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Der Israelit · 1877-12-12 · Heft 50 (12.12.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 50 (12.12.1877)
Date
1877-12-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1184 ausgesprochen, so besonders sofort die irische LandeSloge in sehr entschiedener Weise. Auch die englische werde sich nun aussprechen müssen, denn die französische Loge habe einen Riß in das Freimaurerthum der ganzen Erde gemacht. Auf Antrag Carnarvon's wurde ein Ausschuß zur weiteren Erwägung bestellt. Die zweite Angelegenheit betraf vornehmlich die Zulassung der Juden in die Freimaurerlogen. Die deutschen Logen sollen, wie es heißt, ihren Verband auf Christen allein beschränken und die Juden daher ausschließen, während englische Logen unter Monotheisten keinen Unterschied des Glaubens machen. Ein von dem anglicanischen Prediger Simpson gestellter Antrag empfahl nun den Erlaß einer Adresse an die deutsche Landesloge, worin ausgesprochen wird, wie hoch englische Freimaurer es anerkennen würden, wenn auch in Deutschland die Schranken des Freimaurerthums über die Grenzen des Christenthums hinaus erweitert würden. Da der Vorsitzende die Berechtigung solcher Adresse in Frage stellte und Lord Tenterden überdies erklärte, daß Mitglieder englischer Logen ohne Befragen über ihr Religionsbekenntniß von deutschen Logen ausgenommen würden, so zog Simpson den Antrag in der Folge zurück. Der Prinz von Wales wurde auf's Neue zum Landesgroßmeister erwählt. Feuilleton. Licht u«d Ichattc«. Erzählung von Friedrich Rott. XIV. Carl und Rosa hatten ihre Wohnung erreicht und traten ein. ES war schon vollständig Abeud geworden, der alte Grün war bereits aus der Synagoge heimgekehrt. Rosa brachte schleunigst Licht und Wein herbei, daß der Vater dem scheidenden Sabbat seinen Segensspruch nachsende. „Wo ist denn Eduard?" fragte er, bevor er den Segen begann. „Vermuthlich noch beim Onkel, er wollte ihn besuchen," erlbiederte Carl. „Den Onkel draußen in der Fabrik." sprach der Vater mit schmerzlichem Seufzer. „Da können wir nicht auf ihn warten." Der Abend schritt vor, man hatte das Nachtessen eingenommen, Eduard war noch immer nicht heimgekommen. Erregten Schrittes durchmaß der alte Grün das Gemach. Er wußte sich selbst keine Rechenschaft zu geben, warum ihn gerade heute das längere Ausbleiben seines jüngsten Sohnes so sehr beunruhigte. Es war ja gar kein Grund zur Sorge vorhanden; Eduard war ein erwachsener, junger Mann; was batte er für ihn zu fürchten? — Aber das verdrossene Wesen deS jungen Mannes in der jüngsten Zeit, seine kecke, fast höhnende Sprache, die er sich heute gegen den Vater erlaubt hatte, das war es, was den Greis mit Angst und Sorgen erfüllte. Endlich ertönte die Hausglocke. „Da ist Eduard," rief Rosa und eilte zur Thür, doch eine Dienerin trat ihr mit einem Brief in der Hand entgegen; ein Bote cus der Fabrik hatte ihn gebracht. „Von Eduard?" fragte der Vater. Rosa reichte ihm das Schreiben, das er hastig erbrach, dann trat er zum Tische, es zu lesen. Doch schon, nachdem er die ersten Zeilen durchflogen , überzog erdfahle Blässe sein Gesicht und seine Hand zitterte so heftig, daß er nicht im Stande war, weiter zu lesen. „Um GotteSwillen Vater! was ist geschehen? Eduard —" „Ist für uns verloren," entgegnete der Alte mit heiserer Stimme, indem er kraftlos in den Sessel sank, den Carls Vorsicht rasch herbeigeschoben. Aechzend barg er das zuckende Antlitz in den Händen, denen der unglückselige Brief entglitt. Carl hob ihn auf und las: „Lieber Vater!" „Ich weiß zwar nicht, ob es Dich beunruhigen würde, wenn ich ohne Dein Wissen über Nacht auS Deinem Hause bliebe; aber Du wirst es mir bestätigen, daß ich stets bestrebt war, Sorgen Dir nicht zu bereiten und darum will ich nicht zögern. Dir mitzutheilen, daß Du mich heute nicht mehr erwarten mögest. Nach langem Sinnen und Zögern, nach eingehender Ueberlegung und Berathung mit einem competenten Fachmanne, bin ich endlich zu der Ueberzeugung gelangt, daß ich um Deiner selbst willen, mein Vater, um Dein Gewissen, wenn eS Mir einst schlecht gehen sollte, nicht mit einem Borwurf belasten zu Müssen, meine Zukunft, die glänzenden Aussichten, die des Onkels Großmuth mir eröffnet, aus Pietät für Dich nicht opfern darf. Ich weiß, daß mein Entschluß Dich schmerzen wird, und innig betrübt mich das — doch ändern kann ich's nicht. — Bedenke Vater, wenn Dein Sohn im Unglück einst zu Dir kommen würde, und Du Dir sagen müssest: „Aus Rücksicht für mich hat er sein Glück verscherzt!" —

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