seite dem Thore zu. Reb Mansche und der König kamen glücklich an die preußischen Vorposten und waren bald im Lager geborgen. Nun athmete der alte Fritz tief auf. „Hör* Er, Mansche," sagte er wohlwollend zu seinem Retter, als er umgekleidet und in seinem Zelte auf dem Feldstuhle saß. „Er hat mich sehr obligiret, und ich bin Ihm mit faveur zugethaa. Ich werde Ihn nach seinen meritev belohnen — bitt' Er sich saus fa^on aus, was Er gern haben will, ich werde Ihm keine Bitte abschlagen." Reb Mansche verbeugte sich tief und sagte: ..Der Herr Keenig sind sehr gietig. — Wenn der Herr Keenig verßaihen, möcht ich mer wohl erlauben, ßu äußern fünf Bitten." „Fünf?" sagte der König und stutzte einen Augenblick. „Nun gut, Er ist ein Mann von wackerer contention — es ist hübsch von Ihm, daß er nicht sechse gefordert hat. Eh hien, Mach* Er en avant und avertire mich von feinen intentions. Was soll's sein? „AS haben genümmen de preuß*schen Werber mainen Sohn Schmulche unter de Soldaten, möcht' ich bitt n den H?rrn'Ke<"Ng, daß er mer läßt laufen mauren Sohn Schmul." „Gut," lagte der König. „Weiter." ,,Ats ich mer nischt traue ßurrück in die Stadt» un as mer kämmt noch heur* Abend meine Sarahleben nach, möcht* ich bitten den Herrn Keenig, daß er mir gibt vor mainen Pelßhandel, was geht schlecht in Danßig, ä kleines, abgelegtes, altes Haus in ä andere Stadt von*s Reich von den graußen Herrn Keenig." „Das ist rawonnahle von Ihm, Mansche!" sagte der König wohlwollend. „Er soll ein Haus in Berlin von mir bekommen und tausend Thaler obend'rein zum Anfänge." „Der Herr Keenig sind sehr gietig," sagte Reb Mansche, sich lief verbeugend, „un Drittens möcht* ich Hilten den Herrn Keenig, as* Leben is theuer un*s Geschäft ä schweres, daß er mer möcht* geben ä kleines Sümmche von fünfhundert preuß'sche Tholer in*S Geschäft. „Fünfhundert, Mansche?" lachte der alte Fritze. „Warum ist Er denn mit so wenig con-

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