Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1877)
- Date
- 1877-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447738--14254-2470155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1055 * GüstrvW, im Oktober. Tempora mutanturl Während vor zwei Jahren in dem hiesigen Blättchen so viel gegen das „thierquälerische Verfahren des Schächtens" geschmäht wurde und der wohlweiSliche Rath der Stadt Güstrow das Verlangen hegte, dem Beispiele der Regierung von St. Gallen zu solgen, um fortan alles zu schlachtende Vieh mittelst und in der Druneau'schen Maske (welche nebenbei bemerkt, jetzt verschimmelt und verrostet an einer Säule im Schlachthause müßig hängt) zu tödten, scheint nun jetzt die Sympathie für das rituelle Schächten und die mit demselben verbundene Untersuchung der Lunge ic. wieder eine allgemeine zu sein, und in der jüngst stattgehabten Sitzung des hiesigen Thierschutzvereins ist unter Anderem auch zur Sprache gekommen, wieanerkennenswerth es fei, daß die Juden, die doch nur ein schwaches Contingent unserer Stadt bilden, einen Beamten „zur Verhütung des Genusses von ungesundem Fleische" halten, und es sei wünschenswerth, daß von Seiten des Magistrats dahin gewirkt werde, das nicht koscher zu schlachtende Vieh ebenfalls durch einen Beamten — einen Thierarzt — untersuchen zu lassen. Uebrigens werden fast alle Rinder im hiesigen Schlachthause auf koscher geschlachtet und es gibt sogar hier mehrere christliche Familien, die nur das Fleisch von koscher befundenem Viehe genießen. Auch dieses Jahr ist bei der 5. Classe 205. Mecklenburger Landeslotterie auf die jüdischen Feiertage Rücksicht genommen worden, und es war diesmal nicht nöthig, dieserhalb beim Ministerium Schritte zu thun, wie es voriges Jahr die Nothwendigkeit erheischt hatte. Der vergangene nm nxern-Abend wurde bei vns, wie es leider in ganz Mecklenburg außer der Residenzstadt Schwerin nicht der Fall ist, in noch altherkömmlicher Weise gefeiert. Die Andächtigen versammelten sich in dem neuen Hause des für die Gotteslehre höchst begeisterten Herrn Emil T. Marcus, um daselbst mit einer mao nm die Einweihung des Hauses gleichsam mitzufeiern. Der üblichen Lesung von min rwo und der Psalmen ging das Lernen eines Blatt-rnvi voran, um auch der Feier des rvan Rechnung zu tragen. ES ist ein erfreuliches Zeichen, daß hier noch reger Sinn für unsere erhabene Religion und die min rwnpn herrscht und die Bethätigung dieses religiösen Sinnes tritt immer mehr in den Vordergrund durch den dreimal wöchentlich unter der Leitung unseres Predigers Herrn E. Löwi avgehaltenen woran sich die hervorragendsten Mitglieder der Gemeinde beteiligten. Heymann. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien, 18. Oct. Heute kommen 350 jener türkisch-jüdischen Flüchtlinge in Pesth an, welche nur durch den Schutz der Kosaken dem gewisse» Tode bei Kazanlik entgangen sind. Die Flüchtlinge werden, ihrem Wunsche gemäß, von Pesth aus über Triest nach Konftantinopel geschafft Diese Expedition erfolgt auf Kosten der Wiener Israelitischen Allianz, welche zu diesem Behufe einen Dampfer gemiethet hat, um dieselben von Orsova aus bis Pesth zu bringen. Den Flüchtlingen wurde aus der Wiener israelitisch-türkischen Gemeinde ein Dragomon bis Turn-Severin entgegengeschickt; derselbe begleitet sie auch bis Triest. Wie«. Die iSr. Cultusgemeinde in Wien hat an das Ministerium den folgenden Taxen- und Gebühren-Entwurf für die außerhalb des Gemeindeverbandes lebenden, ihr jedoch in Ehe-Angelegenheiten zugewiesenen Israeliten der politischen Bezirke Korneuburg, Groß-Enzersdorf und Bruck an der Leitha zur Genehmigung übermittelt, und zwar für das Ehe-Aufgebot 2 fl , für eine Trauung I. Elaste 62 fl. 50 kr., für eine Trauung II. Elaste 42 fl. 50 kr., für eine Trauung III. Elaste 27 fl. 50 kr., für eine Ehetrennung 60 fl. und für eine Ehetrennung von Unbemittelten 25 ff.; für die Functionen bei der Scheidung von Tisch und Bett soll keine Gebühr zu entrichten sein. Bei de» übrigen obenerwähnten Taxen sollen den Unbemittelten Erleichterungen zugestanden werden. Die Cultusgemeinde wurde aber ersucht, diesen Entwurf nochmals zu revidiren und mehrere Ergänzungen vorzunehmen, namentlich den Begriff „Unbemittelte" genau zu präcrsiren, sowie die Art der Erleichterung für diese „Unbemittelten" festzustellen. Wie«. (Israelitisches Blinden-Institut auf der Hohen Warte bei Wien.^j Mit dem Schuljahre 1876/77 hat die älteste Schülerin dieses Instituts ihre Lernzeit vollendet. Geistig vernachlässigt trat dieselbe vor sechs Jahren in Obsorge und erlangte neben einer genügenden elementaren Bildung eine solche Fertigkeit im Rouleauxweben, daß sie ihren Lebensunterhalt bereits verdient. Zum Beginne eines selbstständigen Erwerbes, Anschaffung eines Webstuhles u. s. w., erhielt die völlig Mittellose eine namhafte Unterstützung aus dem Aushilfefonds, welcher mit dem Institute zugleich im Jahre 1870 ins Leben gerufen wurde und bis jetzt die Höhe von 20,700 fl. Silber-Rente erreicht hat. Derzeit befinden sich 26 Zöglinge — 18 männliche und 8 weibliche — in der Anstalt. Davon gehören an: Niederösterreich 4, Böhmen 4, Mähren 4, Galizien 7, Ungarn 6, Rußland 1.