Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1877)
- Date
- 1877-12-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1163 daß ich Einer von den Ihrigen sei; man benachrichtigte hiervon den Rabbiner und die Vorsteher der Gemeinde, und bald häufte sich auf unserem Wege eine stets wachsende Menge an, die das Weiterkommen erschwerte. Zum Glück war mein Quartier nicht weit; ich trat schnell ein, weniger um mich der Neugier des Volkes zu entziehen, als um dem schmerzlichen Anblick zu entgehen, der sich mir während des kurzen Zuges darbot, ein Anblick, der mir das Herz zerriß und die Thränen in die Augen treten ließ. Als ich nämlich in die Stadt eintrat, konnte ich nicht gleich mitten in der Menge, welche die Neugier rings um meine kleine Karawane zusammengeführt hatte, die verfchiedenenen Volksclassen unterscheiden; aber je weiter ich kam, desto mehr theilte sich die Menge in 2 an ihrem Costüme erkennbare Theile; auf der einen Seite Männer mit herausfordernden Mienen, prächtige Burnusse mit reichem Besatz tragend, daS Haupt mit dicken, koquett gefalteten Turbans umwickelt, die Füße mit schönen, größtentheils mit Filigranarbeit in Gold und Silber gestickten gelben Schuhen bekleidet; auf der anderen Seite eine furchtsame, zerlumpte Menge, deren ganzer Kopfputz aus einem blauen, schwarz gefleckten, nachlässig um den Hals gezogenen Taschentuch bestand, mit groben Schuhen in der Hand und trotz der spitzen Steine des Pflasters baarfuß weiter gehend. Ich brauche nicht erst zu sagen> daß die Letzteren die Israeliten waren, die hier weder einen Turban, der allein den Kopf vor den Strahlen einer tropischen Sonne schützt, noch außerhalb des Mellah Schuhe tragen dürfen. Man denke sich die Leiden dieser Unglücklichen, die mit von den Steinen zerissenen Füßen und zerdrückten Zehen mitten unter dem Gespötts der muselmännischen Bevölkerung die Straßen entlang springen und sich vor Schmerzen winden. Der Anblick so großen Elends erfüllte mich mit Trauer; aber meine Rührung steigerte sich aufs Höchste, als einige Notabel», die der Oberrabbiner zu mir geschickt hatte, mich besuchten, mir die Hand drückten und mich willkommen hießen. Es war ein Mitleid, die Freude zu sehen, die sich auf dem Gesichte dieser armen Märtyrer malte. (Siehe Fortsetzung in der zweiten Beilage.) England. London. Nach einem statistischen Berichte der „Allg. Ztg." kommt den englischen Missionären die Bekehrung eines Juden stets am theuersten zu stehen, nämlich 450 L., während ein Türke 244 L. kostet und Andere noch billiger ihren Glauben verkaufen. London. Der verstorbene Aaron JsaacS hat verschiedenen Wohlthätigkeitsanftalten 3100 L. vermacht. (Jew. Chr.) Spanien. Madrid, 21. Nov. Der berüchtigte § 11 (gegen die Nicht - Katholiken) mit feinen neuen Zustzen und die Vorgänge im Schooße des Ausschusses, welcher diese Materie zu den Berathungen in den Cortes vorbereitet hat, erregen immer noch die Gemüther. Man verlangt jetzt, und mit vollem Rechte, daß die Acten ilber die Besprechungen des Ausschusses wortgetreu der Oeffentlichkeit übergeben werden sollen. damit man genau beurtheilen kann, inwieweit der Justizminifter seine Stimme für die Verschärfungen der Maßregeln gegen die Duldung anderer Glaubensbekenntnisse als die Staatsreligion geltend gemacht hat, und inwieweit man berechtigt war, anzunehmen, daß derselbe durch die Differenzen, welche in Folge seiner Handlungsweise unter den Ministern entstanden waren, gezwungen würde, sein Amt niederzulegen. Da nun die als sicher angenommene Abdankung des Herrn Calderon Co Nantes bis jetzt nicht zur Thatsache geworden ist und derselbe sich gegen die Ansicht der Mitglieder der Kommission und den allgemeinen Wunsch die Akten zu veröffentlichen sträubt, so entsandte der Ausschuß eine Deputation an den Minister-Präsidenten. um denselben um Aufschluß über die Angelegenheit zu bitten. Soviel bis jetzt über die Konferenz an die Oeffentlichkeit gelangt ist, hat die Deputation Canovas arg gedrängt , daß er die Zweifel über die Abdankung des Justizministers und die Gründe, welche man gegen die Veröffentlichung der Akten hege, gänzlich löse. CanovaS bei Castillo vertheidigt jedoch noch heute dieselbe Ansicht, welche er schon früher bei Gelegenheit der über denselben § 11 entstandenen Streitigkeiten an den Tag gelegt hat. Neulich sprach er sich dahin aus, daß er in den Cortes seine früheren Auslegungen des § 1l, welche die Freiheit der Kirche und die Ausübung des Kultus denjenigen, welche nicht die Staats- Religion bekennen, sichert, aufrecht erhalten würde. Niemals würde er jedoch gestatten. daß ein anderer Kultus sich durch öffentliche Manifestationen in den Straßen kund mache und auf diese Weife zu Demonstrationen Veranlassung gehe, welche der Ruhe und Ordnung gefährlich werden könnten. Es läge ganz außerhalb des Sinnes des § 11 den Freiheiten der Diskussionen, der Bücher oder Zeit*