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Der Israelit · 1877-12-05 · Heft 49 (5.12.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 49 (5.12.1877)
Date
1877-12-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1164 schriften Hindernisse in den Weg zu legen, denn es beständen Gesetze, welche ganz genau daS regeln, was auf den Unterricht und die Presse Bezug hat. Vou den Schulen tonne die Regierung jedoch nur diejenigen, welche sich zu dem von derselben anerannten Kultus bekennen, begünstigen; dessen ungeachtet würden aber auch fernerhin die Lehranstalten jedes anderen Bekenntnisses tolerirt werden, wenn sie nicht Lehrsätzen huldigen, die der Regierung entgegen sind. Die „Freie Universität," welche in Madrid besteht, genösse mit ihren 40 Professoren und ihrer großen Anzahl von Schülern die größte Freiheit und die Regierung trete nickt den Doktrinen der Professoren, welche zum größten Theil Republikaner und Freidenker seien, hindernd in den Weg. Neuerdings sei auch eine Verfügung an die Gouverneure erlassen, daß sie nicht eigenmächtig Schriften verbieten sollten, bevor sie nicht genaue Anweisung von dem Minister des Innern erhalten hatten. Dieses sind die Ansichten des Herrn Canovas del Castillo. Wie soll man aber die Handlungsweise desselben verstehen, wenn er sich den Sentenzen des Justizministers gegenüber ganz passiv verhält und somit stillschweigend das Entgegengesetzte billigt? Amerika. Washington. Die amerikanische Regierung beabsichtigt, Herrn Peixotto, der mehrere Jahre amerikanischer Consul in Rumänien gewesen, als Consul nach Marocco (Afrika) zu senden. Dort wird er namentlich Gelegenhelt finden, für die Besserstellung seiner Glaubensgenossen, die bekanntlich in sehr gedrückter Lage sich befinden, wirken zu können. Feuilleton. Licht und Schalt». Erzählung von Friedrich Rott. XIII. Am Bette der Schwerverwundeten saß Rosa. Sie war allein bei ihr, die Wärterin hatte sich entfernt, um einige Anordnungen des Arztes zu besorgen. Nahezu zwei Stunden waren verstrichen, ohne daß die Kranke die Augen geöffnet. Rasch und unregelmäßig hoben die Athmenzüge die verletzte Brust, der sich zuweilen ein leises Wimmern entrang. Schmerzlich zuckte es dann in dem bleichen Antlitz des jungen Mädchens, denn sie vernahm auch aus dem anstoßenden Zimmer das Lechzen des jungen Mannes, dessen an Verzweiflung grenzenden Schmerz sie aus vollem Herzen mit empfand. Sie liebte ihn ja mit aller Gluth ihres reinen jungfräulichen Herzens. Erst vor einigen Monaten hatte sie ihn kennen gelernt, aber unter Umständen. die für ihr ganzes Leben entscheidend werden sollten. Es war ihm nämlich gelungen, mit Gefährdung des eigenen Lebens aus drohender Todesgefahr sie zu erretten, und seitdem hatte sie in ihrem Herzen, das Leben, das er ihr erhalten . ihm geweiht. Zu einer Erklärung war es zwischen ihnen allerdings noch nicht gekommen, aber sie kannte seine Gefühle, wußte, daß ihr Bild in seinem Herzen thronte. Mit unaussprechlichem Schmerz erfüllte es sie zwar, daß er die Heiligkeit des Sabbats nicht achtete; doch als sie durch ihren Bruder Carl die Geschichte seiner Jugend und seines ganzen übrigen Lebens erfuhr, da konnte sie sein Thun zwar nicht entschuldbar aber doch erklärlich finden. Und inniger noch verehrte sie den Bruder, als sie gewahrte, welchen Einfluß er auf ihren Lebensretter errang, wie es seinen graden, festen, überzeugenden Worten allmählich gelang, den Irrenden von seinem Irren zu überzeugen und den Entschluß in ihm zu wecken, mit seinem ganzen bisherigen Leben zu brechen. War es nun in Wirklichkeit einzig und allein Carl's überzeugendes Wort, daden Entschluß zur Umkehr in ihm wach rief oder war es auch die Liebe zu dessen Schwester, die er, das wußte er, bei irreligiösem Leben nie erringen konnte? — wer könnte mit Bestimmtheit das entscheiden. Doch wir haben es bereits erwähnt, nur noch diesen einen Sabbat glaubte Rosenbaum im Geschäft verbringen zu müssen, dann sollte es für immer an den gebotenen Ruhetagen geschloffen sein. — Und dieses eine Mal — o! es war entsetzlich. Rosa preßte die Hand an die Stirn, als könnte sie so den auf sie einstürmenden Gedanken wehren — doch umsonst. Das Wimmern der Kranken ward lauter und schmerzlicher; ihre Lippen bebten, sie schien sprechen zu wollen. Rosa neigte sich über sie. „Licht anzünden" flüsterte die Kranke „'s ist so dunkel. „Wir können noch nicht Licht anzünden," entgegnete Rosa. „der Sabbat ist noch nicht zu Ende." „Sabbat?" murmelte Frau Rosenbaum, indem sie die Augen aufschlug und verwundert in das Antlitz des jungen Mädchens schaute, das mit inniger Theilnahme ihr entgegen lächelte.

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