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Der Israelit · 1877-11-21 · Heft 47 (21.11.1877) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 47 (21.11.1877)
Date
1877-11-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1118 geben. Inzwischen mögen die Subscribenten und Mitarbeiter den Ausdruck seiner lebhaften und tiefen Erkenntlichkeit entgegennehmen. (Die Israeliten der Türkei.) Das C.-Comite, das fortgesetzt Mittheilungen über die Leiden unserer Glaubensgenossen in der Türkei erhält, veröffentlicht hiermit zwei Briefe des Herrn Felix Bloch aus Constantinopel an H. S. Fernande-, Präsidenten des Bezirkscomitss der Türkei, über die Liebesmission, welche der den Lesern dieses Berichts wohlbekannte H. Veneziani von H. Baron v. Hirsch gütigst übernommen hat und mit großer Hingebung ausführt, sowie einen Brief des H. Veneziani an das C.-Comitö. Erster Brief. Adrianopel, 13. September 1877. Lieber Herr Fernandez! Ich will Sie über Alles, was hier vorgeht, auf dem Laufenden erhalten, über Alles, was ich gesehen habe, und über alle Anstrengungen, dir der verehrte H. Veneziani macht, um den Unglücklichen zu Hilfe zu kommen. Als ich in Constantinopel die uns zugegangenen Berichte las, sagte ich mir manchmal, daß man die Lage und die Zahl der Kriegsopfer übertreibe; ich muß setzt constatiren, daß man nicht nur nicht übertrieben hat, sondern noch hinter der Wahrheit zurückgeblieben ist. Ich setzte mich, ebenso wie Herr Veneziani, mit allen den Personen in Verbindung, welche sich mit Hilfsleistungen für die Kriegsopfer beschäftigt haben oder noch beschäftigen. Ich besuchte die Zufluchtsstätten der unglücklichen Flüchtlinge, sowohl der Israeliten, als der Muselmänner; es gibt in Adrianopel 2000 israelitische, und mehr als 10,000 türkische Flüchtlinge; sie nehmen Schuppen ein, in denen Männer, Weiber und Kinder wie die Schafe zusammengepfercht sind, übereinander geworfen, auf bloßer Erde oder auf einer Strohmatte liegend; nur Wenige haben Decken, alle Andern sind der Kälte ausgesetzt, die in den Nächten sich schon fühlbar zu machen beginnt. Unsere Israeliten haben Männer zur Seite, die, voll Hingebung und Selbstverleugnung, mit dem Unglück derselben tiefes Mitleid haben; ich nenne hier in erster Reihe H. v. Toledo, der sich um das Judenthum wohlverdient gemacht und für unsere unglücklichen Glaubensgenossen Alles gethan hat, was menschenmöglich war; ohne ihn wären die Unglücklichen vielleicht Hungers gestorben. Ihre Schuppen sind gelüfteter und sauberer als die der Türken; wenn nicht alle von ihnen Matratzen oder Strohmatten haben, so haben sie doch fast sämmtlich Decken und einige Kleidungsstücke. Ihr Brot ist besser, und von Zeit zu Zeit erhalten sie einige ParaS, um sich etwas Reis oder Gemüse zu kaufen. H. Veneziani hat vor Allem den Türken beizusiehen gehabt, deren Noth am dringendsten war; ich war, wie er, erschüttert von dem Anblick, der sich mir darbot. Er wird es einrichten, daß jeder Muselmann 10 Piaster, also eine Familie von 5 Köpfen 50 Piaster erhalte, eine Summe, die für die 25 Tage des Ramazan kaum zu etwas Reis und nöthigenfalls etwas Fleisch hinreichen wird; er wird ihnen auch Decken und Leibwäsche geben. Auf meinen Rath will H. Veneziani für unsere armen Glaubensgenossen statt der Schuppen, in denen sie sich jetzt befinden, 200 bis 300 Baracken errichten lassen; vergessen wir nicht, daß der Winter mit seiner Kalte und seinen zahlreichen Bedürfnissen naht und bedeutende Hilfsmittel nö* thig machen wird. Nun noch ein Wort über das hiesige englische Comits. Dieses Cornitö, an welchem die HH. Black und Blunt theilnehmen, hat bis jetzt 2700 Pfd. trk., größtentheils. wie diese Herren selbst gestehen, von Israeliten erhalten und unterhält 1000 Personen , worunter 250 Israeliten; es gab Jedem von ihnen einige Meter Kattun und Leinwand, ferner eine Decke und Strohmatte, und liefert täglich je 1 Brot. H. Toledo gehört auch diesem Comite an. Ebenso unterhält dasselbe mit dem Gelde, über das es verfügt, 2 Hospitäler. H. Veneziani und ich werden einer Sitzung desselben beiwohnen; soweit ich beurtheilen kann, find feine Hilfsmittel beschränkt. Der städtische Gemeinderath läßt sich die Vertheilung von Brot angelegen sein; er hat nicht ohne Schwierigkeit 30 Pfd. trk. an H. Toledo zum Ankauf von Brot für die Israeliten eingehandigt. Alles, was H. Veneziani machen wird, wird er selbst machen, um die Gewißheit zu haben, daß das vertheilte Geld gut angebracht sei. Ich bin von ganzem Herzen Ihr ganz ergebener F. Bloch. Zweiter Brief. Adrianopel. 16. Sept. 1877. Lieber Herr Fernandez! Ich habe Ihr geehrtes Schreiben vom 12. d. M. erhalten; Ihrem Wunsche gemäß und um meine Pflicht zu erfüllen, setze ich Sie au kait von Allem, was hier geschieht; zugleich schreibe ich im Namen des H. Veneziani, der keine Zeit hat. Ihnen selbst zu schreiben. Wir bitten Sie, von diesem Schreiben der Alliance in Paris Abschrift zu geben, damit diese Gesellschaft wahrheitsgemäße und genaue Berichte erhalte über Alles, was sich hier zuträgt. Letzten Freitag, den 14. Sept., sind wir, die

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