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Der Israelit · 1877-11-21 · Heft 47 (21.11.1877) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 47 (21.11.1877)
Date
1877-11-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1119 HH. Veneziani, Toledo, 2 Mitglieder des Magistrats und ich, in alle Asyle der Muselmänner gegangen und haben ihnen Geld Unterstützungen gereicht, damit sie sich Nachts restaurireu konnten, da der Tag während des ganzen Ramazan-Monats dem Fasten gewidmet ist. Unter den muselmännischen Flüchtlingen sind die Frauen in großer Zahl; wenn man sie frägt, wo ist Ihr Mann? so antworten die meisten schluchzend: Er ist getödtet, oder er ist Soldat. Ihr Anblick erweckt auch in dem härtesten Herzen Mitleid. Wir beeilten uns, ihnen zu Hilfe zu kommen; H. Veneziani läßt ausschließlich für die Muselmänner 150 Stück amerikanische, 100 Stück indische Kattune und 300 Decken kommen, ungerechnet das Geld, das er baar unter sie vertheilt hat und das sich auf 4000 Fr. beläuft. Für die Israeliten hat H Veneziani gleichfalls Mattatzen und Decken bestellt und wird sich mit Erlaubniß des Herrn Baron v. Hirsch des Waldes von Bellova zum Bau von Baracken bedienen. Dieser Barackenbau ist etwas sehr Wichtiges und Nützliches; unsere armen Glaubensgenossen wohnen in diesem Augenblicke in Schuppen, die der durch die Herbstregen und strenge Winterfröste drohenden Ueberschwemmung ausgesetzt sind; unter soliden, von einem europäischen Architekten der Eisenbahngesellschaft erbauten Baracken werden sie geschützt sein, wenn man sich auch nicht verhehlen kann, daß dieser Bau ziemlich bedeutende Kosten verursachen wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es unseren isr. Flüchtlingen in diesem Winter nicht an dem Allernothwendigsten fehlen. Dank der Generosität des H. Baron v. Hirsch, werden sie ein ziemlich komfortables Obdach und die meisten auch etwas Bettzeug haben; Dank auch der Thätigkeit und den zahlreichen Bemühungen des H. Toledo, sowie der Menschenfreundlichkeit unserer Finanz-Sommitäten und endlich der Alliance, die niemals verfehlt, sich der Sache unserer unglücklichen Brüder anzunehmen, werden diese das tägliche Brot und auch noch etwas mehr zur Stärkung ihrer erschöpften Kräfte bekommen. Bis jetzt sind nach Adrianopel folgende Summen geschickt worden (in Franken): Durch das Haus Rothschild in London, 5000; durch Vermittlung der Alliance, 5000; durch H. Montefiore, 2500; durch H.Long, 4600; durch das Haus Rothschild in Paris, 5000.'; durch Se. Exc. den Gesandten H. Layard, 2500; von Adrianopel selbst. 2500; zus. 25,100 Fr. — Man erzählt und viel von der tiefen Noth unserer Flüchtlinge in anderen Städten; wir werden ihre Lage an Ort und- Stelle kennen lernen und es Sie wissen lassen. Genehmigen Sie rc. F. Bloch. Dritter Brief. Adriauopel, 1. October 1877. . . . Die isr. Flüchtlinge zu Varna und Rustschuck sind weniger schlimm daran, als diejenigen von Adrianopel, da jene mitnehmen konnten, was sie an Leinenzeug, Kleidung, Betten und selbst Möbel besaßen, während diese, größtentheils aus Kazanlik, Zaghra und Carlova, nackt und verhungert hier angekommen sind. Bevor ich dieses Land verlasse, werde ich Alles soweit zu ordnen suchen, daß unsere armen Glaubensgenossen ohne zu große Entbehrung den Winter überstehen können. Ich habe aus Constantinopel 150 Stück Kattune, 100 Stück Leinwand, 511 Matratzen und 807 Bettdecken mitgebracht; es versteht sich, daß diese Gegenstände größtentheils unter unsere Israeliten vertheilt werden sollen Einen Augenblick dachte ich daran, eine Anzahl Baracken für dieselben zu errichten, aber in Anbetracht der Jnconvenienzen, die eine Anhäufung armer Familien mit sich bringt, und der enormen Kosten, die daraus entstehe«, habe ich es vorgezogen, die Unterbringung der unglücklichsten Familien und derjenigen, welche viele Kinder haben, in Privatlogis in Aussicht zu nehmen und die Miethe zu bezahlen; es werden dies ca. 200 Familien lein, und ich hoffe, daß es nicht allzuviel Mühe kosten wird, 200 kleine Häuser hier zu finden, wo dieselben für die 6 Wintermonate Obdach haben könnten. Die Miethe eines solchen Häuschens wird nach den Mitteilungen, die ich erhalten, 5— 6 Pfd. trk. pro Semester kosten, also im Ganzen eine Ausgabe von ca. 1000 Pfd. trk. verursachen. Ich werde im Namen des H. Baron v. Hirsch die Kosten für 100 Familien übernehmen und die Alliance kann dies für ebenso viele thun, d. h. zu der Gesammtmiethe von 23,000 Fr. die Hälfte, also 11,500 Fr. beitragen. Außerdem muß unbedingt für Kohlen, mindestens 20,o00 Oka gesorgt werden, was, die Oka zu 10 bis 12 Paras, im Ganzen ca. 50 bis 60 Pfd. trk. kosten wird. Ich werde in diesen Tagen 10 000 Oka für Rechnung des Herrn Baron v. Hirsch kaufen, den ich zugleich ersuchen werde, eine Quantität Holz aus seinem Walde von Bellova zu liefern; es würde gut sein.wenn die Alliance die andern 10,000Oka Kohlen lieferte. (1 Oka — ca. I^Kilo gr.) Ist einmal Wohnung und Heizung gesichert, so wird das Uebrige keine großen Sorgen machen; denn 12,000 Fr. befinden sich noch in den Händen unseres ausgezeichneten Präsidenten H. v. Toledo, und aus Europa werden sicher noch Geldgeschenke eingehen. Auch der englische Gesandte in Constantinopel, H. Layard, besitzt gleichfalls noch eine sehr ansehnliche Summe. Das Central-Comitö muß jedoch stets auch

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