Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1877)
- Date
- 1877-11-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1106 katholischen Prälaten. — Gewiß ein schöner Zug! Welch ausgezeichnet braver Mensch muß aber auch -er Jude sein, für den der Prälat unter so eigenthümlichen Verhältnissen sich verwendete! Frankreich. Paris. Bei den Wahlen am 14. Oktober sind vier Israeliten wieder gewählt worden. Bamberger, Lisbonne, Ed. Millaud und Camille Säe. Zwei andere frühere israel. Deputate, Adrian Leon und Naquet, sind bei der Wahl unterlegen. P a l ä st i n a. 18. Marcheschwon. Im Aufträge der Vorsteher und Rabbinen sämmtlicher Gemeinden der heiligen Stadt beeile ich mich, Ihnen die freudige Botschaft zu bringen, daß die Regenzeit zur rechten Zeit, ehegestern am 16. d. M., eingetreten ist und daß in Folge dessen die unerschwinglich hohen Preise der Lebensmittel ein wenig zurückgegangeu sind. Möge der allgütige Gott Sich auch ferner unser erbarmen, damit die schreckliche Zeit deS Elends und der Theuerung bald beendigt sei. Joseph Ryblyn, Secretär der israel. Gemeinden zu Jerusalem. F e n t I I t t o li. David Lrb Magdeburger. Prager Ghettobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts.*) Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) Es war der erste Tag Sukkos, etwa drei Uhr, Magdeburger und seine Frau saßen nach dem Essen noch bei Tische in der Laubhütte. Er war in feinem Lehnsessel eingeschlummert, während die Frau in dem MenoraS ha moor*) blätterte. Nachdem David Leb erwachte, hatte sich zwischen den Beiden ein lebhaftes Gespräch entsponnen. Magde- *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, Uebersetzungsrecht Vorbehalten. 1) Ein Werk, in deutscher Spradje geschrieben, aber mit hebräischen Lettern gedruckt; zur Erbauung für das weibliche Geschlecht bestimmt. burger hatte unaufhörlich von den Ereignissen des heutigen Vormittages in der Altneusynagoge zu erzählen. Er war der König des Tages gewesen, und dem neuen Chower war allseitig gehuldigt worden. „Was soll ich Dir sagen?" berichtete er. „Klopfen und Blasen hat an mir gehalten." Magdeburger hielt einen Moment erschrocken inne, der Ausdruck war nicht gut gewählt. „Blasen," das war die Stelle, wo er — David Leb Magdeburger — äußerst sterblich war, „aber," dachte er jetzt leichtsinnig, „liegt mir viel auf, mir, der ich auf Ansuchen des ganzen Gemeindevorstandes, mit -dem Primas an der Spitze, ein Prachtstück von e Chower bekommen Hab'." (Magdeburger hatte sich unter dem Vorgeben, er habe seine Brille verlegt, den Chower — der in hebräischer Sprache geschrieben war — von einem gelehrten Nachbar vorlesen und übersetzen lassen, und der Nachbar hatte behauptet, der Chower wäre mit allen Salben geschmiert) Und nach einer kurzen Pause fuhr er mit erhöhtem Feuer fort: „Alle Ehren hat man mir erwiesen. Der Vorsteher hat mich als den Vierten zur Thoravorlesung aufrufen lassen; früher," — Magdeburger lachte höchst vergnügt — „wie ich noch kein'n Chower gehabt Hab', wenn man mich einmal in hundert Jahr' aufgerufen hat, war ich der vorletzte, .... und wie ich vom Almemmor heruntergeh', hat jeder in Schul' Maseltow, Maseltow, Neb David Leb, geschrieen." „Der Ros auch?" frug Dina. „Der nit," entgegnete Magdeburger betreten, „der hat, scheint mir, nit Acht geben; — nu," tröstete er sich und seine Frau, „der Rof, das ist etwas ganz anderes, der kommt mir vor, wie ein Maloch elokim"), wenn der nur ein Wort mit Einem red't, is das mehr Kowed als.ich ich weiß nit was. — Weißt Du, Dinaleben, mein Kind, daß der Rof keinem Menschen in der Kille2 3 4) die Kowed gibt, ihn zu besuchen? Zu gar keiner Chassene^) geht er. Nur bei der Hochzeit der jüngsten Tochter des Primator Frankl is er auf e halbe Stund' zur Tafel gekommen, und der mächtige Parneß°), was der Liebling vom Kaiser Joseph is. is feuerroth vor Freud'' geworden." Magdeburger wurde in seinem angenehmen Discurse unterbrochen. Es schien als wenn eine größere Menschenmenge den Hof beträte Er hörte, durch die Wände der Laubhütte gedämpft, jenes leichte Brausen, wie das entsteht, wenn viele Men- 2) Eine alte Prager jüdische Redensart, die ausdrücken soll: alle Ehrend Zeugungen haben mir gegolten. 3) Göttlicher Engel. 4) Gemeinde, b) Hochzeit. 6) Erster Vorsteher.