Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1877)
- Date
- 1877-11-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1150 um alle unsere Begierden, auS welchen doch die meisten Miffethaten geschehen, zn unserm Heil, nach dem Willen Gottes zu zähmen. — So tief meine Zuhörer auch gesunken sein mögen, ist dennoch nicht selten an den Meisten zu erkenne«, daß sie tief davon gerührt sind, und habe ich selbst schon einmal die Genngthuung gehabt, daß ein Glaubensgenosse, der wegen einiger Verbrechen verurtheilt war, sich dermaßen getröstet fühlte, daß er darauf den Entschluß faßte, eine entwendete Werthsache, die er noch im Besitz hatte, was dem Gericht unbekannt geblieben war, durch meine Hand dem rechten Eigenthümer zurückgeben zu lassen, und so wörtlich das Gebot (Levit. 5, 23) zu erfüllen. Gewiß wird überall, wo die Regierung einigermaßen unsere Religion berücksichtigt, dasselbe wie hier zu Gunsten der isr. Sträflinge zu erlangen sein, und vorzüglich da, wo schon am Peßachfefte denselben rituell erlaubte Speisen geliefert werden. Ja, meines Erachtens sollte man aus Humanität und Religiosität so gut als an Peßachtagen, an den 10 Bußetagen für die isr. Sträflinge -,^2-Speisen zu verschaffen bemüht sein. Denn man bedenke, daß unter den gewöhnlichen Speisen a^n und di Vorkommen» die unter die ma niDN gehören so gut wie nDD2 pan. Lehrt doch die Erfahrung, daß, bei irreligiösem Leben in den 9 Vorbereitungstagen der Schritt zur Verletzung des hochheiligen Versöhnungstages gar zu leicht wird!! A. D. Lutomirski. Türkei. AdritMopel. Der Ex - Generalgouverneur von Adrianopel, Ali Pascha, hat dem Localcomite der „All. Isr." versprochen, den bisherigen monatlichen Staatsbeitrag von 150 Piaster für einen Lehrer der türkischen Sprache an der Schule der ,,All. Isr." auf 500 Piaster zu erhöhen. (Arch. Isr.) F t ii i I l e t o it* Per alte jüdische /ritdehof zu Ncgeasburg. In den jüngsten Tagen wurde ein Stück längstbegrabener Stadtgeschichte Regensburgs aufgedeckt bei Anlage einer Röhrenleitung vor dem Maxthor gegen das Bahnhofshauptgebaude. Die Erdarbeiten durchschnitten den seit 1519 verödeten Friedhof der damals aus der Stadt vertriebenen Judengemeinde. Wußte man im Allgemeinen bisher aus Urkunden dessen ungefähre Lage, so gibt diese Durchgrabung volle Gewißheit. Die Israeliten bewohnten zu jener Zeit ein eigenes Stadtviertel, den heutigen Neupfarrplatz, nach damaliger Sitte mit eigenen Thoren und Pförtchen versehen. Bei Anlage der Wasserleitung vor 3 Jahren wurden viele Fundamente und Kellerwölbungen ihrer damaligen Wohnungen durchgraben. Ihre Synagoge , deren Abbildung uns Altdorfer in einem Stiche gerettet hat, war ein altromanischer Bau aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Ein solches Bild bietet noch heute Prag in seinem Judenviertel mit gleichfalls altromanischer, hochinteressanter Synagoge. Ihren Friedhof hatten die Israeliten dahier vor dem jetzigen Maxthore gegen 300 Jahre vor ihrer Vertreibung von dem Stifte St. Emmeram erhandelt; auf alten Stadtpläncn wird die dortige Gegend unter dem Titel der Emmeramer Breite mit bezeichnet. Wie in vielen deutschen Städten, so entstand auch in Negsnsburg am Ende des Mittelalters große Unz friedenheit gegen die jüdische Bevölkerung. Der Stadtrath hielt zu der revoltirenden Menge, die Juden mußten ausziehen, ihr Stadtviertel ward und blieb dem Erdbeben gleich gemacht, nur die Synagoge erstand wieder als christliche Kirche. Selbst der Friedhof wurde nicht geschont; indem man die Leichensteine triumphirend weithin verschleppte, in die neue Kirche, an Häuser vermauerte, wie man noch öfter hier finden kann. Der Slaifer als spezieller Schirmvogt der Israeliten, die ihm dafür eine eigene Steuer zahlten , nahm sich seiner Reichskammerknechten an, brachte aber beim Rathe nichts als eine mäßige Entschädigungssumme heraus, sie waren und blieben aus der Stadt verbannt, bis unser Jahrhundert ihnen endlich wieder die Stadtthore öffnete. Soeben nun wurde der alte, seitdem unbenutzte Friedhof durchgegraben. Die Leichen waren in Holzsärge gebettet, deren Reste noch nachweisbar sind, und liegen meistens sehr oberflächlich, mit der Sohle des Grabes 2 bis 3 Fuß unter der Erde, nur zwei nicht weiter ausgegrabene etwa 5 Fuß, doch könnten diese auch römischen Ursprungs sein vom angränzenden römischen Leichenfelde der porta decumana (dem Petersthor), da sich einzelne Stückchen römischer terra siZflllata vorfanden. Die sehr auffallende oberflächliche Einbettung der in Reihe gelegten Leichen mag, zum Theil wenigstens, von späterer Ausgleichung des Terrains bei Her-