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Der Israelit · 1877-11-14 · Heft 46 (14.11.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 46 (14.11.1877)
Date
1877-11-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVIII. Iahrgang. Erste Beilage;u Nr. 46 des Israelit. Leitender Artikel. Die jüdische Schlachtmethodc «am medicioischcu und physiologischen Gesichtspunkte- Schluß ) Die uns vorliegende Arbeit des Herrn vr. Rabinowicz zerfällt in zwei Theile, von denen der eine die Vorschriften über Schechitah, der andere diejenigen über Terepha m's Auge faßt. — Indem nun der Verf die diesbezüglichen Ansichten des Talmud vorführt und sie mit den Resultaten der modernen medicinischen und physiologischen Wissenschaft vergleicht, versteht er dies in so faßlicher, anschaulicher Weise zu thun, daß auch der Laie sofort von der Verwunderung des Vers, ergriffen wird, in dem Jahrtausende alten Talmud auch auf dem Gebiet der Medicin und Physiologie Wahrheiten zu finden, die man sonst als die neuesten Errungenschaften unserer Zeit verkündet. Nachdem so der Verf. die jüdische SÄlachtmethode aus den Quellen mitgetheilt und erläutert hat, fährt er wörtlich fort: „Ich komme jetzt zur Vergleichung der jüd. Vorschriften mit der von dem Thierschütz - Verein vorgeschlagenen Methode, um die Schmerzen der Thiere zu mildern. Gibt es zunächst bestimmte Zeichen, um zu erkennen, ob ein lebendes Wesen. leidet oder nicht? Man nimmt bei den Thieren zwei, bei den Menschen drei solcher Zeichen an. Die ersteren, wenn sie leiden, schreien und bewegen sich hin und her. Diese beiden Zeichen, Las Schreien ' und die Bewegung, finden auch beim Menschen statt. Aber in den meisten Fällen schreit der Mensch nicht, noch bewegt er sich, wenn er auch noch so viel leidet. Wie weiß man dann, daß er Schmerz empfindet? Er sagt's. Es sind seine Worte, welche uns als drittes Zeichen dienen, wenn die zwei andern fehlen. Man sieht schon, daß die Nothwendigkeit des dritten Zeichens den geringen Werth der beiden ersten beweist. In der That, wenn es möglich ist, daß ein Mensch Schmerzen empfindet, ohne zu schreien und ohne sich zu bewegen, warum sollte das nicht bei den Thieren möglich sein? Wenn man kranke Thiere sieht, welche keine Nahrung zu sich nehmen, traurige Miene haben und Fiebersympiome, wird man j I dann sagen, daß sie nicht leiden, weil sie weder t schreien noch sich bewegen?" Auf Grund dieser A isführung wird dann der Nachweis geführt, wie es eine der schwierigsten Fragen ist, gegebenen Falls festzustellcn, ob ein Thier Schmerzen empfindet oder nicht, und wie ohne jede Sicherheit nur hier von Hypthesen die Rede sein kaun. Die moderne Schlachtmethode, welche in Betäubung des Thieres und einer Tödtung durch Gehirnerschütterung besteht, kann also nur den Umstand, daß das Thier dieses Verfahren ohne zu schreien hinnimmt, jedenfalls nicht die Schmerzlosigkeit desselben folgern. — Dagegen weist der Verf. nach. gestützt auf unbestrittene medicinischphysiologische Prämissen, daß der durch diese moderne Methode dem Thiere beigebrachte Schmerz schon Leßhalb ein sehr empfindlicher sein muß, weil er auf den Hirnnerv einwirkt. während bei der Schechitah überhaupt ein Nerv gar nicht berührt wird. Es wird der Nachweis geführt, daß der Schmerz, den das Thier durch das Schächten erleidet , sich nur auf den Augenblick beschränkt, in welchem die Halshaut durchschnitten wird. Dieser Schmerz ist aber, da K«im Schnitt ein Nerv überhaupt nicht berührt wird, nach den wissenschaftlich festgeftellten Grundsätzen kaum fühlbar. Erwägt man nun den Fall, daß beide Methoden von wenig geübten Händen vorgenommen werden . oder daß das Thier durch ein.n Umstand einige Zeit liegen gelassen würde, ohne daß die Operation vollendet wäre. Bei der Thitzrschutzverein- Methode wird das Thier, wenn es nicht durch eine genügende Krastanstrengung betäubt wurde, wilden Schmerz erleiden, es werden sich Zuckungen und schmerzhafte Convulsionen einftellen. Wenn dagegen bei der jüdischen Methode die Blutadern selbst ungenügend durchschnitten wären, der Blutverlust weniger reichlich und der Todeskampf länger wäre, so würde doch der Tod in allen Fällen sicher sein, und zwar ohne große Schmerzen, da weder die Nerven noch der Hirnorganismus berührt wären. Bei der von den Thierschutzvereinen empfohlenen Methode kann das Thier, wenn die Erschütterung nicht stark genug war, wieder zu sich kommen und lebendig sein in dem Augenblick, wo man beginnt, es zu zerschneiden. Welche schreckliche Schmerzen wären das dann! Bei der jüdischen Schlachtmethode schließt der Blutverlust die Möglichkeit einer Rückkehr zum Leben vollständig aus. Der erste Theil der Abhandlung schließt mit

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