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Der Israelit · 1877-12-05 · Heft 49 (5.12.1877) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 49 (5.12.1877)
Date
1877-12-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1162 der von uns für diesen Zweck gesammelten und Übersandten Gelder beträgt nunmehr 7000 Mark. — An das Central-Comitö der „All. Jsr. Univ." haben wir heute zum Besten der nothleidenden Jsra liten in der Türkei daS dritte Tausend (Mark) abgr schickt. Dresden, 27. Nov. Gestern wurde von der zweiten Kammer über den Gesetzentwurf, welcher die Form der Eidesleistung betrifft, berathen. Abg. Lehmann stellt den Antrag, es möchten noch eine Anzahl die Ausführung dieses Gesetzes, sowie die Würde der Eidesleistung betreffender Bestimmungen (z. B. über die Berechtigung jüdischer Notare zur Eidesabnahme) angenommen werden. Abg. Roth beantragt, anknüpfend an die diesbezügliche Petition des sächsischen DisstdentenbundeS, Abschaffung des Unterthaneneides. zieht jedoch, da Abg. Ackermann betont, daß in diesem Falle zwei Eide geschaffen werden müßten, seinen Antrag zurück. Schließlich wird der Entwurf mit den beantragten Einschaltungen (letztere trotz des Widerspruchs des Regierungs - Commissars) der Deputation überwiesen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Tsmssvgr. Die kürzlich verstorbene Scharmann von hier bestimmte den Ertrag seiner drei Häuser, welche einen Werth vo 100,000 fl. haben, zu wohlthätigen Zwecken. Außerdem vermachte er noch ca. 11,000 fl. baar an verschiedene Gemeinden, Schulen und WohlthätigkeitSanstalten. (Pesth. jüd. Ztg.) Rumänien. Bukarest. Der jüdische Arzt Coccin, Chef einer Ambulanz vor Plewna, ist mit dem rumänischen Sternenorden decorirt worden und drei andere Medicin studirende Juden bei derselben Ambulanz haben den militärischen Verdienstorden erhalten. Die Juden hoffen von diesen Zeichen der Auszeichnung viel Günstiges für ihre Lage. (Jew. Chr.) Frankreich. Paris. Nach dem uns vorliegenden Bericht der „All. Js. Univ." vom 1. Semester 1877 hatte die Gesellschaft eine Einnahme von 99495 Frs. und eine Ausgabe von 112,753 Frs. Der VermögenSstand hat um 13,258 Frs. abgenommen. Die „Alliance" unterhält gegenwärtig 28 Schulen, und zwar 26 in der Türkei und Marocco und 2 in Paris. Die Schulen der Türkei bestehen jetzt eine wirkliche Krisis; die Kriegsleiden und die Noth der Bevölkerung legen ihnen eine augenblickliche Prüfung auf. die jedoch nicht im Geringsten ihre Existenz gefährdet; sie werden dieselben glücklich überwinden. Die Schulen von Marocco sind im vergangenen Jahre von H. Halevi inspicirt worden, aus dessen Bericht wir im Nachstehenden einen Auszug über die allgemeine Lage unsrer Glaubensgenossen in der Stadt Marocco geben: Zur Reife von Mogador nach Marocco braucht man gewöhnlich 3 Tage; wir hatten einen halben Tag länger nöthig, ibeils weil wir am ersten Tage nur eine kurze Strecke zurückgelegt, theils weil wir am dritten Tage unserer Reise vor einem Dorfe, das wir passirten, einen Streit mit einem Araber zu führen hatten, welcher für den jüdischen Bedienten, den ich bei mir hatte, ein Lösegeld verlangen zu dürfen behauptete; es war ein entlassener Beamter, der seit einiger Zeit und mit Erfolg auf Kosten unserer Glaubensgenossen das Geschäft eines improvisirten Steuereinnehmers betrieb; er behauptete, daß er die Hälfte der vo« ihm erzielten Einnahme der Staatscasse abliefere; ich glaubte es ihm jedoch nicht, da er auf meine Frage nach einem amtlichen Ausweis in Verlegenheit gerieth und erklärte, daß derselbe sich in den Archiven der Stadt befände. Die Wahrheit ist, daß die hohen Staatsbeamten an der Beute Antheil haben und zum Schaden eines Theils der Bürger und ohne Wissen des Sultans bei Verübung des organisirten Raubsystems, das fast vor den Thoren der alten Hauptstadt gehandhabt wird, die Augen zudrücken. Diejenigen Israeliten, die sich dem Lösegeld zu entziehen suchen oder nur um eine Reduction der ihnen auferlegeen Steuer bitten, werden krumm und lahm geschlagen und häufig eines Theils ihrer Waaren beraubt. Ich widersetzte mich bestimmt der Besteuerung meines jüdischen'Bedienten, und mit Hilfe des Soldaten, der mich begleitete, konnten wir die Erwartungen des falschen Steuereinnehmers täuschen. Der Rest der Reise verlief ohne Zwischenfall, und so saßen wir am Freitag Nachmittags, den 19. August im Schatten der großen Bäume eines Gartens in der Nähe der Vorstädte von Marocco. Nachdem ich etwas ausgeruht hatte, setzte ich mich in den Sattel und trat in die Stadt durch das, an das Mellah oder Judenquartier anstoßende Thor. Meine europäische Kleidung zog die Neugier der muselmännischen Bevölkerung auf sich, die nicht wenig erstaunt war, einen Ungläubigen auf dem Rücken eines Maulthieres durch die Straßen ziehen zu sehen. Wer aber am Meisten erstaunt war, das waren die Israeliten, als sie erfuhren.

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