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Der Israelit · 1877-12-12 · Heft 50 (12.12.1877) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 50 (12.12.1877)
Date
1877-12-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1190 Feuilleton. Jos dem Me» Friedrichs des Große«. Ich habe die Geschichte von meinem leibhaftigen Großcousin, welcher sie mit eigenen Ohren hat erzählen hören, folglich muß sie wahr sein, und es war also im Jahre 1749 am 5. August Morgens. Friedrich der Große belagerte gerade die Festung Danzig, die er durchaus nicht kriegen konnte, weil die Slovaken und Panduren darin durch keine Kanonenkugel der Welt zu bewegen waren, sie zu verlassen. Der alte Fritz fluchte und wetterte und zerbrach sich den Kopf, wie er es wohl anfinge. die Festung an ihrer schwachen Seite zu fassen. „Donnerwetter," sagte er still bei sich selbst, „ich riskir's, schleiche mich in die Stadt und sehe mir die Geschichte ganz genau in der Nähe an!" Gesagt, gethan, denn Der ging durch Dick und Dünn. Er kam auch glücklich in die Stadt hinein, spazierte in seinem unscheinbaren Nocke, den unscheinbaren alten Hut tief in's Gesicht gezogen. fleißig umher und sah Alles, was er hatte sehen wollem Das wäre nun sehr schön gewesen, und Alles wäre auch gewiß ganz gut gegangen, wenn ihm nicht so ein schlauer Kerl von Panduren in den Weg gelaufen wäre, der den König genau kannte. Dieser Pandur sah dem unscheinbaren, graurockigen Manne unter dem alten Hute scharf in's Gesicht und zckte zusammen. „Teremtete, is sich alter Fritz — zeig' ich an Obersten weiniges!" knurrte er in den Bart und lief spornstreichs von dannen. Der alte Fritz aber hatte 'was gemerkt und wußte alsbald, was die Glocke geschlagen hatte. Spornstreichs lief er auch von dannen dem Thore zu. Aber da standen setzt die Slovakenposten, als ob Danzig eine Mausefalle wäre, wie's denn für den alten Fritzen auch wirklich eine war, hielten jeden Bauern, der hinaus wollte, an und ließen sich seinen Paß zeigen, denn hinein durfte Jeder, aber hinaus ging das nicht so schnell. „Traun," dachte der alte Fritz, „das fängt an, sengrich zu riechen," und lief spornstreichs nach einem anderen Thore, aber da ging's ebenso zu. Angst hatte der alte Fritz in seinem ganzen Leben nicht gehabt. „Aber," sagte er sich im Stillen , „wenn ich wüßte, wie man es macht, wurde ich hier Angst kriegen." Weil er das aber nicht kannte, so lief er wenigstens mit einem Gefühle, das der Angst so nahe wie möglich verwandt war. in das entlegenste, kleinste, dunkelste und schmutzigste Häuscben. das er am Ende der Stadt finden konnte. Drinnen stand ein alter Jude mit seinem Weib Sarah an einem Tische und schnitt Hasen- und Fuchsfelle zurecht. „Jude," sagte der König, hastig eintretend und die Thür sorgsam hinter sich in's Schloß ziehend, „rasch an'S Werk — versteck' Er mich, ich bin der König von Preußen, und die Partduren wollen mich fangen!" Levi Mansche — denn so hieß. der Jude, und Pelzhändler war er — sammt seinem Weibe Sarah erschrak Anfangs zu Tode, aber den» alte Fritz ließ ihnen nicht viel Zeit dazu. Wenn sie ihn versteckten, wollte er sie gut belohnen, sagte er, wo nicht, so sollte sie das Donnerwetter regieren, und dabei fuchtelte er so klar und deutlich mit dem Krückstöcke in der Luft umher, daß sich die Beiden gar nicht länger besinnen mochten, sondern Sarah Mansche ihn rasch in der Kammer ganz unten auf dem Strohsacke des breiten , hochaufgethürmten Ehebettes versteckte, das für keinen Menschen von nicht polnischer Nationalität gerade sehr einladend aussah, am wenigsten für einen König. Unterdeß rumorten die Panduren, Slovaken und Wallonen in der Stadt und suchten und suchten und konnten den alten Fritz nicht finden. In alle Häuser gingen sie auf Befehl des Kommandanten , stöberten Alles durch und kamen auch zu Mansche, um daselbst Haussuchung zu halten. Levi und Sarah zitterten dabei so, daß sie sich ganz unfehlbar verrathen hätten, wenn der vornehme Officier, der die Patrouille anführte, ihre Angst nicht zum Glücke als lauter Respekt für ihn und allen Respekt vor seinen Wallonen angesehen hätte. „Is sich hier nich zu suchen hier, wird sich König vornehmes nich verstecken in solch' Loch hundiges." sagte ein Unteroffizier auf Slovakisch und sah Manschen mit unbeschreiblicher Verachtung an „Wird sich Kameraden meiniges haben mehr Glück, was sucht in Haus vornehmigeS," klagte ein anderer Soldat auf Pandurifch' und sah mit tiefem Unwillen in dem Hause umher, in dem Nichts zu nehmen war. „Hunde verdammtiges!" schrie da aber der Offizier auf Wallonisch, „wollt Ihr gleich suchen durch Haus selbiges?? Hat sich Commandant so befohlen! Teremtete! Czrczkyczkschidczy! Tachtschczc! Sarah und Mansche zuckten von Neuem zusammen, und die Soldaten fuhren wie das Wetter im Hause umher und suchten. Alles Blut in den

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