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Der Israelit · 1877-12-12 · Heft 50 (12.12.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 50 (12.12.1877)
Date
1877-12-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1180 * Wird uns erzähl?, daß die Brüder den Joseph nicht wieder erkannten, weil er als bartloser Jüngling von ihnen gegangen war und jetzt als bärtiger Mann wieder vor sie trat. Dabei bleibt jedoch zu erörtern, wieso die Brüder Joseph nicht an. der Stimme erkannten. Lehrt doch der Talmud, daß ein Wiedererkennen an der Stimme wy rojpaD »bpi leichter stattfindet als durch den äußern Anblick. mffio -imo tn köid p »*? dni Da aber Joseph zu ihnen in einer fremden Sprache durch Vermittelung eines Dolmetschers redete, so konnten sie ihn nicht an der Stimme erkennen. Als er aber in ihrer eigenen, heiligen Sprache zu ihnen sprach, da erkannten sie-sofort den Bruder. Auch uns ist es so ergangen, auch in uns haben die Söhne und Töchter unseres Volkes den Bruder, den wohlmeinenden Bruder erkannt; eS war und ist die Stimme des Herzens, die vom Herzen zum Herzen dringt. Und darin liegt das Geheimniß des Erfolges. Es steht uns kein Interesse so hoch wie das Interesse unserer heiligen Religion. Der Ausspruch König Davids: T”nps noiaPi "wn ^b ’jn nnn „Ein Genosse bin ich Allen, die Dich fürchten und die Deine Gebote beobachten," war stets unser Grundsatz und wird es auch unter göttlichem Beistände bleiben. Und so rufen wir denn zum neuen Jahrgange Euch wiederum auf, Ihr theuren Brüder und Schwestern! Möget Ihr Euer Wohlwollen dem „Israelit" erhalten und neue Freunde für den» selben gewinnen. „Der Israelit" vergilt es Euch reichlich durch ebenso angenehme wie belehrende und anregende Lectüre, durch Beihilfe in der religiösen Erziehung Eurer Kinder, durch Anregung zu edlem und gottgefälligen Thun! Wir aber werden die hohen Ziele unsrer Zeitschrift niemals aus den Augen verlieren, und uns bemühen, stets Besseres und Größeres zu leisten. Wabbi Samuel Wonöi y*j. ii. Mainz, 5. Deeember. 2)ie Gründung der iSrael. Religionsgesellschaft zu Mainz war mit den allergrößten Schwierigkeiten, sowohl äußern wie inneren, verknüpft. Zwar war Frankfurt a. M. mit gutem Beispiele vorangegangen; allein dort lagen die Verhältnisse wesentlich günstiger. Zunächst hatte sich der Senat der damals freien Stadt zu der Gründung derReligionögesellschaft entgegenkommend verhalten, wäh^ rend die Großherzoglich Hessische Regierung sich § vollständig ablehnend verhielt. Der Ministerialrath W., der damals daS Referat in judaicis hatte, wollte nicht einmal die Erlaubniß zur Abhaltung eines „Minjan" außer der Orgel-Synagoge gestatten. Da galt es nun mit Energie, mit Klugheit, mit Ausdauer vorzugehen. Damals gab es noch keine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Mainz und Darmstadt; die Reise in die Residenz war eine sehr umständliche. Nichtsdestoweniger reisten Rabbi Samuel Bondi und Rabbi Jakob Levi allwöchentlich einigemal dahin und hörten nicht auf, bei den einflußreichsten Persönlichkeiten solange zu petitioniren, bis ihnen die Erlaubniß zur Errichtung eines besonder» Gottesdienstes ertheilt wurde — aber auch nichts als das; die Erlaubniß, einen Rabbiner anzustellen und von diesem die rabbinischen Functionen vollziehen zu lassen, mußte erst nach und nach — schrittweise — erlangt werden. Nicht minder groß waren die Schwierigkeiten im Innern der Religionsgesellschaft. Anfangs waren es nur sechzehn Familien und unter diesen nur wenig Begüterte. Es fehlte geradezu an Allemnamentlich an Geld. Trotzdem gelang es dem rastlosen, unermüdlichen Eifer der beiden obengenannten Männer, eine Synagoge zu erbauen, die circa 36,000 fl. kostete. Am Nüsttage des HüttensesteS des Jahres 5615 (1854) trat der Herausgeber dieser Blätter seine Stellung an der israel. Religionsgesellschaft an. Das Synagogengebaude war fertig; aber zur Vollendung der innern Ausstattung fehlte das Geld; so währte es noch zwei Jahre bis zur Einweihung. Wir wollen von den Zuständen, wie wir sie hier angetroffen, schweigen. Liegt es uns ja heute nicht ob, eine Geschichte der israel. Religions- Gesellschaft zu Mainz zu schreiben, sondern nur den hervorragenden Antheil hervorzuheben, den der Edle, welchen unsre Ueberschrift nennt, an der Bessergestaltung der religiösen Zustände in unsrer Stadt genommen. Er war der geistige Mittelpunkt des Ganzen. Sein religiöser Ernst, sein Feuereifer, seine große talmudische Gelehrsamkeit, seine Liebenswürdigkeit im Umgänge, feine Strenge gegen sich selbst und seine Milde gegen Andere, seine grenzenlose Bescheidenheit — all' diese erhabenen Eigenschaften des Geistes nnd Charakters verliehen der Religionsgesellschaft eine ideale Höhe, die über die Kleinlichkeit der materiellen Zustände hinweghalf; Rabbi Samuel Bondi verstand es, die Begeisterung, die sein edles Herz durchleuchtete, seiner ganzen Umgebung mitzutheilen. So ruhte denn Gottes Segen sichtlich auf

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