Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1877)
- Date
- 1877-11-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1125 würde.) Maas, der Stifter der alten „Kranken» Kasse für ledige Männer", wie sie ursprünglich hieß, erhielt sie auch im Gange, sammelte in einer noch vorhandenen kupfernen Büchse die wöchentlichen Beiträge ein, schaffte die uothdürftigstcn Vorräthe an Leinenzeug und Brennholz an, und leistete sogar bei erkrankten Mitgliedern selbst die Dienste eines Krankenwärters, mit edler Selbstverleugnung die niedrigsten Verrichtungen nicht scheuend. Zwanzig Jahre später wurde eine ähnliche Anstalt in's Leben gerufen, welche unter dem Namen der „Neuen Krankenkasse" eine lange Reihe von Jahren gleich segensreich wirkte. 1810 drückte der Fürst Primas den Verwaltungen der Gesellschaften schriftlich seine Anerkennung aus. Am 1. Juli 1823 wurden von beiden Verwaltungen neue Statuten beschlossen, der Beitrag auf 8 Gulden normirt, bestimmt, daß nur drei Kranke in ein Zimmer gelegt werden dürften, die Ablösung der jährlichen Beiträge mittelst einer Kapitalsumme gestattet und manche Verbesserung getroffen. Durch die Bemühungen des Herrn Siegmund Geisenheimer fand am 17. Mai 1826 die Verschmelzung der beiden Männerkrankenkassen in eine einzige statt; nicht lange darauf wurde durch die Munifizenz der Frhrl. v. Rothschild'schen Familie das neue Krankenhaus an der Rechneigrabenstraße erbaut und im Jahre 1829 der Männer- und der Frauenkrankenkasse (auf die wir gelegentlich zurückkommen werden) zum Gebrauch übergeben. In Folge der Vereinigung der bisher getrennten Kräfte konnten die Beiträge auf 6 Gulden ermäßigt werden; ferner wurde bestimmt und durch das Statut von 1855 sanktionirt, daß nur zwei Kranke in einem Zimmer verpflegt werden dürfen. Das hundertjährige Bestehen der Anstalt wurde i. I. 1838 prunklos gefeiert und im Sinne des Stifters zwölf unbemittelte Gemeinde-Angehörigen mit Erlaß des Einkaufgeldes ausgenommen. So wirkt diese Kasse für ihre Mitglieder, aber auch nur für diese, in geräuschloser Weise, nicht nur durch Aufnahme in’£ Krankenhaus, sondern auch durch unentgeltliche Behandlung im Haufe durch die Aerzte der Anstalt, Verabreichung von Arzneien und selbst pekuniäre Unterstützung. Leider haben sich in jüngster Zeit manche reichere Gemeindeglieder vom Beitritt ferngehalten; mögen diese Zeilen zugleich dazu beitragen, einigen solcher mit Glücksgütern gesegneter Israeliten zu veranlassen — wenn sie auch nie in die Lage kommen werden, die Wohlthaten der Anstalt in Anspruch zu nehmen — sich mit dem geringen Betrage an der Unterstützung ihrer minder wohlhabenden Glaubensgenossen zu betheiligen, deren Zahl leider auch innerhalb der iSr. Gemeinde nicht unbedeutend gestiegen ist. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Pketzhurg, 8. Nov. II. Wir haben die geschichtlichen Faden der Entstehung der hiesigen Talmud-Hochschule auf den großen „Chatam Sofer" zurückgeführt; und dabei die Frage angeregt, ob dieselbe noch heute besteht. Reine unnütze Frage das, in unserer aufgeklärt sein wollenden Gegenwart. Zur Zeit ihrer Gründung, da gab es wohl noch gesinnungstüchtige Männer, die die Tragweite der Bestrebungen ihres großen Lehrers erkannten, Leute, die die Zeit und ihre Forderungen begriffen, und eben darum belehrte sie ein Blick in die Zukunft, daß es eben Zeit feie, dem Thora-Studium Wiederaufnahme und Geltung zu verschaffen. Sie sahen den Anfang des Niedergangs der jüd. Cultur und fürchteten die Folge. i'Opnri iva cüiDb woin imn hb ro»y5 ny rnmn sagt das bezeichnende Wort unseres großen Lehrers und Gründers am Anfänge seiner nws, denn seinem hellsehenden Auge entging nicht der Rückschritt im Felde des Wissens und Könnens auf dem Gebiete der Thora und des Talmuds und der daraus resultirende Rückschlag auf die jüd. Religion und all ihrer Lebensinteressen. Es mußte daher vor Allem darauf gesehen werden, den „Lebensbaum" wieder zur Blüthe zu bringen, indem man die geistige Grenzsperre aufhob, eine Grundschule stiftete, die geeignet war, die Thora der Nachwelt zu erhalten. Die Frage über das Lehrmedium der Lehrobjecte der zweckmäßigen stufenweisen Gliederung und Eintheilung derselben, trat in den Hintergrund, da vor Allem der Zweck und dann erst die dienenden Mittel ins Auge gefaßt wurden. Ob sich ein einheitlicher Organismus mit der Zeit herausgebildet hat, wollen wir später sagen. Trotz der Schatten, die damals einzelne Gemeinden von sich zu werfen anstngen, blieb Preßburg unter Leitung ihres treuen Hirten, eine edle, fromme, charaktervolle Gemeinde, die geeignet war,' als Eingangspforte Thauroh und Jiroh zu gelten. Wir wollen nicht von den Reichbegüterten sprechen, wie diese das Institut fördern halfen, sondern, derjenigen Ehrevwerthen gedenken, die durch die düstern Pfade vou Noth und Kummer unbeirrt auf dem Wege der Religion forrschritten und stritten, jener löblichen Mittelklasse, die bei der emsigsten Thätigkeit zur Herbeischaffung der täglichen Bedürfnisse, ihren Sinn stets nach dem Unvergänglichen gerichtet hatten, und die Jünger der Jeschiwah mit ausreichender Unterstützung versahen. Wäre es etwa möglich gewesen, daß eine an Einfluß und Macht geschwächte Gemeinde, entbehrend jener inner« Harmonie, der Parteien sich jahraus, jahrein in Eifersucht befehden, und sich in Selbstsucht lahmzulegen suchen, wäre es etwa aassA