Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1877)
- Date
- 1877-10-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447738--14251-2470152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1052 hat keine bessere Gelegenheit, seine Milde zu beweisen. Ehegatten gehören einander in der Noth wie am Tage des Glücks; jedes Gewitter des Lebens, jeder Sonnenstrahl der Freude trifft Beide. Die Noth und die Freude des Einen wird zur Noth und zur Freude des Andern. Groß sind die Beschwerden des Lebens, aber die eheliche Liebe macht Arbeit und Beschwerden leichter. Du weißt, für wen Du arbeitest und sorgst. Du achtest den Schweißtropfen weniger, der von des Tages Last und Hitze erpreßt, Dir von den Schläfen rinnt. Er fließt zur Freude, zur Erhaltung eines geliebten Herzens. Neuer Lebensgenuß strömt Dir z«. Inniger fesselt die Ehe Dich an die Menschheit und ihr Glück, unauflöslicher an das Vaterland und dessen Wohl. Deine Seligkeit erhöht sich, Dein Leben vervielfacht sich, wenn in Deinem Erzeugten gleichsam ein neues Leben beginnt. Himmel und Erde, und was die Menschheit Schönes, Heiliges, Rührendes hat, ziehen sich enger um das verbundene Elternpaar zusammen. Das Band der Ehe macht Dich frömmer und besser. Deine Fehltritte machen nicht mehr Dich allein, sie machen das Herz unglücklich, welches sich Dir ergeben hat. Aber wehe dem Bande, welches Unglück über Dein Haus, Unfrieden in Dein Herz bringt! Bedenke wohl den entscheidenden Schritt für Dein ganzes Leben! Soll Deine Verbindung glücklich sein, so vernichte allen Zwist im Voraus! Gelobe Dir und Deinem oder Deiner Vermählten, nie zu zürnen! Denn es ist besser, ein Unrecht dulden als begehen, oder ihm schwerere Folgen zu geben als es verdient. Auch das kleinste Gezanke mindert das gegenseitige Zutrauen, erkältet unmerklich die Liebe und zieht größere Spaltungen nach sich. Hoffe nicht, mit bloßen Reizen, leiblichen oder geistigen, zu fesseln, ohne das Herz und die Vernunft, welche allein anknüpfen und festhalten; Du hofftest ebenso thöricht, als gedachtest Du aus bloßen Blumenketten ohne Stengel eine Blumenkette oder einen Kranz zu winden. Vermeide alle Quälereien, Vorhalten eines begangenen Unrechts; es setzt mit der Zeit eine j Bitterkeit an, die sich schwer wieder vertilgt. i Verbanne Eigensinn, Zwist und Herrschsucht. Einheit des Willens, Nachgiebigkeit sei Dein Ziel.! Der Mann herrsche durch 'Ueberzeugunz und j Vernunft; sein Herrschen sei nicht trotziges Gebot,! sondern unmerkliches Leiten des schwächeren Weibes zu dem, was recht, gut und nützlich ist. Das Weib aber suche durch Liebe und Achtung, die es dem Gatten für sich einfiößt, ihn umzustimmen, wenn er irren sollte. Kein Geheimniß trenne jemals Mann und Weib; selbst nicht aus Liebe oder Schonung soll Eins dem Andern etwas verschweigen. Das Weib wisse, was in des Mannes Brust vorgeht, der Mann sehe klar durch die Gedanken und Empfindungen seiner Gattin wie durch seine eigenen. So lebt Eins im Andern; so werden zwei Seelen Eine Seele; so wird' die Ehe das heilige Band der Geister, das selbst der Tod nicht bricht und in der Ewigkeit fortdauert. Aber die Grundlage eines jeden EhebundeS sei die Religion der Väter. Ein Mann ohne Religion , der die Gesetze unsres Gottes mißachtet, j dem Gottheit, Ewigkeit Worte ohne Bedeutung j sind, ist jeder Schandthat fähig, Weib und Kind zu verrathen, zu verlassen, in'S Elend zu jagen. Ein Weib ohne Religion ist ein werdendes Ungeheuer. Wehe dem Manne, der kein Vertrauen haben kann, haben darf zu seinem Weibe; ein solches Weib ist bitterer als der Tod. Gottes Majestät durchleuchtet mit beseligenden Strahlen eine auf dem festen Fundament der Gottesfurcht errichtete Ehe; die hebräischen Bezeichnungen für Mann und Wtzib rw«i epk enthalten den Gottesnamen; bmm das * und n»K das n; wenn aber Gott von ihnen gewichen, so bleibt nichts als iwo ffx, verzehrendes Feuer. Daher war Abraham so ängstlich besorgt bei der Wahl der Gattin für seinen Sohn; daher die feierliche Beeidigung des Hausverwalters; daher das Mißtrauen ElieserS in den eigenen, prüfenden Blick und das Gebet um einen directen, göttlichen Hinweis. Nicht Geld und Gut forderte Abraham von der zu wählenden Schwiegertochter, sondern Rücksicht auf die Familie, ein Weib, geeignet für seinen Sohn, für Jizchak; nicht Schönheit und Anmuth machte Elieser zu den Kriterien der Wahl, sondern Herzensgüte, Menschenfreundlichkeit, Erbarmen selbst mit dem Viehe. Und Jizchak? Er erkannte und wußte zu würdigen die liebevolle Sorgfalt seines Vaters, das umsichtige Vorgehen des Hausverwalters. Und als man ihm Alles erzählt hatte, prüf rwa'i nat* m» rnaan rvtpyji nsiSa m» — nbn«n da führte er sie in das Zelt, und als er sah, daß Riwkah in ihrem Wesen, in ihrer Herzensgüte, im Eifer der Pflichterfüllung seiner Mutter Sarah glich.