Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1877)
- Date
- 1877-12-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Erste Beilage )u Ar. 49 des Israelit. Leitendem Artikel. Me Ursache» der LkbeasuasähigKeit des deutsch -israel. Vemriudebundes. v. - Die Anberaumung des jüngsten außerordentlichen Gemeindetags in Leipzig wird in dem uns vorliegenden „Vorläufigen Bericht" mit dem Tode des Herrn Stadtrath Kohner motivirt, der als Gründer und mehrjähriger Präsident des Bundes mit Geist, Energie und unermüdlicher Arbeit sich der Realisirung der Bundeszwecke gewidmet habe. Durch die Erkrankung und das endliche Dahinscheiden Kohner's sei die erfreuliche Entwickelung des Bundes abgebrochen worden, und da eine Persönlichkeit als vollkommener Ersatz für den Verstorbenen nicht ausfindig zu machen schien, so sei die Reorganisation des Bundes und seines Verwaltungsapparates versucht worden. Als Kern des neuen Organifationsentwurfs wird angegeben: Der Ausschuß, der bisher überall und nirgends war (zur Giltigkeit feiner Beschlüsse war die Abstimmung aller in Deutschland zerstreut lebenden Allsschußmitglieder erforderlich), nimmt feinen festen Sitz in Leipzig, wo ein ständiges Büreau eingerichtet wird, mit dieser strafferen Concentration, welche allen Weiterungen und Schwierigkeiten vorbeugt, wird eine bis in'S Einzelne gehende Theilung der Arbeiten verbunden. weßhalb sich eine weitgehende Verstärkung des Ausschusses nothwen» dig macht; diesem können auch Mitglieder angehören, die nicht in Leipzig wohnen; ihre Zustimmung ist aber nicht mehr unbedingtes Erforderniß für die Giltigkeit der Ausfchußbeschlüsse. Fernere Aenderungen betrafen u. A. die Herabsetzung der Beitragspflicht und die Erweiterung der Bundeszwecke. Unter letzteren ist die bereits von uns gewürdigte Fürsorge für Religionsschulen und Ausbildung von Religionslehrern mit ausgenommen worden. Diese wenigen Sätze genügen, um unsere Ansicht über die LebenSunfähigkeit des Gemeindebundes auch rücksichtlich der Organisation seines Verwaltungsapparates zu bestätigen. — Derselbe interessirte unS hier jedoch nur insoweit, als er in diesen Sätzen fixirt, resp. wie er von dem Gemeindetag reorganisirt, in diesem vorläufigen Berichte I mitgetheilt ist. Die Gesammtorganisation deS Bundes, soweit sie von diesen vorgenommenen Aenderungen nichts berührt wird, fällt nicht in den Rahmen dieser Darstellung, da dieselbe sich auf den vorläufigen Bericht des jüngsten Gemeindetags beschränkt. Nur in Parenthese sei daher auf daS Verdict aufmerksam gemacht, das die leitenden Elemente des Gemeindebundes selber über dessen bisherige Organisation aussprechen, indem sie eine Statutenänderung mit dem Tode des bisherigen Präsidenten motiviren. Eine solche Motivirung räumt doch ein: Unsere bisherigen Statuten waren dem verstorbenen Präsidenten auf den Leib zugeschnitten, und was liegt nicht Alles in einem solchen Zugeständniß! Wo findet sich wohl ein Analagon für diese Monstrosität in den Annalen des Vereinswesens, daß ein Verein, rin Bund und gar eia Gemeindebund mit seinem alten Präsidenten auch seine alten Statuten begraben und für seinen neuen, neue schaffen muß? Es liegt unshier fern, die Verdienste des verstorbenen Präsidenten einer Kritik unterziehen zu wollen. Jeder Zoll mag ein Präsident pur excellence, ja der Verblichene mag, wie der vorliegende Bericht sagt, ein „geborner Präsident" gewesen sein; war er dies wirklich, so hat er in der Wiege es schon gewußt, daß der Präsident für die Präsidirten da ist, daß nicht aber diese für jenen da sind. 130 Gemeinden betheiligen sich an einem Gemeindebund, ihr Vertrauen stellt einen Mann an ihre Spitze, und dieser Mann ist kaum von hinnen gegangen, so ergeht schon der Ruf: Auf, macht uns neue Statuten, denn der Mann Moses ist nicht mehr da! Wie kann ei» Bund, der ewig und unwandelbar wie seine Ziele zu sein berufen ist, seine Geschicke, seine Bestimmungen von einem vergänglichen, sterblichen Menschen abhängig machen, auch wenn es der Edelsten einer wäre! Es ist allerdings nur zu wahr, was der Bericht sagt, daß in Israel zu viel von jeher auf zwei Augen gestellt war, aber das war eine Schwäche, die Diejenigen nicht theilen, die sie als solche erkennen! Es war daS m 3-iy, welches auf MofeS zwei Augen so viel stellte, daß es eine« neuen Gott verlangte, als eS jene geschloffen glaubte. Aber der reine Levitensinn wußte eS, und eine tausendjährige Geschichte hat dieses Bewußtsein bestätigt, der Mann Moses konnte sterben, sein Gesetz lebte fort. Sein Tod hatte keine