Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1877)
- Date
- 1877-11-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1097 Mc Ursache« der Fkdküsllnfähigkcit des dklltfch-israkl. Vkmrmdrbuudrs. ii. Unsere heiligen Urkunden erkennen als das einzige einigende Band, welches durch alle Zeiten hindurch die zerstreuten Glieder unseres Volkes auf's Innigste miteinander verband, unsere min; und eine Tausende von Jahren zählende geschichtliche Erfahrung hat diese Anschauung bestätigt. Als wir noch lange nicht das besaßen, was sonst ein Volk zum Volke macht, als wir noch keinen Fuß breit Landes unser nennen konnten, einigte uns der geistige Boden der Thora zu einem GotteSvolk. Ja, noch bevor uns Gott sein Gesetz gegeben , als er erst die jüdischen Stämme sich um die Stätte schaaren ließ, von welcher dieses Gesetz uns gereicht werden sollte, bewährte die Thora ihre einigende Kraft. Nicht der ägyptische Druck einigte uns, und nicht die ägyptischen Wunder konnten verhindern, daß das freigewordene Volk noch am Meeresgestade in Parteien auseinander, ging; erst das Wunder der Offenbarung und die bloße Stätte derselben schuf die erste jüdische Einmüthigkeit. mx uPd in« bpöo inn -m banan?n’i np^ncai niounro ni’jnn bi ins? Pnx. Seitdem galt im jüdischen Kreise die min als das 'x max n&ns, als das verbindende Gotteswort, von dem jeder wußte, daß es der Heilige, gelobt sei er, nur uns gegeben, ninan nxrn*psp, um die Menschheit untereinander zu verbinden. Und nicht nur an dem vereinzeltsten Einzelnen, an dem jüdischen Gemeindeleben vor Allem, bewährte das Gotteswort seine vereinigende Kraft. Daß die Thora, zu der uns Moscheh verpflichtet, Dpjn nSnp nicmo, das zu vererbende Gut der Gemeinde sei, war ja allezeit das Wort, das der jüdische Kindermund zuerst aus dem unermeßlichen Geistesschatz seines Volkes lallen lernte. Daß unsere min der „Baum des Lebens" ist, den Gottes Liebe in die jüdischen Reihen gepflanzt hat, daß min die Seele des großen jüdischen Volkskörpers ist, daß daher die treueste, rastloseste Erfüllung unserer Pflichten — nvjm — nicht nivv, nicht min no^n ersetzen oder überflüssig machen kann, daß daher die letzte Ermahnung des letzten Propheten der Thora gilt, daß unsere Stellung zur Thora daher der erste Gegenstand sein wird, über welchen wir uns einst vor ihrem himmlischen Geber werden zu verantworten haben, min by *6« mx bv run rf?nn px, dies Alles ist so bekannt, ist so erwiesen, daß man unser ganzes Schriftthum, unsere ganze Geschichte dafür als Zeugen anführen kann; und dies Alles ignorirt der israel. Gemeinde-Bund, welcher unserer min in seinen Statuten nicht nur mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt, sondern sich sogar als erstes seiner Ziele die Vereinigung der Gemeinden hingestellt hat, mit Ausschluß aller religiösen Parteifragen; d. h. mit Ausschluß der nun. Denn die nun, unsere Auffassung der nun, unsere Auffassung über ihre Verpflichtungskraft, ihre Göttlichkeit, ihrer Heiligkeit und Unantastbarkeit, das ist es ja einzig und allein, was uns in Parteien scheidet, das, und nur das, ist der Gegenstand der auszuschließenden religiösen Parteifragen. Allerdings, wendet man ein, hat ja gerade deshalb der Gemeindebund Alles ausgeschlossen, was eben die Zerklüftung der Geister und Gemüther noch steigern könnte, allerdings mag die nun durch die ganze jüdische Geschichte hindurch sich als unser einigendes Lebenselement bewährt haben, heute ist dies ja doch offenkundig nicht der Fall, heute übt sie thatsächlich ja einen zersetzenden auflösenden Einfluß aus, und die Möglichkeit einer jeden Vereinigung würde von vornherein illusorisch gemacht, wenn man dieses Gebiet nicht auf's Sorgfältigste als ein noli me tangere betrachtete. ES läßt sich nicht in Abrede stellen, daß diese Einwendung auf den ersten Blick Manches für sich hat, jedoch eben nur auf den ersten Blick. Es ist ein trauriger, krankhafter Zustand, an welchem unser Gemeindewesen darniederliegt. Jeder wohlmeinende Versuch zu helfen und zu bessern, verdient Anerkennung und ernste Prüfung. Es wird schwer, es wird vielleicht unmöglich sein, ein Heilmittel zu finden, welches das schwindende Leben zurückruft, zurückhält und neu regenerirt, ohne auch der verzehrenden Fiebergluth neue Nahrung zuzuführen. Es ist ja auch bei den meisten körperlichen Krankheitserscheinungen nichts anderes. Was würden wir aber zu einem Arzte sagen, der einem Fiberkranken die Mittel zu seiner Genesung deshalb vorenthielte, weil hierdurch auch die Fieberhitze vorübergehend sich steigert, der allen Ernstes Vorschlägen würde, das Lebenslicht des Kranken auszublasen, weil das der sicherste Weg sei, um die Fiebergluth zu löschen! Eine Vereinigung, eine Regenerirung unseres Gemeindewesens anstreben und dabei unsere min als einen nicht existirenden Factor zu behandeln, heißt unseren Lebensnerv unterbinden, heißt daS Mittel von der Hand weisen, das uns Gottes Gnade zu unserer Genesung an die Hand gegeben, heißt ein Versuch, unseren Volkskörper auf Kosten unserer Volksseele zu heilen, ist geradezu ein Auslöschen unseres Lebenslichts, um so die Convulsio-