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Der Israelit · 1877-11-21 · Heft 47 (21.11.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 47 (21.11.1877)
Date
1877-11-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1132 Beitrag zur Charakteristik seiner Zerfahrenheit liefern will. Rur hat aber dieser Schluß auch «och eine naheliegende Kehrseite. Wer vor Kurzem — wie z. B. der preußische Staat — nicht für den Gemeindezwang, sondern für die Freiheit der Gemeinden eingetreten ist, kann auch heute nicht für den Religionszwavg eintrete«, ohne dasselbe Charakteristikon der Zerfahrenheit zu besitzen. Und wir glauben, daß der preußische Staat glücklicherweise sehr weit von dem Maaße einer solchen Zerfahrenheit entfernt ist, die ein Eingehen auf die qu. Petition documentiren würde. — Diese eine Erwägung spricht das Schicksal der Petition so deutlich aus, daß eine richtige Würdigung derselben, eine Deputation überflüssig gemacht hätte. Ueber die einschlägigen Artikel im .JSraelit" wird folgendermaßen referirt: „Redner bedauert, ein näheres Eingehen auf die lange Reihe von Artikeln, welche dieses Blatt gegen die Petition gebracht habe, sich versagen zu müssen. Mit Recht habe ein anderes jüdisches Blatt seinen Lesern die Lectüre jener Artikel angelegentlich empfohlen, damit sie erführen, wie wenig Sachlich-Begründetes gegen die beabsichtigte Petition vorgebracht werden könne. Charakteristisch für die ganze Kampfesweise jenes Gegners, sei der den Urhebern der Petition gemachte Borwurf, daß sie durch dieselbe aus Eigenutz und Eitelkeit die wahren Interessen des Judenthums verriethen. Redner meint die Selbstachtung und die Achtung vor seinen College», verbiete ihm ein näheres Eingehen auf solche Angriffe. Die Selbstachtung und Achtung des Herrn Referenten vor seinen College« muß sehr jungen Datums, oder wenigstens sehr dehnbarer, wandelbarer. kurz Breslauer Natur fein. Denn sie hat es nicht gehindert, daß er in dem von ihm erwähnten anderen jüdischen Blatt, auf unsere Artikel allerdings eingegangen ist, wenn auch in etwas verfrühter Weise, wie wir diese Manier Einzugehen bereits in unserem Schlußarttkel s. Z. beleuchtet haben. Auch hat die Selbstachtung des Herrn Referenten ihn nicht gehindert, in seiner Eigenschaft als Eorrespondent jener Zeitung deren journalistische Gepflogenheiten saus g$ne anzunehmen, und unsere Stellung in der vorliegenden Frage aus unserer Eigenschaft als «Fanatiker im Geheimen" und unserem „Interesse an BolkSdummheit" zu erklären. Wir habe« damals diese Expektorationen dem Herrn Korrespondenten zu Gute gehalten, wett er mttthettte, daß er im Aufträge jener Zeitung schreibe, und er also Entgegnung dem sonstigen Tone derselben anpaffen mußte. Unsere Achtung vor den iSrael. Religionslehrern Schlesiens und Posen», nöchigt uns aber diesmal den Widerwillen Mer Hu bahren auch mir ein Wort zu verlieren, zu'überwinden. Mit unserer tiefsten Entrüstung, bet Allem was ihnen und uns theuer und heilig ist, protestier« wir gegen die verleumderische Insinuation, als hätten wir in unseren Aufsätzen auch nur mit einem Worte gesagt, die Urheber der qu. Petition verrietchey an» Eigenutz ustd Eitelkeit die wahren Interessen veS Jndenthupis! — Wirkwaren und sind vielmehr von deü sämmtlichen Betheiligten, die wir auS ihrem Wirken oder persönlich zu krnnen die Ehre haben, überzeugt, daß ihre Betheiligung an dieser Angelegenheit an und für sich aus den lautersten Motiven fließt, daß Alle da» Beste des JudeuthumS und der Judeuheit bei diesem Schritte im Auge haben, und haben deshalb nicht ein Wort geschrieben, das dieser Ueberzeugung widerspräche. Wett wir aber glauben, daß sämmttiche opfcissima fide handelten, daß Alle, die ein Wort ,in der Angelegenheit redeten, die Interessen des JndenthumS und der Judeuheit damit fördern wollten, haben wir unser« schmerzlichen Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß diese Bestrebungen einem Zwecke dienen» bei demnach unserer tiefsten Ueberzeuguug nur verblendete Eitelkeit und daS pekuniäre Interesse der zur Ertheilung des oblig. Religionsunterrichts anzustellende Lehrer ihre Rechnung finden. — Wir führen deßhalb den einzigen einer tendenziöfen-Eutstellung fähigen Satz hier an, und überlassen es getrost der Beurtheilung eines jeden vorurtheilSfreien Lesers, ob dieser Passus, die gegen uns erhobene Verleumdung rechtfertigte. Nachdem wir die Bedenken erörtert hatten, die jedem, auch dem christlichen obligatorischen Religionsunterricht mit Rücksicht auf die Freiheit der Gewissen auhaften, fuhren wir wörtlich fort: „Und der christliche Vater, hat noch wenigsteus den Trost, er leide mit unter dem Rothstand de» Staates, fein berechtigter Einzelschmerz komme der Förderung des Staatswohl» zu Gute, was soll aber den jüdischen Vater trösten, der sich sagen muß, der Zwang, der sein Kind entweder um seine Religion oder um seine sociale Bildung bringt, komme auf Gottes weiter Erde Niemand zu Güte, al» der Handvoll Religionslehrer, die nun ex aerario einige Händert Mark Gehalt beziehen, und der verblendeten Eitelkeit, die sich glücklich Hübt für die vermeintlichen Interessen der Judeuheit da» Jndenthvm stückweise zu verschachern." Da» ist der einzige Paff«», in welchem in unseren Aufsätzen von Eigennutz nnd Eitelkeit die Rede ist. — Dir wiederholen, daß wir immer

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