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Der Israelit · 1877-10-31 · Heft 44 (31.10.1877) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 44 (31.10.1877)
Date
1877-10-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1054 vnuff) und die bei diesem freudigen Anlasse ins Leben gerufenen großartigen, wahrhaft königliche« Stiftungen. Dienstag Abend verbreitete sich die herzerfreuende Nachricht, daß der Vater der Braut dem Vorstände der isr. ReUgionSgesellschaft die Summe von dreimalhundertausend Mark zur Errichtung eines neuen Schulgebäudes übergeben habe. Die Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellschaft, diese epochemachende Schöpfung unseres ehrwürdigen Rabbiners ’"J, welche in unserer Zeit zuerst den Grundsatz pi*» yn oy min nio^n nö\ „Schön ist die Verbindung der Gotteslehre mit weltlichem Wissen" zur Wahrheit gemacht hat, deren Knaben- Schule den Rang einer öffentlichen Realschule mit Berechtigung zur Ausstellung von Einjährig-Freiwilligen-^ilitärzeugnissen, und deren Mädchen- Schule den Rang einer höheren Tochter-Schule einnimmt, diese vorzüglichen Jugendbildungs-Anstalten entbehrten bis jetzt eines allen Anforderungen entsprechenden Schulgebäudes. Vor einem Viertel-Jahrhundert ins Leben gerufen, zahlten die Anstalten nur wenige Schüler und Schülerinnen; jetzt sind deren mehr als 500; in neuester Zeit wurde der Raum des Schulgebäudes durch die Vergrößerung der Synagoge beschränkt; ein neues Schulgebäude war zur unabweislichen Nothwendigkeit geworden. Es ist daher das fürstliche Geschenk deS Freiherrn von R. eine ebenso zweckmäßige wie reiche Gabe. Sie können sich nicht 'vorstellen, welcher Jubel darüber in unseren Kreisen herrscht. Man erblickt gleichzeitig darin eine Anerkennung des großartigen Wirkens unsres verehrten Rabbinen '"j. Durch diese herrliche Stiftung wird es ermöglicht, die Stätte der Jugendbildung zu einer in jeder Beziehung mustergiltigen zu gestalten. Möge der allgütige Gott den großherzigen Geber und die Seinigen segnen. Noch erhöht wurde die Freude durch eine andere. dem Magistrate unsrer Stadt von der Mutter der Braut, der FreifrauM at Hilde v. Rothschild, übergebene Stiftung. Zweimalhundertundfünfzigtausend Mark sollen einen Fond bilden, durch dessen Zinsen dem Kunstgewerbe Pflege und Unterstützung werde. Welch' ein tiefer Blick in die Volks-, wirthschaftlichen Zustände unserer Zeit und unseres Volkes offenbart sich durch diese Stiftung! Vor dem dreißigjährigen Kriege blühte das Kunstgewerbe in Deutschland. Durch jenen jammervollen Krieg ward es aus Deutschland vertrieben, der Sinn dafür zerstört, und findet dasselbe erst in unsrer Zeit die nothwendige Ermunterung wieder. Für Hebung des Kunstgewerbes sorgen, heißt den Wohlstand und die Größe unsres Vaterlandes fördern. Auch von dieser Stiftung soll ein Drittheil solchen Israeliten zu Gute kommen, die auf dem Boden des traditionellen Judenthums stehen, und soll daher in der Verwaltung stets ein Mitglied der isr. Religionsgesellschaft Sitz und Stimme haben; die Verwendung der andern zwei Drittheile soll ohne Rücksicht auf Religion oder Confession geschehe«. Gestern, den 24. October, fand die religiöse Trauung statt. Zu derselben waren die Glieder der Familie Rothschild aus Paris, London und Wien hierhergekommen. Die Trauung vollzog in Stellvertretung seines Vaters Herr vr. M. Hirsch Director der Unterrichtsanstalten der isr. Religionsgesellschaft. Die Trauung fand nach altjüdischer Sitte statt; es wurde nicht der geringste Brauch vernachlässigt Die schöne, zu Herzen gehende Trau-Rede machte auf alle Anwesenden großen Eindruck und fand allseitige Anerkennung. Nach der Trauung fand der Empfang aller Notabilitaten von Frankfurt, der Vorstände von Gemeinden und Vereinen statt; auch die Kinder, welche in dem von Herrn Baron und Frau Baronin Wilhelm von Rothschild gegründeten und unterhaltenen Waisenhause erzogen werden, waren erschienen, um ihre Glückwünsche darzubringen; Beglückwünschungs - Telegramme kamen aus der Nähe und Ferne. Bei der darauffolgenden Tafel ging Alles nach echtjüdischem Gesetze und Brauche vor sich. Waschwasser zum Händewaschen wurde umhergetragen, man saß mit bedecktem Haupte am Tische, Herr vr. M. Hirsch sprach das Tischgebet (ya«r non). Abends brachten Schüler der Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgefellschaft einen Fackelzug; einer derselben hielt eine Ansprache, die Herr Baron Wilhelm von R. dahin erwiderte, daß er hoffe, die Knaben werden durch Fleiß und Eifer im Erlernen der heiligen wie der profanen Wissenschaften der Gabe sich würdig zeigen. Die junge Ehefrau wird nun den Geist des väterlichen Hauses in die große Weltstadt an der Seine hinübertragen. Die israel. Gemeinde zu Paris kann sich beglückwünschen, daß Derjenige, welchen sie an die Spitze ihrer Wohlthätigkeitsan» stalten berufen (Baron Edmund ist Präsident des Comit6 de Bienfaisance), eine Gattin gefunden, welche den Traditionen des väterlichen Hauses entsprechend an seiner Seite wirken wird. Auch in Paris hat das Rothschild'sche Haus aus Anlaß dieser Vermählung 150,000 Frs. zu wohlthätigen Zwecken bestimmt. Möge des Allgütigen Segen die neubegründete Familie in Freude und "Glück; in Gottesfurcht und Wohlthun erstarken, gedeihen und wachsen lassen.

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