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Der Israelit · 1877-11-21 · Heft 47 (21.11.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 47 (21.11.1877)
Date
1877-11-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1122 mir nicht möglich ist, Ihren Wunsch zu erfüllen." „Freilich nicht, freilich nicht," erwiderte der Doktor, „aber ich hatte immer geglaubt, daß Ihr Onkel ein Schwiegersohn von Herrn H. Moser ist, und der ist doch Jude?" „Meines Onkels jetzige Frau ist allerdings eine geborne Moser, aber sie ist eben die zweite Frau. Die erste starb wenige Jahre nach ihrer Verbindung mit meinem Onkel, nachdem sie auch ihn zum Vater eines Töchterchens gemacht. Diese meine zweite Cousine ist ebenfalls als Christin getauft. Doch als mein Onkel nach dem Tode seiner ersten Frau mit seiner jetzigen sich verband, wünschte er sehnlichst, sein Kind zum Judenthum übertreten zu lassen. Der hiesige Rabbiner jedoch, -er Vorgänger Ew. Hochwürden, wußte ihn zu überreden, daß er davon abstand. Hätten Sie das geglaubt, Herr Doctor? Diese Orthodoxen sind in Wirklichkeit unberechenbar." „Das sind sie," stimmte der Doctor bei, „statt froh zu sein, wenn sie unserer heiligen Religion eine Seele gewinnen könnten, weisen sie sie zurück. Daran erkennt man ihren Glauben; wenn sie ihn in Wirklichkeit für den wahren hielten, wären sie uicht verpflichtet, auch Bekenner anderer Confessionen darin aufzunehmen?" „Der Ansicht war auch mein Onkel. Trotzdem ließ er sich von dem Rabbiner davon abbringen." „Warum wandte er sich an einen so fanatisch Orthodoxen? Hätte er sich an mich gewandt, ich hätte mit Vergnügen seinem Wunsche entsprochen." „Mein Onkel hat es auch oft genug bereut, -aß er nicht bei seinem ersten Vorsatz geblieben- Dadurch war er genöthigt, sein Kind an dem christlichen Religionsunterricht Theil nehmen zu lassen, und mußte nun sehen und hören, wie sein Kind sich bekreuzigte und betete u. dergl. m. Er war oft wüthend darüber, aber was konnte er machen? — Seitdem sie der Schule entwachsen ist, seitdem ist es meinem Onkel freilich gelungen, sie davon abzubringen. Aber seine jüngste Tochter; die Tochter seiner zweiten Frau, die als Jüdin geboren ist, -ie liebt er doch weit inniger, als die andern. Aber trotz dieser eigenartigen Verhältnisse herrscht -och ein so inniger, herzlicher Ton in dem Hause meines Onkels, daß der Fremde keine Ahnung erhält von dem konfessionellen Unterschied der verschiedenen Familienglieder." „Das ist schön," lobte der Geistliche, „schön und interessant. Ich bin Ihnen in Wirklichkeit verbunden, lieber Freund, für diese interessante Mittheilung. Das Haus Ihres Onkels scheint in der That ein Muster echter Aufklärung und Toleranz." „DaS ist es auch," versetzte Eduard, „und ich fühle mich Ihnen aufrichtig verpflichtet, Herr Doctor, daß Sie durch Ihren gütigen Rawollte sagen durch Mittheilung Ihrer Ansicht, mir den Eintritt in dasselbe geebnet haben. Aber das Gewitter scheint ja heute gar kein Ende nehmen zu wollen," fuhr er zum Fenster blickend fort, „und ich möchte so gern hinaus zum Onkel. — Was meinen Sie, Herr Doctor, wenn ich hinaus fahren würde?" Der Doctor drohte ihm lächelnd mit dem Finger. „Sie loser, junger Freund, was würde Ihr Herr Vater dazu sagen?" Der junge Mann zuckte die Achseln. ' „Nachdem ich Ihre Ansicht, Herr Doctor, kenne, bin ich entschlossen, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich erlaube mir daher meine Frage zu wiederholen. Was meinen Sie, Herr Doctor, wenn ich hinaus fahren würde?" Der Doctor trat zum Fenster. „ES ist in der That eiu entsetzliches Wetter; wenn Sie in diesem Sturm und Regen hinaus gingen, könnten Sie sich den Tod holen. Wenn Sie also hinaus müssen, guekaire? Uschemartem es Nafschoßtchem, heißt es. Sie dürfen daher Ihre Gesundheit nicht auf's Spiel setzen. Und da sie doch keinesfalls mit Ihren eigenen Pferden fahren würden — bei einem Miethswagen ist die Sache nicht von so großer Bedeutung. Und Sie werden sich doch gewiß einer Droschke bedienen?" v „Freilich, freilich, und sehen Sie, wie der Himmel meine Absicht begünstigt; da gegenüber hält soeben eine Droschke, ein Herr steigt heraus und zahlt dem Kutscher; die Droschke ist also unbesetzt und ich eile sie mir zu sichern.. Ich empfehle mich Ihnen, Herr Doctor, und sage Ihnen nochmals meinen besten Dank für Ihren freundlichen Rath." „Ansicht, Sie Vergeßlicher!" berichtigte lächelnd der Doctor. „Adieu, mein lieber junger Freund! der Herr behüte Sie auch in diesem Unwetter. Empfehlen Sie mich doch gefälligst Ihrem Herrn Onkel und versichern Sie ihn meiner Hochachtung." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilage». Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben'S Buchdruckerei in Mainz Mainzer Anzeiger).

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