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Der Israelit · 1877-11-14 · Heft 46 (14.11.1877) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 46 (14.11.1877)
Date
1877-11-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1105 Juden zurück. Der Vorstand der israel. Gemeinde hat bekanntlich eine Verwahrung bei der Stadtverordnetenversammlung eingereicht, worin er alle Gesichtspunkte deutlich hervorhebt, und an deren Erfolg wohl nicht zu zweifeln sei. Allein darin hat er nach Ansicht des Redners nicht Recht, daß er sich mit einer Abschlagszahlung begnügen will, anstatt sofort den ganzen vollen Anspruch der Israeliten an die Wohlthaten der Anstalt zu erheben. Die öffentliche Meinung müsse nicht allein bei dem fraglichen Institut, sondern bei allen städtischen Wohlthätigkeitsanstalten den Juden die Berechtigung zur Benützung erringen helfen. Wenn man dagegen u. Aeinwerfen höre, die Juden verschlössen ja ihre Anstalten auch den Christen, so seien diese Anstalten nicht städtisch, sondern mit schweren Opfern von der kleinen Gemeinschaft gegründet, während diese Gemeinschaft zu den anderen mit beitragen muß. Uebrigens seien seit Decennien jüdische Stiftungen für alle Confessionen in's Leben getreten, z. B. die Emil und Arthur Köniaswarter'sche Stipendienstiftung, die Brühl'sche und die Stern'sche Waisenstiftung, die Rothschildffche Kunstgewerbestiftung. Für fl. 100,000, später sogar für fl. 60,000, habe vor mehreren Jahren die Gemeinde das Recht der Theilnahme für christliche Dienstboten erkaufen wollen (trotzdem es zu Fürst Primas Zeiten schon einmal erkauft worden war! Anm. des Ref.). In unserer Vaterstadt müsse der Fundamentalsatz jedes gesunden Staatswesens immer mehr zur Wahrheit werden: Gleiche Pflicht und gleiches Recht für Alle! Der Vorsitzende, Herr Stadtv. May, dankte dem Redner für seinen von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bericht. In der darauf folgenden kurzen Debatte, welche das allseitige Einverständniß mit dem Standpunkte des Referats kundgab, schlug Herr Heinrich Auerbach folgende Resolution vor: „DerFrankfurter Demokratische Verein hält die von dem Vorstande der hiesigen israel. Gemeinde gegen den Entwurf einer VerwaltungSoronung des Hospitals zum hl. Geist eingelegte Verwahrung für vollständig berechtigt und spricht die feste Erwartung aus, daß die Stadtverordneten-Verfammlung im Sinne dieser Verwahrung die nöthigen Abänderungen an dem Entwürfe vornehmen wird." Die Resolution wurde angenommen. (Fr. Ztg.) Aus Lothringen. Die höheren Lothringischen Lehranstalten werden nach neuester Statistik von 585 katholischen, 475 evangelischen und 93 israelitischen Schülern besucht. (Jsr. Wchschr.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 30. Oct. Heute wurden von dem Unterrichtsminister vr. Stremayer die Herren Rabbiner vr. Vogelstein aus Pilsen und vr. May bäum aus Saaz als Deputation der böhmischen Rabbinerversammlung empfangen. Dieselbe überreichte eine Denkschrift, in welcher die Rabbiner Böhmens dreierlei erbitten. Es soll die Anstellung der jüdischen Seelsorger nach einem dreijährigen Provisorium eine definitive werden, wie dies bei den Seelsorgern anderer, vom Staate anerkannter Confessionen der Fall ist. Ferner soll der Wirkungskreis des Rabbiners, wie es in Betreff der Eheangelegenheiten geschehen, auch auf rituellem Gebiete, besonders aber hinsichtlich des so sehr vernachlässigten Religionsunterrichtes dahin erweitert werden, daß derselbe in einem ihm zuzuweisenden Bezirke als Aufsichtsorgan in allen specifisch-religiösen Angelegenheiten zu betrachten sei. Endlich möge in Zukunft nicht mehr DispenS vom Nachweise akademischer Bildung ertheilt werden. Der Minister, der die Deputation sehr freundlich empfing, verkannte nicht die Berechtigung ihrer Wünsche, und versprach, eine günstige Erledigung derselben herbeizuführen. Zugleich bewies der Minister sein Interesse an der Regelung jüdischer Cultusangelegenheiten dadurch, daß er sich eingehenden Bericht über die religiösen Zustände der Juden in Böhmen erstatten ließ. Die Deputation unterließ auch nicht, die Nothwendigkeit der schon oft angeregten Staatssubvention für die in kleinen Gemeinden amtirenden Rabbiner hervorzuheben, und der Minister versprach auch diese Angelegenheit, soweit die Zeitverhältnisse es gestatten, berücksichtigen zu wollen. Wie». In der Blechbüchse des israelitischen Frauenvereins, welche zur Aufnahme der Unterftützungsgesuche in der Vorhalle deS Gemeinde- Hauses in der Seitenstettengasse angebracht ist, fand sich eine Tausendgulden-Banknote vor, ein Fall, der vielleicht nie vorher vorgekommen ist. Aus Ungar«. Ein greiser Großprobst aus dem Alföld, erzählt „Magyar Hirado", nahm am Donnerstag in Ofen Audienz bei dem Kaiser, um Gnade für — einen Juden flehend, welcher zu einjährigem Kerker verurtheilt wurde. Der Groß- Probst trug dem Kaiser vor, er kenne den Berur- Iheilten seit dreißig Jahren als braven, ehrlichen Menschen. Der Kaiser befragte den Bittsteller auf das Eingehendste und war sichtlich angenehm überrascht von dem schönen Charakterzuge des

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