Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1877)
- Date
- 1877-11-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1126 Möglich gewesen, daß eine solche Gemeinde — wie heute die meisten — so etwas Großartiges, Dauerndes und Bleibendes hätte schaffen können? Die Zeit war aber eine andere als die unserige, die moderne Reform wagte noch nicht, das Haupt zu erheben, jeder einzelne betrachtete den wahren Ruhepunkt in Gott, in der Religion, in den Sitten, im Gesetze, man ehrte den Religionslehrer und unterstützte seine Schule. Da blieben auch die Erfolge nicht aus. Von sorgsamer Hand gepflegt, fing der Lebensbaum zu grünen an, er trug köstliche Früchte, wurde zum Immergrün, zum Heile und Hoffnung feine Nation. (Fortsetzung folgt ) S. H. Deutsch, Rabbinats- Candidat. Algier. Algerien. Die diesjährige Volkszählung ergibt: 197,341 Franzosen, 2,478,977 Türken, 33,496 Israeliten und 159,161 Ausländer (worunter ebenfalls viele Juden). F t n i I l t t o ii. David fcb Magdeburger. Prager Ghettobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts.*) Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Schluß.) Ware ich nicht ein wahrheitsgetreuer Erzähler, so könnte ich mit diesem merkwürdigen Besuche schließen. Aber die historische Wahrheit soll in dieser Erzählung auch nicht um Haarbreite verkürzt werden , und ich darf als gewissenhafter Mann die Ereignisse, die sich an den Schlußfeiertagen des Laubhüttenfestes zutrugen, dem freundlichen Leser nicht vorenthalten. Am Schmini Azeres, das ist der siebte Tag des Laubhüttenfestes und ein selbstständiger Feiertag, war zum großen Erstaunen aller Anwesenden, ungewohnter Weise der Primator Frankl in der Altneusynagoge erschienen und hatte sich an die Seite des Oberrabbiners gestellt. Nachdem der erste Theil des Morgengottesdienstes beendet und auch das betreffende Stück aus der Bibel vorgelesen war, schritt man zu dem sogenannten „Ausrufen" der Funktionen für das morgige Thorafreudenfeft. ES besteht nämlich eine bei der ersten Betrachtung fremdartig erscheinende Gepflogenheit, die allerdings feit einer Reihe von Jahren in vielen jüdischen Gotteshäusern abgeschafft wurde, daß man das Recht an Jemanden eine religiöse, den Gottesdienst betreffende Ehrenfunktion, übertragen zu dürfen, versteigerte. Die Auction galt diesmal, wie schon erwähnt, den Funktionären des darauffolgenden Tages. Da wurde zuerst „Choßen Thoro" versteigert, das heißt, derjenige, der den höchsten Anbot machte, hatte dar Recht diejenige Person zu bezeichnen, der die hohe Ehre zu Theil wurde, zum Lesen des letzten Bibelabschnittes, des Thoraschlusses, aufgerufen zu werden Dieses Recht war in der Altneusynagoge ein sehr eingeschränktes, da die Würde stet, dem Oberrabbiner verlieben werden mußte, und doch bestrebten sich die Reichsten und Angesehensten der Gemeinde, dieses Recht um hohe Summen zu erwerben, bloß der Ehre willen, diese Funktion dem Ras übertragen zu dürfen. — Dann kam „Choßen Bereschis" an die Reihe. Das war Derjenige, der zu dem Beginne des Bibel-Ciclus, zu den ersten Versen des ersten Buches Moses zur Thora gerufen wurde. Als dritter im Range gelangte „Choßen Maftir" zur Auction. Der Ersteher hatte das Recht Denjenigen namhaft zu machen , der am Thorafreudenfeste den Prophetenabschnitt vortragen sollte. — Bisher hatte sich der Primator an den Licitationsverhandlungen nicht betheiligt; aber als die Reihe an „ein Kol ha norim" kam, das heißt an denjenigen, der in Begleitung sämmtlicher anwesenden Kinder am Thorafreudenfeste zur Bibelvorlesung gerufen werden sollte, da entwickelte sich der Primator als eifriger Mitbieter, und als er das Recht der Funktionsübertragung um hohes Geld erworben und ihn der Synagogendiener ehrerbietigst frug, wem er diese Function übertrage, nannte er David Leb Magdeburger. Noch am Nachmittage desselben Tages kam der Synagogendiener zu Magdeburger und kündigte dem Ueberseligen an, welche Ehre und Auszeichnung ihm der Primator von Prag erwiesen. Als Magdeburger, von einer zahlreichen Kinderschaar begleitet, am Simches Thoro das Almemmor betrat und die Benediction über die Thora sprechen sollte. konnte er vor freudiger Rührung nicht reden. Vor drei Wochen war sein Versuch, an dieser Stelle den Schofar zu blasen, so kläglich, so beschämend vereitelt worden, und heute — heute stand er da, vom Primator erkührt, eine Ehrenfunction auszuüben, unter den Helden des Tages, — wenn auch in etwas tieferer Rangordnung genannt zu werden. — Allein, auch mit alledem waren die verdienten Triumphe, die unser Magde-