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Der Israelit · 1877-11-07 · Heft 45 (7.11.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 45 (7.11.1877)
Date
1877-11-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1077 täuschen will, sich sagen, daß eine Bereinigung der iSrael. Gemeinden, wie sie der Leipziger Gemeindebund auffaßt, eine Utopie ist. Der orthodoxe Jude aber müßte durch eine Betheiligung an solcher Gemeindevereinigung seine heiligsten Principien offenkundig verletzen, oder doch menigstens stillschweigend verleugnen, wie sich leicht aus Folgendem ergibt. Es hat einmal, das steht fest, eine Zeit gegeben, in welcher sich ein starkes, einigendes Band um alle Gemeinden Israels schwang. Die Zeit liegt zudem nicht so fern, als vielleicht Biele meinen, jedenfalls nahe genug, um einen prüfenden Vergleich mit unserer Gegenwart anstellen zu können, und Angesichts der immer mehr um sich greifenden Lockerung dieses Bandes sich die ernste Frage vorzulegen, woher es wohl kommen mag. daß dieses Baud von seiner alten Innigkeit so sehr viel eingebüßt hat. Der politische Druck, der uns Jahrtausende lang schmählich zusammenpferchte und uns gewaltsam auf uns selber zurückstieß, gestaltete sich allerdings zu einer harten Kette, welche die einzelnen Glieder des verlassenen BruderstammeS um so inniger aneinander fügte, je feindseliger man sich gegen Judenthum und Judenheit von Außen abschloß. Aber die Lockerung dieses Bandes aus der Lösung der Fesseln zu erklären, die der Geist unsrer Zeit vor unfern Augen vollzogen hat und noch vollzieht, erweist sich schon deßhalb als irrig, weil das jüd. Bewußtsein unsrer Zusammengehörigkeit älter ist, als der politische Druck. Wohl mag dieser den jüd. Gemeinstnn gesteigert haben, geschaffen hat er ihn nicht. Das jüdische Schriftthum führt daher die beispielslose Bereinigung der jüd. Gemeinden ans ein anderes Motiv zurück, welches in der That einzig und allein die wunderbare Erscheinung eines Volkes zu erklären vermag, das, zerstreut über die ganze Erde, seinen geistigen Zusammenhang nicht eingebüßt hat. (Fortsetzung folgt.) Mr Wische Ichlachtmekhode vom medicinischco unb physiologischen Gesichtspunkte Eifrige Thierschutzvereinler haben in den jüngsten Jahren vielfach gegen die jüdische Art, die Thiere zn schlachten, einen humanen Kreuzzug eröffnet, und verschiedenen modernen Tödtungsarten als den Thierschutzvereins-Tendenzen entsprechend das Wort geredet. So harmlos diese Bestrebungen auch sein mögen, so lange sie sich innerhalb von Thierschutzvereinen bewegen, so wenig find sie es, sobald sie, wie dies ja leider vorgekommen ist, von staatlichen Behörden adoptirt und mit staatlicher Macht bekleidet werden. Ob man es noch Humanität oder nicht besser Animalität nennen soll, zum vermeintlichen Schutze der Thiere menschliche Gewissen zu verletzen, und die uns religionsgesetzlich vorgeschriebene Schechitah geradezu zu verbieten, wie es in der freien Schweiz eine Zeit lang der Fall war, möge dahingestellt bleiben. Mindestens , so will es uns scheinen, hätte eine Behörde , welche die Bouterole decretirt und die Schechitah verbietet, erst den Nachweis zu liefern, daß der auf diese Weise vermeintlich gemilderte Thierschmerz größer ist als der Schmerz bedrängter Gewissen, empfindlicher ist, als die über eine beträchtliche Anzahl von Staatsbürgern verhängte Nothwendigkeit. sich dem BegeterianismuS auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Wenn dann selbst dieser Nachweis gelungen wäre, so bliebe immer noch die Frage offen, ob nicht selbst ein notorisch größerer Thierschmerz einem geringern Menschenschmerz zu weichen habe, und wenn dies nicht der Fall ist, ob es überhaupt statthaft sei, selbst per Bouterole Thiere zu tödten, oder eS nicht den zarten Thierschutzvereins-Tendenzen gemäßer wäre, auf die antedtluvianifchen Zeiten zurückzugreifen, und den Genuß des Fleisches überhaupt zu versagen. Da schon Aristoteles eine eingehende Untersuchung „über die Berechtigung, Thiere zu tödten," angestellt hat, so haben strebsame Humanisten resp. Animalisten, indem sie die Fußtapfen des großen Denkers breiter treten, die Gefahr der Lächerlichkeit jedenfalls nicht zu fürchten, müssen dann aber allerdings auch auf den Ruf der Originalität verzichten. — Daß es uns aber schwer fällt, in der Propaganda gegen die Schechitah eitel Thierschutz zu erblicken» so lange man nicht auch obige Consequenzen zieht, so lange noch Jagd und Sport von Thierschutzvereinen unbeanstandet floriren, so lange es nicht nur gesetzlich statthaft ist, sondern es sogar zum dou tou gerade der höheren und höchsten Gesellschaftsschichten gehört, Thiere zum bloßen Vergnügen niederzuschießen oder zu Tode zu hetzen — werden uns. wenn auch die Thierschntz-, so doch die Menschenschutzvereine nicht verübeln. Für oder gegen die Schechitah zu sprechen, hätte demzufolge nur ein solcher Thierschutzverein das Recht, der sich mit Energie und Erfolg, erst gegen die genannten Thierquälereien gewendet hätte. Gibt es auf Erden einen solchen Verein, der seinen Mitgliedern diese Thierquälerei statutenmäßig verbietet? Unseres Wissens gibt es nur einen einzigen, es ist das jüdische Volk. Daß eS das von Gott geoffenbarte Gesetz dieses Volkes ist.

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