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Der Israelit · 1877-11-07 · Heft 45 (7.11.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 45 (7.11.1877)
Date
1877-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1080 „Israelit", in einer seiner jüngsten Nummern, das jüngste Ereigniß der ung. Judenheit, die Eröffnung des Rabbiner-Seminars nämlich, vorurteilsfrei und unbefangen verurtheilt. Er hat auf die Gefahren hingewiesen, die der Gesammtjudenhtzlt, der ungarischen speciell, aus diesem Institute erwachsen könnten; gleichzeitig aber auch ermunternd und erweckend die Orthodoxie , zur Vorbeugung dieses Hebels, auf die Reorganisation ihrerJeschiwoth hingewiesen. Der Reiz der Neuheit übt auf das jugendliche Gemüth, welchem Vergangenheit und Zukunft in möglichst blassem Lichte erscheinen — stets einen Zauber aus, und es dürfte daher so Mancher zu jenem antijüdischen Institute sich hingezogen gefühlt haben — da tritt die Wahrheit in überzeugender Kraft auf, und bahnt sich ebenfalls den' Weg in jene jugendlichen Ge» müther. Höchst nothwendig war es daher, daß der Wahrheit im „Israelit" offen das Wort geredet wurde, und das r,'2in ror, hat gewiß auch dießmal so manchen Erfolg erzielt. Was aber den Bestand, die Einrichtung und Reorganisirung der Jeschiwoth anbelangt, so' dürften die Anschauungen des „Israelit" als Seher aus der Ferne nicht ganz zutreffen und dürfte es gewiß der löbl. Redaction willkommen sein, Einiges über dieselben im Allgemeinen, von „einem Mann in der Nähe" zu vernehmen, der treu und ehrlich, wie es dem Ernste der Sache geziemt, den Maßstab der Wahrheit und Gerechtigkeit an Alles zu legen verspricht." Ich darf doch wohl so frei sein, frei zu sein! mit diesem volksthümlichen Worte Anastasius GrünS, beginne ich meine Apologie. Wenden wir uns zunächst zu der hiesigen Je» schiwah als der größten und bedeutendsten Ungarns. Es hieße Thatsachen leugnen, wollte Jemand in Abrede stellen, daß dieselbe Decennien, ja ein Säculum beinahe als Pflanzstätte der Thora mit Erfolg gewirkt und noch wirkt, daß diesebe die größten Coryphäen am talmudischen Himmel geschaffen und noch schafft, kurz daß dieselbe in Erstreben ihres höchsten Zieles Dy nun px vn rastlos schaffet und wirkt. Man muß jede Sache auf ihren Ursprung zurückführen, um sie richtig beurtheilen zu können, und da sind es gar herrliche Gestalten, die als Gründer dieser großen Pflanzstätte, an unserm Geistesauge vorüberziehen. Der ewig unvergeßliche bid dnn hat wohl Werke hinterlassen, die ihm in der Literaturwelt einen ewigen Namen sichern; viel unsterblicher aber ist das Werk, viel größer die That, die er durch Gründung dieser Hochschule im Interesse des Judenthums und seiner Wissenschaft, unter ruheloser Anstrengung ohne Aussicht auf einstige Anerkennung, ja sogar in steter Ungewißheit des zu erstrebenden Erfolges — geleistet. Und diese Schule blieb stets der reine Fluß, die den Geisteshimmel ihres Lehrers wiederspiegelte, der auf seinem Rücken stets Schätze trägt, der Fluß, der die Gegend fruchtbar bewässert und sie nie überschwemmt. Einem solchen Manne sind wir Alle zu Dank verpflichtet. Das Institut, das er gegründet, muß uns Achtung abgewinnen, muß unsere Aufmerksamkeit im höchsten Grade beanspruchen , wir alle müssen fragen: Steht das Werk überhaupt noch? steht es auf dem alten Grunde, auf den er es gestellt, oder hat die unaufhaltsame rollende Zeit auch darüber "Nacht gewonnen? Sind die Säulen, auf die es der große Meister gesetzt, noch heute die Stützen derselben? M Dies Alles wollen wir s. G. w. mit Einwilligung der löbl. Redaction demnächst beantworten. S. H. Deutsch, Rabb.-Cand. Feuilleton. Licht und Schatte». Erzählung von Friedrich Rott. IX. Mit verklärtem, leuchtendem Blick schaute Frau Rachel auf das Schreiben. So dachte, so fühlte ihr Jakob; es war unzweifelhaft, die Worte des Lehres enthielten nichts als elende Der» leumdungen. Die Briefe eines ganzen Jahres durchlaS sie und Heller, immer Heller strahlte ihr Mutierauge und manche Freudenthräne über den wohlaerathe» nen frommen Sohn stahl sich über die faltigen Wangen. Die Kerze war beinahe ganz herniedergebrannt, als sie das erste Briefpacket, das den ersten Jahrgang umfaßte, beendet hatte. Mitternacht war längst vorüber, aber in das Auge der Alten kam noch kein Schlaf. Sie band die Briefe wieder zusammen, steckte eine neue Kerze auf den Leuchter und löste die Bänder eines andern PacketS. Ohne zu wählen hatte sie es ergriffen; es enthielt die Briefe des jüngstverflossenen Jahres.

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