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Der Israelit · 1877-11-14 · Heft 46 (14.11.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 46 (14.11.1877)
Date
1877-11-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1096 wie im Einzelnen, das in den biblischen Büchern Erzählte." In welcher Weise die Wahrheit der biblischen Angaben von superklugen Kritikern angegriffen wird, davon wollen wir unsern Lesern ein amüsante- Beispiel geben. Im Buche der Könige wird berichtet, daß Salomo den Bau des Tempels 480 Jahre nach dem Auszuge der Israeliten aus Egypten begonnen habe. Nun kommen die superklugen Kritiker und behaupten, diese Angabe sei nicht der Wahrheit entsprechend, denn 480 sei eine „cyclische Zahl", da sie soviel wie zwölfmal vierzig betrage und zwölf sowohl als vierzig in der jüdischen Geschichte häufig vorkommende Zahlen seien!! Herr Oppert weist daß Absurde solcher Kritik schlagend nach. Sonderbar, sagt er, die römische Repuvlik bestand 480 Jahre (von 510 bis 30 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung), ebenso das Reich der Parther (von 256 vor bis 225 nach der gewöhnt. Zeitr.); hat man auch diese Daten cyclisch arrangirt? Von der Thronbesteigung des großen Kurfürsten bis zu der Friedrichs II. haben drei preußische Monarchen — der große Kurfürst, Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I., gerade 100 Jahre regiert (von 1640 bis 1740) und die drei folgenden Monarchen: Friedrich der Große, Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. haben genau wiederum hundert Jahre regiert (1740 bis 1840); nach den superklugen Kritikern müßten auch diese Daten als „mythische oder cyclische" bezeichnet werden. Noch mehr, vom Tode des großen Kaisers Carl bis zur Abdankung des großen Kaisers Napoleon sind genau tausend Jahre verflossen (814 bis 1814), und derartige Beispiele ließen sich noch viele aus der Geschichte anführen. Vielleicht kommen nach Jahrhunderten ebenso kluge Kritiker,. die Carl den Großen und Napoleon als mythische Personen bezeichnen, nur erfunden um als Grenzpunkte eines Jahrtausends französischer Geschichte zu stguriren!! Wir können dem Leser nur empfehlen, in dem Buche des Herrn Oppert nachzulesen, in welch' gediegener und geistreicher Weise derselbe die scheinbaren Widersprüche in der Angabe der Daten im Buche der Könige löst; wir wollen nur ein Beispiel herausgreifen: Asarjah, Köniz von Juda, regiert 52 Jahre; Pekach, König von Israel, gelangt auf den Thron im 52sten Regierungsjahre Asarjah's; Asarjah stirbt im zweiten Regierungs- Jahre Pekach's. Dies scheint ein Widerspruch zu sein. Oppert löst denselben, indem er den talmudischen Grundsatz n?i22 n«mn nxpo nach der einen. Seite hin acceptirt und nach der andern Seite den Bruchtheil nicht mitrechnet, so zwar, daß für die Ordnungszahl der Bruchtheil gerechnet wird, für die Grundzahl aber nur die vollen Regierungsjahre maßgebend sind. Demnach hat Asarjah regiert 52 Jahre und einen Bruchtheil des Jahres, also 52 Jahre; vor Pekach hat er regiert 51 Jahre und einen kleinen Bruchtheil eines JahreS; also gelangte Pekach im 52sten Jahre A.'S auf den Thron; mit Pekach gleichzeitig ein Jahr und einen kleinen Bruchtheil eines Jahres; also starb Asarjah im zweiten Regierungsjahre des Pekach. Sagen wir es noch deutlicher, indem wir den Bruchtheil des Jahres als einen Monat bezeichnen: Als Asarjah 51 Jahre und 1 Monat über Juda regiert hatte, kam Pekach auf den Thron von Israel, also im 52sten Jahre des A.; A. regierte dann noch ein Jahr und einen Monat, also im Ganzen 52 Jahre (und 2 Monate, die die hl. Schr. nicht mitzählt); er starb demnach im zweiten Jahre des Pekach, Wir bedauern, daß Herr Oppert bei feinen geistreichen Forschungen nicht die jüdische Tradition und die alten jüdischen Interpreten zu Rathe gezogen hat; es würden ihm da auch manche Widersprüche schwinden, die er als solche gellen lassen muß. Wir wollen davon ein Beispiel geben. Nach II. Buch der Könige Cap. 15, V. 33 regierte Jotham 16 Jrhre; aber nur wenige Verse vorher, im 30. Verse, wird berichtet, daß Hoschea im 20. Jahre des Jotham den Thron von Israel errungen habe; Demnach hätte Jotham 20 Jahre oder länger regiert. Diesen Widerspruch kann Herr Oppert nicht lösen, während er im Seder Olam, von Raschi zur Stelle angeführt, eine ganz einfache Lösung findet. Dort heißt es: vm' M2?v 'D' 82 nn® tritt1? yat« ruteo “idi? 1? 'ti atron nsn yt£n tritt 'vw 's? tt?« , nno m»y && .O"O2 tritt? K?1 Upj OM'? onuo? „Obwohl Jotham schon gestorben war, als Hoschea den Thron von Israel bestieg, so zahlt die hl. Schrift lieber nach dem im Grabe ruhenden Jotham als nach dem bösen, lebenden Könige Achas." Auch die großen Schwierigkeiten, welche der erste Vers des 17. Capitels des genannten Buches bietet, klärt die Tradition vollständig auf; ebenso würde Herr O. für Cap. 13, V. 10 bei Gersonides (2"2?^, angezogen vom mtt'2 zur Stelle) eine Lösung gefunden haben, die ganz seiner eigenen Manier entspricht; deßgleichen für II. Buch der Chronik Cap. 22, V. 2. ' *-• ZW Im klebrigen begrüßen wir diese Forschungen als ebenso geistreich wie werthvoll. Herr Professor Oppert gehört zu jenen hervorragenden Gelehrten, welche voll Pietät und Ehrerbietung gegen das Buch der Bücher sind. —

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