Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1877)
- Date
- 1877-11-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447741--14332-2470236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1134 Ruhe gebettet werden, da schwand jeder Standes- und Glaubensunterschied, jede Schranke fiel, und j wie alle Todten gleich schmuck- und prunklos auf! ein und denselben Friedhof begraben werden, ob j Arm oder Reich, ob Hoch oder Niedrig, da ja j der Tod ohnedies Alles gleich macht, so fühlten j wir uns gleich mit unseren Israel. Brüdern im 1 Herzen. Und wenn unser Wille, unsere Wünsche ' sich bewahrheiteten, so mochten wir, daß auch die Christen in gleicher Weise begraben werden möchten — schmuck- und prunklos, wie unsere israel. Brüder, was das Leben oft unmöglich macht, wäre denn doch im Tode erfüllt. Unter den üblichen Ceremonien wurde der erste Sarg in die stille Grube gesenkt; dumpf dröhnend rollte Scholle um Scholle nieder auf den Sarg und ein heller Sonnenblick durchbrach die dichten Nebel, das Auge Gottes strahlte freudig hernieder auf den ihm geweihten Ort des Friedens. Wir bedauerten herzlich, daß sich, so viel wir! sahen, offiziell Niemand an dieser erhebenden! Feier beteiligte, weder von Behörden, noch von I Vertretern anderer Konfessionen Uns erfüllte es j mit gerechtem Stolz und Freude, Zeuge eines Aktes sein zu dürfen, der im vollsten Sinne des Wortes ein glänzender Sieg der Toleranz, der Humanität, der vom Staate garantirten Glaubens¬ und Gewissensfreiheit ist, und mit Herrn Dr. Cahn geben wir dem Wunsche Ausdruck, daß Gott unseren erhabenen Kaiser, dem es vergönnt war wie noch keinem Sterblichen. dem theuren deutschen Vaterlande nach Außen Macht, Einfluß und Ansehen, nach Innen starken Schutz des Rechtes, des Eigenthum? und der Gewissensfreiheit zu verleihen, noch lange, noch recht lange erhalte, damit er die Früchte schaue von den Saaten, die er gesäet! — Oesterr. - Ungarische Monarchie. Pesih, 16. Nov. Dieser Tage beehrte der Kaiser das neuerrichtete Rabbinerseminar mit seinem Besuche. Die Professoren Bloch und Brüll hatten sich im Portale poüirt und sprachen beim Ansichtwerden Se. Majestät den rituellen Segens* sprach. Der Kaiser wurde zunächst in die Synagoge geführt, wo Obercantor Friedmann mit dem Chor einen Psalm absang. Der Präsident der Landeskanzlei, Mart. Schweiger, dankte Sr. Majestät für die hohe Auszeichnung und stellte die Seminar-Kommission und das Professoren Kollegium vor. Professor Kaufmann wurde von Sr. Majestät mit einer Ansprache beehrt. Der Kaiser fragte ihn vorerst um die Landsmannschaft und sagte dann: „Nicht wahr, Sie haben in Breslau studirt?" Hierauf wurde der Hymnus von Kolcsey abgesungen und Sr. Majestät verfügte sich in die Schulsäle, wo Alles genau besichtigt wurde; in der Bibliothek verweilte der Kaiser längere Zeit. Nachdem das ganze Gebäude besichtigt war, wurde auch der Baumeister desselben dem Kaiser Vvrgestelll unv der hohe Besuch endete damit, daß Se. Majestät zu Professor Bloch sagte, er hoffe, daß das Rabbinerseminar zum Besten des ungarischen Judemhums und des Landes wirken werde. — Wir fürchten, daß diese Hoffnung des edlen Monarchen sich nicht realisiren wird. Pesth 15. Nov. Gestern, Nachts, wurde der isr. Tempel zu Neupesth erbrochen. Der unbekannte Thäter mußte aber durch Passanten verscheucht worden sein, denn er ließ eine, aus dem Tempel gestohlene Uhr einige Schritte vom Thatorte fallen und entwendete bloß ein mit Gold gesticktes Seidenband, womit die Thora umhüllt war. A N Z E I G E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Hkrben. Freitag, am 9. November, ging Herr Josef Samuel Landauer in ein besseres Jenseits über. Der Verblichene ist uns noch als ein theurer Ueberrest übrig geblieben von jenen wahrhaft guten, ausgezeichneten Männern der alten Zeit, die DHDn may ,rmn zu schützen und zu pflegen wußten. Schon als Jüngling widmete er sich 'fleißig dem Thorastudium und dessen Begeisterung und Eifer für diese brachte derselbe auch in seiner Lebensweise durch nVi mäy vielfach Ausdruck. Er war von der innigsten Liebe zu den ni’SD erfüllt; mit der genauesten Pünktlichkeit,