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Der Israelit · 1877-11-14 · Heft 46 (14.11.1877) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 46 (14.11.1877)
Date
1877-11-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1107 scherr in Gegenwart eines Höher» halb laut sprechen, und wenn ihn sein Gehör nicht täuschte, vernahm er deutlich seinen Namen. Jetzt näherten sich auch Männertritte, die Thore der Laubhütte öffneten sich und .... Magdeburger wollte in der That seinen Augen nicht trauen .... vorerst trat der Prager Öberrabbiner Ezechiel Landau ein. Es war dies eine herrliche, imposante Erscheinung. Er war der größte Mann in Prag, und die schöne polnische Tracht kleidete ihn vortrefflich. Aus dem Haupte, von welchem schöne weiße Silberlocken niederwallten, saß eine hohe cilindrische Mütze vom feinsten Zobelfell. Die muskulöse, kräftige Gestalt des Greises war von einer „ischuboze" von schwarzem, schwerem Seidenstoff umflossen, der silberweiße Bart sank bis zu dem breiten Gürtel herab, der den Kaftan an den Hüften umschlang. Der Ras hatte ausdruckvolle Züge, voll Energie, und doch umspielte dabei ein mildes Lächeln seine vollen, kräftigen Lippen, und seine wunderbar schönen, großen Augen, die in Momenten edlen Zornes Blitze schleuderten, konnten auch so sanft und milde blicken, daß er alle Herzen im Sturme gewann. Neben ihm schritt Salomon Koref, Ober- Jurist und Chef des Rabbinercollegiums, auch groß gewachsen, aber nicht die volle Höhe des Rafs erreichend, dagegen durch kräftige Körperfülle sich auszeichnend, dann folgte der Primator Israel Frankl in vollkommen moderner Tracht, von den Gemeindevorstehern Seckeles und Austerlitz begleitet, welche beide die damals übliche jüdische Galatracht, seidenen Mantel und Barett, kurze schwarze seidene Hosen und Strümpfe, Schuhe mit silbernen Schnallen trugen. Es war dies offenbar eine Deputation der geistlichen und weltlichen Behörden der Prager Judengemeinde. — Magdeburger stand wie im Traume.sah er auch recht? . . . . waren das nicht Gebilde einer überreizten üppigen Phantasie, Gebilde, die im nächsten Momente in Nichts zerfließen sollten? Magdeburger wollte sprechen, aber ich bitte Euch, liebe Leute, was um Alles in der Welt konnte er nur sagen, wenn der Prager Ober- Rabbiner , den er wenige Sekunden vorher erst fast einem göttlichen Engel gleichgestellt, wenn der Primator Frankl, der bei Kaiser Joseph unangemeldet Eintritt hat, wenn der große Talmudgelehrte. der berühmte Rabbi Salomon Korf, wenn zwei Vorsteher, wenn alle diese Männer zu ihm zu Besuch kamen? Die Klugheit des Oberrabbiners ließ keine Pause eintreten, die bei der Unbeholfenheit des Hausherrn leicht peinlich hätte werden können. Er begann, und selbst der polnische Accent, den er trotz vieljähriger Abwesenheit vom Vaterlande nicht abgelegt hatte, klang wie himmlische Musik in den Ohren des entzückten Magdeburgers. „Reb David Leb, ich, der Prager Raf, Reb Salmon Koref, mein Rosch BeS-Din^), Reb JiSroel Frankl, der Primats/, und die beiden Vorsteher , wir kommen Euch im Namen der ganzen Kille, für den großen Dienst zu danken, den ihr dem Klall') erwiesen. „Möge Gott Dir'S vergelten, Dein Lohn vollständig fein non dem Ewigen!" Die letzten Worte sprach der Rabbi im Urtexte hebräisch. Das war des unerwarteten Glückes fast zu viel, die Ehre! und noch einen solchen Segensspruch aus so würdigem Munde; denn er war fast überzeugt, jedes Wort, das von des Prager Rafs Munde floß, traf buchstäblich ein. Magdeburger öffnete die Lippe, um zu sprechen, aber er konnte es vor Rührung nicht, und die hellen Thränen liefen über seine Backen. Dina als treue Gattin wußte nicht passenderes zu unternehmen, als fromme Frau die Hände zu falten und ihrem Mann mit stillem Weinen zu accompagniren.i Nun ergriff auch der Primator das Wort, dann sprachen die andern Besucher, und jeder wußte ihm etwas Anerkennendes, etwas Angenehmes zu sagen. Endlich gelang es Magdeburger denn doch sich so weit zu sammeln, daß er einen Dank für die hohe unverdiente Ehre zu stammeln begann. Was seiner Rede m regelrechter Eleganz abging, ersetzte er reichlich durch Herzlichkeit; und wir haben es schon einmal an ihm selbst erfahren, daß Wärme des Gemüthes, in Momenten rasch auflodernder, edler Begeisterung, auch einen einfältigen, unwissenden Manne beseelen, ja sogar seinen schlichten Worten, Schwung, Wirkung und Erfolg zu verleihen vermag. Durch gutmüthige, freundliche Nachbarn, waren ohne Zuthun der Magdeburger rasch einige Stühke in die Laubhütte geschafft worden, und die Besucher konnten alle Platz nehmen. Der Besuch hatte etwa zehn Minuten gedauert, dann erhob sich der Rabbiner und seine Begleitung und verabschiedete sich. Als Magdeburger die Herren über den Hof geleitete, sah er zu seiner großen geheimen Freude, daß dieser gedrängt voll war. Feiertag Nachmittag, wo die ganze Bevölkerung des Ghettos in diesem blieb, und die Meisten nach Tisch vor ihren Häusern und ihren Laubhütten standen, war die allgemeine Neugier erregt worden, wohin wohl die Spitzen der Gemeinde, die sich beim Rabbiner versammelten, gehen mochten, und auf 7) Chef des Rabbinercollegimns. 8) Allgemeinheit.

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