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Der Israelit · 1877-11-07 · Heft 45 (7.11.1877) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 45 (7.11.1877)
Date
1877-11-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1085 kräftige Suppe oder schwarzen Kaffee. Als Ordner des Reisezuges waren zwei Mitglieder der „Alliance JSr. Univ." von Wien und eines aus Bukarest mitgekommen, die in Privatwohnungen abstiegen. Von Seite des kaiserlich ottomanischen General- ConsulateS war der ConsulatS - Kanzlist Jacchia auf dem Bahnhofe erschienen. Die von den BedauernSwerthen gemachten Schilderungen über die durch die Bulgaren erduldeten Mißhandlungen, sagt die „Triester Zeitung", sind geeignet, das höchste Mitleid zu erregen, dem natürlich ein gleicher Grad des Abscheues für ihre Peiniger entspricht. — Wir erwähnen hier, daß die Opfer der Bulgaren auch in Fünfkirchen von allen Bewohnern ohne Unterschied des Glrubens gepflegt und unterstützt wurden. Feuilleton. David Lrb Magdeburger. Prager Ghettobild aus dem letzten Viertel des vor. Jahrhunderts.*) Von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". XI. Der Jom Kipur war vorüber, und das schöne, liebe Sukkosfest sollte ins Land kommen. Es war Erew Sakkos*); war das eine Thätigkeit! Fische tragende Männer, mit Lebensmitteln schwer beladene Frauen, Kinder mit Blumen in den Händen, Fleischerbursche, Fleisch in offenen Körben auf dem Kopfe tragend, Mädchen Barches*) zur Backstube bringend, liefen lachend, schreiend und plaudernd, jeden Augenblick aneinanderstoßend, durch die Straßen. Aber das hätte dem Tage kein besonderes Gepräge aufgedrückt, denn das geschah ja an jedem Vorfesttage, aber die Lauberhütten, die — die gaben der Judenstadt eine völlig veränderte Phisiognomie. Es bestanden zwar in jedem Hause sogenannte gebaute SukkoS, das heißt jedes Haus besaß wenigstens eine Bodenkammer, die mit einem beweglichem Dache versehen war, das zur Zeit des Sukkosfestes aufgeschlagen und durch eine Decke von Nadelholzästen ersetzt werden konnte. Allein, wenn sich auch zwei oder drei derartige Sukkosbodenkammern in einem Hause befanden, so reichten sie für die zahlreiche Bewohnerschaft des *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werben, UebersetzungSrecht Vorbehalten. 1) Bortag des Laubhüttenfestes. 2) eine Art Weizenbrot. Ghettos bei weitem nicht aus, denn jeder Jude männlichen Geschlechtes, der das dreizehnte Jahr erreicht hatte, hielt in der Sukko wenigstens seine regelmäßigen Mahlzeiten ab, viele schliefen sogar in derselben. Um diesem Mangel abzuhelfen, mußten in den Höfen der Häuser, ja sogar auf offener Straße Laubhütten errichtet werden, und jetzt sah man allerorten solche, zumeist schon ganz aufgestellt. Zwischen der lärmenden Menge fuhren Bauern, die auf zweispännigen Wagen Nadelholzäste zu Stadt gebracht, um sie als Bedachungsmaterial für die Laubhütten der frommen Juden zu verkaufen, während eine große Zahl von Blumenhändlern ihre Geschäfte in der Breiten- und Pinkasgasse aufgeschlagen und Sträuschen und Blumenketten feil boten. Es war zumeist der jüngere Theil der jüdischen Bevölkerung, der sich mit dem Ankäufen derselben beschäftigte, da sich zumeist die jungen Leute — Knaben und Mädchen mit der inneren Ausschmückung und Verzierung der Sukkos befaßten. David Leb Magdeburger wohnte, wie wir schon erzählt haben, in dem dritten Stocke des rückwärtigen TheileS, eines am Dreibrunnenplatze gelegenen Hauses, welchen — den dritten Stock nämlich — er auch sein Eigenthum nannte. Eine grundbücherlich versicherte Klausel seines Kaufcontractes, gab ihm als Besitzer des HaustheileS, theoretisch das Recht, die große Sukko, die eigentlich dem Besitzer des ersten Stockwerkes gehörte, während der acht Tage des Laubhüttenfeftes in so ferne benutzen zu dürfen, als er in derselben speisen durfte. Allein, wenn man in Erwägung zieht, daß dieses kostbare Privilegium auch sieben andern Theilhausinhabern in gleicher Weise bücherlich zugesichert war, und daß jeder dieser TheilhauSbesitzer, gleichzeitig Besitzer einer zahlreichen Nachkommenschaft war, daß Einzelne überdies auch Schwiegersöhne in Kost und Wohnung hatten, so wird eS den denkenden und rechnenden Leser nicht in Erstaunen setzen, wenn er erfährt, daß im Laufe der Zeiten, nicht weniger als achtundfünfzig Personen das Recht erlangten, in dem Bodenzimmer recte Sukko — in welcher gleichzeitig bei größter Raumbegnüglichkeit nicht mehr als zehrr Menschen essen konnten — ihre Feiertagsmahlzeiten abhalten, zu dürfen. Da nun Einer den Andern nicht geniren und bei den Jomtowmahlzeiten nicht übereilt werden mochte; hatten zwei der Berechtigten, darunter unser guter alter Freund David Leb Magdeburger, den von allen andern hochbelobten Entschluß gefaßt, im geräumigen Haushofe zum Separatgebrauche Laubhütten aufzubauen. Wir finden den Helden unserer Erzählung eben mit der Ausschmückung derselben beschäftigt. Die Hütte

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