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Der Israelit · 1877-11-28 · Heft 48 (28.11.1877) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 48 (28.11.1877)
Date
1877-11-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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XVIII. Iahrgang. Erste Leilage zu Nr. 48 -cs Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Dcricht. Lerie de six Lettres, sur le Mariage Mixte par L. Kahn. Bruxelles. Yanderauwera. 1877. Das Streben nach Freiheit und Gleichheit, welches unser Jahrhundert als glänzende Signatur an der erleuchteten Stirne trägt, kann den ruhigen Beobachter nicht für die traurigen Auswüchse blind machen, die demselben in so hohem Grade anhaften. — Als ein solcher Auswuchs muß aber jeder leidenschaftslosen Beurtheiluna, die Institution der gemischten Ehen, das .heißt, derjenigen ehelichen Verbindungen erscheinen, welche Bekenner verschiedener Religionen mit einander eingehen. Das Widernatürliche einer solchen Verbindung, sollte man meinen, wäre so von selbst einleuchtend, die Unmöglichkeit eines glücklichen Ehelebens läge so auf der Hand, wo die ersten Prämissen dazu, die Uedereinstimmung der religiösen Ueberzeugung fehlen, und dennoch ist es Thatsache, daß die Zahl der Mischehen in täglicher Zunahme begriffen ist! — Man könnte sich über diese traurige Erscheinung mit hem Umstande trösten, daß es eben die blinde Leidenschaft ist, welche solche Verbindungen schließt, und daß blinder Leidenschaftlichkeit gegenüber sich auch die vernünftigsten Erwägungen und begründesten Bedenken machtlos erweisen. - Aber man hat versucht aus der Freiheit und Gleichheit, die unser Jahrhundert charakterisirt, die Zulässigkeit, ja die Nothwendrgkeit der Mischehe zu folgern, und Diejenigen, die diese Consequenzen nicht ziehen und sie verwerflich und gemeingefährlich finden, deshalb mit dem Stigma der Beschränktheit und Unduldsamkeit zu discrediüren! Eine solche Geistesverirrung muß jeden Freund wahrer Freiheit und Gleichheit schmerzlich berühren, und man wird es daher mit doppelter Freude empfinden, wenn solchen Anmaßungen einmal die rechte Abfertigung wird. Eine solche liegt uns in diesen Briefen über die Mischehe vor, die für unS Juden noch das besondere Interesse haben, daß^ste den Gegenstand vom jüdischen Gesichtspunkte aubeurtheilen, also verurtheilen. — Wenn wir sagen, daß sich diese Arbeit würdig den übrigen literarischen Productionen des Herrn Verfassers anreiht, so können wir uns auf dieses Urtheil um fo eher beschränken, als wir erst kürzlich, die Schrift des Herrn Kahn, über die Friedhofsfrage einer eingehenden Besprechung an dieser Stelle unterzogen. diesen Briefen an den unglücklichen Vater eines jüdischen Mädchens, welches von verbotener Leidenschaft geblendet, seine angeborene Religion verlassen und sich in die Arme eines christlichen Geliebten werfen will, entwickelt der Verfasser eine so tiefe psychologische Kenntniß des menschlichen Herzens, eine so begeisterte und begeisternde Liebe für die Religion der Väter, die er in so edler, überzeugender Sprache zum Ausdruck bringt, daß wir durch das Herausgreifen einzelner Stellen, das glückliche Ensemble des Ganzen zu beeinträchtigen fürchten. Wir verweisen daher auf die Briefe selbst und können dies um so eher, als bereits eine vortreffliche deutsche Übersetzung derselben erschienen ist *). Zehnter Bericht der hebräischen Unterrichts- Anstalt über das' Schuljahr 1876/77 vom Dirigenten, Rabbiner Dr. P. Neustadt. Breslau 1877. Der vorliegende Bericht constatirt wieder einen weiteren Aufschwung dieser so mustergiltigen und segensreich wirkenden Anstalt. Derselbe wirft zunächst einen Rückblick auf das zurückgelegte Decennium, der so recht die Schwierigkeiten veranschaulicht, mit denen dieses hochherzige Werk von Anbeginn an zu kämpfen hatte, die es aber doch Dank der sich fortwährend steigenden Sympathien gleichgesinnter Edlen zum großen Theil überwunden hat. Jedenfalls hat die Anstalt ihre Lebensfähigkeit durch ihren zehnjährigen Bestand glänzend docnmentirt. die materielle Exiftenzfähigkeit läßt jedoch noch sehr Vieles zu wünschen übrig. Der Bericht selbst spricht in dieser Hinsicht nur von einem Begeriren, und das ist eine schmerzliche Wahrnehmung, daß für ein solches Streben bei aller rastlosen Bemühung des Dirigenten ein eiserner Fond, der das Unternehmen von äußeren Zufälligkeiten unabhängig macht, noch nicht beschafft werden konnte. 1) Sechs Briefe über die Mischehe, von Prof. L. Kahn in Brüssel. AuS dem Französischen übersetzt von Frau Moritz Baum. Köln. Selbstverlag von Moritz Baum. Herausgeber des Israelitischen Boten. Quirinstraße 13.

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