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Der Israelit · 1877-11-21 · Heft 47 (21.11.1877) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 47 (21.11.1877)
Date
1877-11-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1127 *> burger feierte, noch nicht etschöpft. — Es war eine langjährige Gewohnheit, daß der Raf als CH osten Thora am Simches Thora nach Minche *) die vorzüglichsten Besucher der Altneusynagoge, und darunter die Würdenträger des Tages, zu einer Collation einlud. Diesmal ward auch dem entzückten Magdeburger diese hohe Ehre tu Th eil. Seine Knie zitterten vor Freude und Aufregung, als er die Zimmer des hochverehrten, angebeteten Rafs betrat und ihn dieser mit freundlicher Miene einlud, unter den andern Gästen Platz zu nehmen, und als Functionsträger kam er sogar — unnennbares Glück! — nicht weit vom Ras zu sitzen. Auch der Primator Frankl war erschienen und hatte an der Seite des Rabbiners Platz genommen. Auf dem Tische waren Wein, kalter Braten, Bäckereien und Obst aufgestellt. Im Allgemeinen wurde von diesen Dingen sehr mäßig genossen, da es sich hier offenbar nur um die Ehre handelte, in Gesellschaft des Rafs und des Primators eine Stunde zu verleben, mit ihm an einem Tische zu sitzen; aber Magdeburger aß gar nichts. Vor purem Vergnügen war ihm der Hals wie zugeschnürt und er hätte beim besten Willen keinen Bissen hinunterwürgen können. Zuvor erklärte der Prager Raf in geistvoller, treffender, witziger Weise einige Bibelstellen, dann aber entspann sich ein allgemeines Gespräch. Magdeburger fühlte sich, das werdet Ihr wohl glauben, zu schwach, hier mitreden zu dürfen, er versank in ein andachtsvolles, tiefes Schweigen und trank begierig jedes Wort, das von den Lippen des Rabbi floß. — Endlich war, wie dies vorzukommen pflegt, eine kurz? Pause in der Conversation eingetreten Der Primator benützte diese, um das Wort an David Leb Magdeburger zu richten. „Ich hätte eine Bitte an Euch!" sagte er. „Herr Primatorleben, Sie bitten mich um etwas? wenn ich Ihnen dienen kann, soll's gerne geschehen!" „Ihr wißt." fuhr der Primator fort, „in meiner kleinen Synagoge. für die ich für ewig ein Capital gestiftet, hat immer Reb Refoel Ullmann, ein ausgezeichnet braver Mensch, geblasen. Das letztemal Rosch Haschono hat er mir gesagt, daß er jetzt schon zu alt ist, daß es ihn zu sehr anstrengt. Ich habe gerne einen besonders würdigen frommen Baal Tekio. Ihr würdet mir eineu großen Gefallen erweisen, wenn Ihr mir versprechen wollt, über's Jahr, so Gott will, bei mir in meiner Privatsynagoge Schofar zu blasen." Magdeburger wurde purpurroth vor Freude; sein Herzschlag stockte vor übermäßigem Vergnügen, und er wollte eben antworten und seine volle Bereitwilligkeit a^Ssprechen, als der Rabbiner frug: „Primator! Wollt Ihr denn, daß er beide Tage bei Euch blasen soll?" „Weßhalb fragt der Rabbi?" entgegnete Frankl. „Weil ich gerne hätte, wenn er einen Tag in meiner kleinen Haisschui' blasen wöcht'." „Also," schrie Magdeburger, vor Glück ganz fassungslos, „werd' ich einen Tag beim Rebbe und den zweiten Tag beim Herrn Primats blasen, wenn ich's zu Gutem erlebe." „Ihr werdet hundert Jahr' glücklich leben," segnete ihn der Raf noch überdies. * * * Magdeburger wußte nicht, wie er heimkam, er war wonneberauscht, selig in einem Meer von Entzücken schwimmend. Ein Menschenleben lang hatte er vergeblich nach der geringsten Anerkennung gerungen , und jetzt, im Herbste seines Lebens, siel ihm unerwartet der Lohn seiner Biederkeit wie eine reife Frucht in den Schooß. Magdeburger war nun plötzlich ein geachteter Mann geworden, und bald übertrug man ihm in der Gemeinde eine große Zahl von Ehrenstellen, zu denen allerdings weder Wissen noch Klugheit, dagegen strenge Redlichkeit und Vertrauenswürdigkeit erforderlich war. Man übertrug ihm die Cassierstelle in der Altneusynagoge, jene der Beerdigungsbrüderschaft und;ene des Armenkinderlehrhauses. Da der Oberstburggras, Graf Lazansky, ihn dem ganzen hohen Adel als einen streng redlichen Mann empfahl, erweiterte sich nicht nur sein Kundenkreis , sondern er kam in die Lage, auf Geschäftsfreunde geringer» Kalibers gänzlich verzichten und seine Dienste ausschließlich Mitgliedern des hohen Adels und Beamtenstandes widmen zn können. Er konnte ruhig und sorgenlos leben. Kubitschka, der oberstburggräfliche Portier, war der einzige Kunde, den er aus den untergeordneten Kreisen behielt. Er that dies aus Dankbarkeit; er behauptete wohl mit Recht, dieser hatte sein Glück begründet, ihm hätte er die Empfehlung an die Oberstburggräfin zu danken. — Auch der Segensspruch des Prager Rafs bewährte sich; er überlebte alle Personen unserer Erzählung, mit Ausnahme seiner Frau und Kubitschka's jüngster Tochter. Er erreichte ein hohes Alter und entschlummerte sanft in den Armen seiner greisen Gattin, die als treues Weib ihrem vielgeliebten Gatten bald uachfolgte. ** * 1) Abendgebet.

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