Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1877)
- Date
- 1877-11-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1133 geglaubt habe», daß e» reine Motive und reine tände wären, mit denen hier auf gegnerischer eite Ziele verfolgt werden, die wir für Judenthum «nd Judenheit allerdings als schädlich erachten; wir bitten daher den Herrn Vorsitzenden der erwähnten Versammlung, uns diesen Glauben auch für seine Person zu lassen, indem er die gegen uvS erhobene Insinuation öffentlich zurücknimmt. — Wir müßten unS sehr irren, wenn, nachdem auf Liese Weise eine vornrtheilsfreie Würdigung unserer Bedenken gegen den obligatorischen ReligionS-Unterricht möglich ist, nicht das eine oder andere gesiuuungSgenüsstsche Mitglied der BreSlauer Lehrerversammlung, unsere Auffassung der vorliegenden Angelegenheit verträte. Die Sache der Wahrheit kann ja durch jede neue Erörterung nur gewinnen. Wir unsererseits, sind, wie wir wiederholt versichern, jederzeit bereit, eine sachlich gehaltene Kritik unseres Standpunktes in dieser Frage, dankbar entgegen zu nehmen, und ihn eventuell danach zu modificiren. Fürs Erste aber erachten wir es nach wie vor als dringend gebotene Pflicht, die preußischen Synagogengemeinden vor einem Schritte zu warnen, der nichts Geringeres bedeutet als der jüdischen Gemeinde ihr heiligstes Erbgut, die Erziehung und Ausbildung unserer Kinder zu Juden und Jüdinnen zu entziehen, und es dem Ressort des preußischen CultuSministeriumS zu überweisen. Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenze«. Deutschland. MEteshgderr, 15. Rov. Ueber die Einweihung des Friedhofes der hief. iSr. Religionsgesellschaft berichtet die hier erscheinende MontagS- Zeitung: „Dichter Nebel lagerte über Wald und Flur, uud wo der Herbststurm hier und da »och ein Blättchen an einem Baume oder Strauche ver- & hatte, da glänzten gleich Thräuen an den »eru, Waffertropfeu, die raschelnd auf das welke Laub «iederfielen. Uud ernste Bilder traten vor die . Seele btt einsamen Wanderers hei dem VedaNtz», wie (oft, ach wie bald verweht wohl Mch dich der Herbftstürnt gleich einem welkest BÄtt, stde Spur verwsfchend. Dstch der Grdankeugaug wurde tiuterbrochtu, wir wäre» ättt Ziele, au dem Thore deneuen iSr. TodtenhofeS angelaugt, welcher heute feine Weihe mit der Beerdigung der Leiche der dahier verstorbene« Frau Amalie Hirsch erhalten sollte. Die Mauer, die den neuen christlichen Friedhof umschließt, wurde über den neuen iSr. Todtenhof hinaus verlängert (so daß nach Außen hin die beiden Friedhöfe ein geschloffenes Game bilderO, nur trennt innen die Umfassungsmauer des chriAlichen TodtenhofeS dieselben. Wir traten tut durch daS Gitterthor, in dessen Nähe sich eine offene Halle befindet, durchschritten den weiten Raum, der jeden Schmuckes entbehrt. Ganz am oberen Ende deutete ein frisch aufgeworfener Erdhügel die Stelle an, wo die irdischen Ueberreste einer braven Frau, einer liebenden und geliebten, aber auch schwer geprüften Gattin und Mutter auSruhen sollte nach langem, harten Kampfe. Doch eben langt der Leichencoudukt au; der mit einem schwarzen Tuche bedeckte, schmucklose Sarg wird auf einer Bahre durch die Halle durchgetragen und nach dem Grabe zu abgestellt und Herr Dr. Cahn beginnt in hebräischer Sprache einen Psalm abzuflugen. in welchen die Leidtragenden einstimmten und den er alsdann in's Deutsche übersetzte. Herr Dr. Cahn hielt eine ergreifende Rede, welche auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. In heißem Gebete flehte der Redner die Gnade Gottes herab auf Se. Majestät den Kaiser, das kaiserliche Haus, die Staats- und städtischen Behörden, durch deren Mitwirken es allein ermöglicht worden sei, daß der Humanität, der Toleranz in so erhebender Weise Rechnung getragen wurde durch die Herstellung eine-FriedhofeS, von welchem Niemand ausgeschlossen werden könne. Tief gegriffen uud tief ergreifend schloß Herr Dr. Cahn seine feierliche Rede mit einem inbrünstigen Gebete zu Gott, daß er alle, alle Menschen segnen möge, auf daß wir noch lange, noch lange leben möchten mit unfern Angehörigen, damit wir Zeit hätten, um Buße zu thun, um die Saal auszustreuen des Guten, de» Wahre», des Schönen uud Gerechten; denn mit dem Grabe höre die Saat auf, Saat zu fein, da» sei die Zeit, wo fie aufgehe und der Ernte entgegen reife, und im Jeuseits würde Jeder ernten, wa» er gesäet. Wir wiffe» nicht, ob die herbstlich feuchte Luft, die grauen düsteren Nebel, ringsum die ersterbende Natur auch auf uns uud alle Anwesende» ihren Einfluß geltend machte, doch wie an Teste« uud Zwerge« der Bäume uud Sträiichtt Myrte es plötzlich in aller Augen, und al» der Re) in fast schluchzende« Tone de« Segen Got Hof, da er (Redner) , \a die Macht nicht einen Ort heilig z» spreche», der erst dnrch geheiligt werde« müsst, die in ihm zur ewige»