Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1877)
- Date
- 1877-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1181 seinem Werke. Die im Jahre 5616 (1856) ektrgeweihte Synagoge, anfangs viel zu groß, ward bald zu klein. Im Jahre 5619 (1859) gelang es uns, eine Unterrichtsanstalt zu gründen, die mit 53 Kindern eröffnet wurde, und die jetzt über 150 Schüler und Schülerinnen zählt. Im Jahre 5618 (1858) hatte die Religionsgesellschaft nach vielen Mühen und Kämpfen Corporationsrechte erlangt' Im Jahre 5633 (1873) gelang es, ein Haus nebst Garten neben der Synagoge zu erwerben, um die nothwendige Vergrößerung vorzunehmen, die denn auch im verflossenen Frühjahre in Angriff genommen wurde. Unsere neue Synagoge wird mehr als noch einmal so groß als die vorige werden. Ach, Rabbi Samuel Bondi sollte die Vollendung derselben nicht erleben! Nachdem wir nun in Kürze den Lebenslauf und einen Theil der Wirksamkeit des verehrten Mannes den Lesern vorgeführt, wollen wir zu einer Charakteristik seiner Persönlichkeit schreiten, damit sie beispielgebend weiter wirke. Der Lebensnerv, der Lebensquell des theuren Dahingeschiedenen war unsre heilige Gotteslehre. Vom Allgütigen mit großen geistigen Fähigkeiten ausgestattet, hatte er von frühester Jugend an seine ganze Kraft dem Studium der Thora gewidmet. Inmitten einer blühenden Jeschiba, in Verbindung mit Genossen, von denen einige später hochberühmte Männer wurden —7 wir nennen nur Rabbi Mendel Karge, den Verfasser des ^n\a mno, dem er ein -on i'obn war — wurde er der prona TD^n seines Großvaters, Rabbi Herz Scheuer. Daß alle diese Factoren ein großes Resultat hervorbrachten, braucht nicht erst gesagt zu werden. Rabbi Samuel Bondi ward nicht nur ein großer *)nn, er war auch D"tp"n mn ton ’pa; sein Wissen war ein ausgebreitetes, sein „Lernen" von einer ungewöhnlichen Tiefe und Gründlichkeit. Seit mehr als dreißig Jahren von allen weltlichen Geschäften zurückgezogen, war außer seinem Wirken für die Religionsgesellschaft die Thora seine einzige Beschäftigung bei Tag und Nacht. Selten suchte er vor 12 Uhr Nachts sein Lager auf, das er nach wenigen Stunden der Ruhe wieder verließ, um auf's Neue in der Thora zu forschen. Er „lernte" mit Jedem, der eS wünschte. Seine Liebe zum Thora - Studium, sein Verlangen nach demselben waren unbegrenzt. Als in den letzten Wochen seines Lebens seine Augen schwach wurden, da lernte er „auswendig" bis zu seinem letzten Athemzuge. Täglich hielt er Vorträge in der Chebrah Gemiluth - Chaßadim über Tenach und Menorath Hamaor. Jährlich zweimal, am Rosch Chodesch Schebath und am Simchath Thora hielt er populistische Vorträge, am letzteren Tage in der Synagoge. Seine Festreden bei Beschneidungen — er war Mohel — waren außerordentlich anregend und begeisterten stets die Hörer. Wie er nun die Gottesgebote, deren Studium er seine große, geistige Kraft widmete, praktisch ausführte, das zu schildern, ist unsre Feder zu schwach. Seine mso bw nnoff, seine Freude an der Erfüllung der göttlichen Gebote, war unbeschreiblich. Mit dieser herzinnigen Freude wußte er auch seine Umgebung, seine Kinder und Enkel zu erfüllen. Man mußte ihn an einem Sabbate oder an einem Festtage sehen! Die ganze Woche hindurch führte er ein aecetischeS Leben; er aß kein Fleisch, trank weder Wein noch Bier noch andere derartige Getränke, fastete sehr viel; nicht allein an jedem Emn rso any und andern derartigen Tagen, sondern auch in den acht Wochen von Paraschath Schemoth bis Paraschath Ki-ßißa an jedem Montag und Donnerstag, — an den Sabbaten und Festtagen aber, da freute er sich mit jeder Mahlzeit. Wie streng er es mit der Beobachtung jeder einzelnen Mizwah nahm, ist gar nicht darzustellen. Zum Peßach - Feste mahlte er den Schemurah - Waizen für seine Mazzoth vermittels einer Handmühle; auch buck er die Mazzoth, er selbst, am Ereb Peßach mit der minutiösesten Sorgfalt. Am Seder-Abend glich er einem In der liebenswürdigsten Weise suchte er die Hagadah den an seinem Tische anwesenden Frauen und Kindern verständlich zu machen, daran die schönsten Erzählungen und Erklärungen auS Talmud und Midrasch knüpfend. Während deS Essens aber sprach er an diesen Abenden nur Hebräisch, damit kein unheiligeS Wort die Heiligkeit des Festes störe. (Schluß folgt.) Zeituugsuachrichten und Corresponderrzerr. Deutschland. Mainz, 5. December. Es liegt uns der „Rechenschafts-Bericht über die israel. Lehrer-Bildungs-Anstalt zu Würzburg für das dreizehnteJahr ihr es Bestehens" vom Begründer und Vorstand derselben, Herrn Distr. - Rabbiner S. B. Bamberg er, vor. Die Anstalt hat auch im verflossenen Jahre ihrer erhabenen Aufgabe in hohem Maaße genügt. „Besteht doch," heißt eS im Vorworte, „ihre Ausgabe in nichts Geringerem, als in Heranbildung entsprechender Jugendlehrer, Männer, erleuchtet vom Lichte der Religionswissenschaft, ausgebil